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Update einer Legende

Der neue Transporter VW T6.1 und seine wichtigesten Marktbegleiter
Update einer Legende

Volkswagen spendiert dem Bulli ein umfangreiches Update – unsere Autoren sind den VW T6.1 bereits gefahren. Auch die Konkurrenz legt nach: Acht Marktbegleiter im Kurzporträt.

Marktübersicht: Ausgewählte Marktbegleiter in der Bulliklasse

Jens und Patricia Fritzsche, Freie Journalisten

Volkswagen geizt nicht mit Superlativen, wenn es um die neue Version eines der meistverkauften Transporter geht. Der Versionszusatz 6.1 soll direkt verdeutlichen: Hier wurde mehr verändert, als es bei einem Facelift üblich ist. In der Regel erfolgt so eine weitreichende Überarbeitung erst mit dem Wechsel in die nächste Fahrzeuggeneration.

Vor allem im Bereich der Fahrunterstützung mithilfe der Assistenzsysteme gelingt dem neuen Bulli ein Quantensprung, ermöglicht hauptsächlich durch die elektromechanische Servolenkung. Im Vergleich zur hydraulischen Lenkung des Vorgängers bietet das neue System viele Möglichkeiten der Unterstützung durch Assistenzsysteme bis hin zu teilweise automatisierten Fahrfunktionen. So fädelt der T6.1 mit dem Park-Assist automatisch in Parklücken ein und aus. Der Fahrer muss nur noch Gas und Bremse betätigen. Der bereits aus dem Crafter bekannte Trailer-Assist vereinfacht das Manövrieren mit Anhänger. Über den Knopf für die Außenspiegel stellt man im Display den Winkel für den Hänger ein, der Transporter schwenkt diesen passend ein. Übersieht der Fahrer, etwa beim Rückwärtsfahren, ein seitliches Hindernis, greift der Ausparkassistent ein. Das System warnt nicht nur, sondern bremst das Fahrzeug bis zum Stopp.

Die automatische Distanzregelung verfügt in Kombination mit dem DSG über eine Stop-and-go-Funktion. Der T6.1 fährt damit in der Stadt oder im Stau von selbst an, sobald der vorausfahrende Wagen wieder beschleunigt. Serienmäßig an Bord sind der neue Seitenwindassistent, die Multikollisionsbremse und eine Berganfahrhilfe.

Auf Wunsch immer online

Auf Wunsch vernetzt sich der T6.1 kontinuierlich mit der Außenwelt. Das Cockpit glänzt mit volldigitalen Instrumenten auf den neuen 8’’- und 9,2’’-Displays der dritten Generation des Modularen Infotainment-Baukastens (MIB3). Sie bieten ein breites Spektrum online-basierter Funktionen und Services. Darunter sind Internetradio, Musikstreaming und digitales Flottenmanagement nur einige mögliche Dienste, die dank eSIM auch ohne Smartphone funktionieren.

Gesteuert wird das System bequem per intuitiver Sprachbedienung: Aktiviert mit »Hey Volkswagen«, kann danach beispielsweise ein Navigationsziel mit der Ansage »Ich möchte zum Flughafen« ausgewählt werden. Im Vergleich dazu eher traditionell, aber äußerst sinnvoll sind eine 230-Volt-Steckdose am Fahrersitz und ein abschließbares Fach unter der Doppelsitzbank auf der Beifahrerseite. Und endlich zieht auch im Bulli eine Durchlademöglichkeit unter der Beifahrerdoppelbank ein. So sind nun auch im VW bei kurzem Radstand Transportstücke bis 2,8 m Länge und bei langem Radstand bis 3,3 m Länge kein Problem mehr.

Außerhalb des Fahrzeuges wird das Smartphone in Verbindung mit der sogenannten We-Connect-App zur Fernsteuerung und Infozentrale: So lässt sich der Transporter etwa aus der Ferne verschließen, orten oder die Restreichweite abfragen.

