Meisterstücke

Spannungsreicher Entwurf

Der bemerkenswert eigenständige Gestaltungsansatz des Meisterstücks von Martin Kurt wurde im Herbst 2014 mit dem Gestalterpreis des Berliner Tischlerhandwerks ausgezeichnet. Wie materialgerecht ist die virtuose Massivholzkonstruktion ausgeführt?

Eckhard Heyelmann, Garmisch- Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer, Schulleiter a.D.

Auf den ersten Blick ruft das Meisterstück Assoziationen an sakrale Symbolik hervor. Kreis, Dreieck und Viereck sind optischer Rahmen und Orientierungshilfe. Korpus und Gestell bilden ein Doppelquadrat, die Tiefe des Korpus entspricht der halben Höhe. Horizontale und vertikale Teilungen nach dem »Goldenen Schnitt« bestimmen den asymmetrisch verschobenen Schnittpunkt der Diagonalen und damit auch die Breite der Türen. So entstehen ungleichseitige dynamisch wirkende Dreiecke. Abfasen und Variieren der Materialstärke bewirken einen Tiefenversatz. Je nach Lichteinfall entsteht eine reizvolle dreidimensionale Wirkung. Im Griffbereich der Türen sind halbkreisförmige Kupferbleche hinterlegt, die durch eine Lackierung mit Klarlack unempfindlich gegen Fingerabdrücke sind. Die beiden Türen lassen sich aushängen: Die obere Achse der selbst gefertigten Zapfenbänder lässt sich an einem Hebel gegen Federdruck nach unten bewegen. Das Möbel kann auch unabhängig vom Gestell wandhängend oder innerhalb eines Regals montiert werden.
Das »Querdrat« soll als Aufbewahrungsmöbel und Bar im Wohnzimmer dienen. Die Innenaufteilung aus Schüben und Trichterschalen auf Kulissen ist ansprechend gestaltet und vollendet ausgeführt. Die perfekt harmonisierenden Materialien Ahorn, Rüster und Kupfer bilden durch ihre warme Ausstrahlung einen faszinierenden Blickfang.
Unter dem Gesichtspunkt Arbeiten des Vollholzes und Maßhaltigkeit erscheinen allerdings einige Konstruktionen bedenklich: so die Verbindung der unregelmäßigen Dreiecke zu Türen und die in der Tiefe arbeitende, massive Hülle im Verhältnis zu den Zwischenwänden aus Plattenwerkstoff.
Die in das Gestell eingebohrten, aussteifenden Rundstäbe können allein auf die Flächen bezogen kein Gegengewicht zur Kopflastigkeit des Möbels setzen – ergriffen sie durch diagonale Bezüge auch das Volumen, wäre die Wirkung eine andere.

Eckhard Heyelmann

»Vollholzflächen aus ungleichen Dreiecken sind Spannungen ausgesetzt …«

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