Meisterstück: Schreibtisch von Severin Rubatscher

Keine leichte Sache

Der Schreibtisch mit dem Namen Damo, der japanischen Kurzbezeichnung für Esche, sollte durch seine filigrane Konstruktion eine fernöstliche Anmutung erhalten. Die Gestalt des Möbels kann der anspruchsvollen Leitidee nicht in allen Teilen gerecht werden.

Filigrane Stollen mit durchgestemmten und verkeilten Zapfen sind ein wesentliches Merkmal der Konstruktion, die eine Zerlegbarkeit nur suggeriert: Die Verkeilung der Knotenpunkte ist verleimt, wie ein Blick in die Zeichnung zeigt. Es wäre mehr Vorholz erforderlich, um eine stabile, lösbare Verbindung zu gewährleisten, weiter vorstehende Zapfen könnten zudem die Beinfreiheit einengen.

Zwei Korpuselemente tragen die massive, 30 mm dicke Eschenplatte. Aufliegend und mit Nutklötzen befestigt zeigt sie nur schwach gebrochene Kanten. Eine Abfälzung der Unterseite oder alternativ eine Rahmenkonstruktion mit größerem Plattenüberstand und eingelegtem Linoleum als Schreibfläche könnte die Bauweise des Korpus aufnehmen und zu mehr Leichtigkeit beitragen. Unter der Platte befinden sich drei von seitlichen Kulissen geführte Schubkästen, im oberen Korpusbereich jeweils ein hängend geführter Innenschubkasten. Der darunterliegende Platz für Drucker und Rechner ist wegen der tiefen Lage eher bedienungsunfreundlich. Gut durchdacht ist aber die Belüftung: Statt einer Rückwand sind dünne, zum Teil herausnehmbare Vollholzstäbe in engem Abstand zueinander eingenutet worden, sodass auch Kabel mit größerem Stecker durchgeführt werden können. Die schlichte symmetrische Grundform des Möbels korrespondiert mit der fein gestreiften Holzstruktur der Esche. Einen deutlichen Kontrast dazu bilden die monoton und eher schwer wirkenden monochromen grauen Fronten, Füllungen und Schubkastendoppel. Sie sind aus dem durchgefärbten Holzfaserwerkstoff Valchromat gefertigt, der durch seine hohe Dichte für präzise Fräsungen wie etwa die Griffmulde in der Tür besonders geeignet ist. Die Korpustüren sind stumpf mit Zapfenbändern angeschlagen und werden von Neodymmagneten punktuell zugehalten.

Severin Rubatscher hat einen modernen Werkstoff mit klassischen Konstruktionsprinzipien verbunden. Dabei sind ihm beachtliche Lösungen gelungen, die durch Einsichten und Einblicke in die japanische Handwerkskultur im Hinblick auf das Thema Fügen und Verbinden noch vertieft und erweitert werden könnten.


Eckhard Heyelmann, Garmisch-Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer. Von 1990 bis 2001 hat er als Leiter der Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen auch die Entwicklung der Meisterstücke betreut.