Ausstattung und Motoren

Zur erweiteren Serienausstattung gehören beim T 6.1 elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel, H7-Scheinwerfer sowie energieeffiziente Innenleuchten in LED-Technik und Radiosystem mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung in jedem Fahrzeug. Die 2-l-Turbodiesel mit 90 bis 199 PS erfüllen die Abgasnorm Euro-6d-TEMP. Für beide Topmotorisierungen ist statt des Frontantriebs auch optional der Allradantrieb 4Motion erhältlich. Zudem folgt eine Elektrovariante mit 112 PS Leistung und mehr als 400 km Reichweite.

Äußerlich hat sich beim VW Transporter vor allem die Front geändert. Besonders markant ist der größere Kühlergrill, der nun mit dem neuen Stoßfänger eine Einheit bildet. Chromfarbene Querstreben verbinden die beiden Scheinwerfer und werden durch die LED-Tagfahrlichter fortgesetzt. Sechs neue Räderdesigns und zahlreiche neue Exterieurfarben inklusive einer Zweifarblackierungen vervollständigen beim VW T6.1 das Erscheinungsbild.

Wie fährt sich der neue Bulli?

Unser Testwagen wurde als Langversion mit 199 PS und Direktschaltgetriebe (DSG) ausgeliefert. Dieser starke Turbodiesel bietet hinreichend Kraftreserven, um alle Eventualitäten souverän zu meistern. Das DSG mit sieben Gängen passt gut zu dem kräftigen Motor und schaltet flüssig durch die Gänge. Bei den Testfahrten lag unser Durchschnittsverbrauch bei gut 8,0 l Diesel auf 100 km. Sowohl Fahrkomfort wie die Fahrdynamik sind auf einem exzellenten Niveau. Ob man in der Stadt oder auf der Autobahn unterwegs ist, die Lenkung arbeitet agil, präzise und vermittelt ein direktes Gefühl zur Fahrbahn. Das Fahrwerk ist ebenfalls hochklassig. In allen Beladungszuständen dringen kaum Wellen oder Querfugen in den Wagen zu den Insassen durch. Der Volkswagen Transporter T6.1 liegt ruhig auf der Straße. Positiv überrascht hat uns zudem der für einen Transporter mit 3,4 m Radstand sehr kleine Wendekreis.

Die Assistenzsysteme arbeiten zuverlässig und auf einem hohen Niveau. Gerade an unübersichtlichen und engen Stellen half uns der Flankenschutz in Kombination mit der Rückfahrkamera unbeschwert zu rangieren. Allerdings verwirrte uns an Abfahrten von Schnellstraßen teilweise die ansonsten sehr gut arbeitende Verkehrszeichenerkennung. So hat uns das System beispielsweise kurzzeitig gewarnt, nicht mehr als 40 km/h zu fahren, obwohl wir geradeaus auf der Schnellstraße fuhren. Und wie schon im VW Crafter mussten wir in der Straßenbaustelle beim Spurhalteassistenten wieder stark gegenlenken: Der Bulli will den weißen Markierungen durch aktiven Lenkeingriff folgen.

Das neue Infotainmentsystem ist top. Die Sprachbefehle werden sehr gut verstanden und umgesetzt. Die Displays sind kontrastreich und gut ablesbar. Im Multifunktionsdisplay hinter dem Lenkrad lässt sich das Navigationsziel zwischen die Ziffernblätter für Geschwindigkeit und Drehzahl einblenden. Zudem ist es möglich, die Rundinstrumente auszublenden und stattdessen verschiedene Infofelder ins Blickfeld zu schieben. Das System lässt sich über das mit vielen Tasten belegte Multifunktionslenkrad bedienen.

Der Volkswagen T6.1 ist ein rundum gelungenes Update des Klassikers. Gerade die neue Servolenkung mit den zahlreichen Assistenten, der Fahrkomfort und die Digitalisierung heben den Transporter auf ein neues Niveau. VW hat alles richtig gemacht, um in diesem Segment an der Spitze der Zulassungszahlen zu bleiben. Was setzen dem die Kompakttransporter von Fiat, Ford, PSA und Mercedes entgegen?

Fitnesskur für drei Verwandte

Mit modernerem Cockpit und effizienteren Motoren starten die baugleichen Fiat Talento, Nissan NV 300 und Renault Trafic ins Modelljahr 2020. Drei neue Turbo-Dieselmotoren mit zwei Litern Hubraum und Emissionsnorm Euro 6d-TEMP steigern die Effizienz laut den Herstellern um elf Prozent gegenüber den Vorgängermotoren. Die Topmotorisierung leistet nun 170 PS und bietet 380 Newtonmeter Drehmoment. Zudem erhalten die drei Transporter ein modernes Entertainmentsystem. Der große 7-Zoll-Touchscreen integriert nun via Apple Car Play oder Android Auto die smartphoneüblichen Apps in die Transporter. So lassen sich beispielsweise durch die Nutzung von Google Maps Staus umfahren oder mit Apple Music die Musiktitel per Sprachbefehl steuern.

Das äußere Erscheinungsbild bleibt bei Fiat und Nissan unangetastet. Nur Renault verpasst dem Trafic ein dezentes Facelift. Renault-Fans dürfen sich auf einen neuen Kühlergrill mit Chromeinfassung und Chromspangen sowie auf C-förmige, in die beiden Hauptscheinwerfer integrierte Tagfahrlichter freuen.

Ford und der PSA-Konzern stellen dem neuen VW elektrische Varianten entgegen. Bereits erhältlich ist der beliebte Ford Transit Custom als Plug-in-Hybrid. Er verspricht bis zu 56 Kilometer rein elektrische Reichweite. Danach schaltet sich ein 1,0 Liter großer EcoBoost-Turbobenziner als Range Extender hinzu und speist Energie für weitere 450 Kilometer in die Batterie ein. Damit fährt der Transit Custom dann emissionsfrei in städtischen Umweltzonen, eignet sich aber auch für Überlandfahrten ohne Stopp an der Ladesäule. Der Elektromotor leistet 126 PS und treibt ausschließlich die Vorderräder an. Die Batterie mit Kapazität von 13,6 kWh wird im Unterboden verbaut und beeinträchtigt nicht das Volumen des Laderaums. Damit stehen 6,0 m³ Volumen und eine Nutzlast von rund 1 100 Kilogramm zur Verfügung.

Ab Frühjahr 2020 stellt Ford ein Geofencing-Modul bereit. Mit dem Modul erkennt der Transit Custom, ob er sich in einer Umweltzone befindet. Ist dies der Fall, schaltet er automatisch auf reinen Elektroantrieb um und beugt somit Geldbußen in Großstädten vor. Angeboten wird der Ford Transit Custom PHEV (steht für: Plug-in Hybrid Electric Vehicle) ausschließlich mit kurzem Radstand und flachem Dach zu einem Einstiegspreis ab 47 995 Euro netto.

PSA fährt elektrisch vor

Der PSA-Konzern bringt im nächsten Jahr drei rein batterieelektrische Fahrzeuge auf den Markt. Citroën Jumpy, Opel Vivaro und Peugeot Expert werden mit zwei verschiedenen Batterien ausgerüstet sein: Einer 50-kWh-Batterie bis 200 km Reichweite oder einer 75-kWh-Batterie bis 300 Kilometer Reichweite. Die neue EMP2-Plattform des Konzerns ermöglicht den Einsatz von konventionellen ebenso wie elektrischen Antrieben. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020 sollen die drei e-Transporter erscheinen. Zu den Preisen hüllen sich die Hersteller bisher noch in Schweigen.

Der Vito bleibt auf Kurs

Ohne Ankündigung einer Überarbeitung startet der Mercedes Vito ins neue Jahr und muss sich trotzdem nicht hinter der Konkurrenz verstecken: Bereits seit gut einem Jahr überzeugt der eVito mit 115 PS und etwa 150 km rein elektrischer Reichweite auf dem Markt. Zudem erfüllen alle Motoren bereits die strenge Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Und auch das Fahrzeugdesign lässt den Vito nicht alt aussehen. Da die dritte Generation jedoch bereits seit 2014 vom Band läuft, darf man sich in naher Zukunft sicher auch hier auf Neuigkeiten freuen.

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