Meisterstück von Philipp Schulz

Pauken und Trompeten

Das Feuerwerk ist kaum verklungen – als Nachklang stellt Prof. Axel Müller-Schöll einen Barschrank auf Trompetenfüßen vor, der dazu einlädt, auf das noch junge Jahr anzustoßen. Organische und orthogonale Formen bilden miteinander eine reizvolle Gestalt.

Der hölzerne Quader in Rüster mit seinem mattschwarzen, feuchtigkeitsresistent ausgeführten Ausschnitt für den Getränkeausschank zeigt eine klar in Form gebrachte Idee – durchdetailliert von einem geübten Konstrukteur, der offensichtlich über breite Material- und Fügungskenntnis verfügt. Definierte Fugen, im Automobilbau würde man sie Spaltmaße nennen, halten Materialien und Flächen auf Distanz und kommunizieren hohe Präzision und Wertigkeit. Bei den Beinen, insbesondere den trompetenartigen Füßen, kommt mir eine Aussage von Armin Müller-Stahl, dem erfolgreichsten deutschen Schauspieler der Gegenwart in den USA, aus einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung in den Sinn: »Ich baue eine Figur immer von den Schuhen her auf – man muss sie von unten nach oben leben.« Wenn Philipp Schulz in der Beschreibung seines Meisterstücks formuliert, »die grazilen Beine sollen den Schrank zu einem dezenten Blickfang machen«, so liegen hier Mime und Meister vermutlich nicht weit auseinander!

Die Kontur der Beine soll mittels ausgedrucktem Aufriss auf den Rohling übertragen werden. Aus der Zeichnung geht nicht hervor, ob die Kontur als freie Form angelegt oder durch exakte Geometrisierung mit Radien und tangentialen Berührungspunkten definiert ist. Das Einarbeiten der Rotationsachsen in das Maßwerk des Möbels würde den beim Korpus gezeigten Präzisionsanspruch untermauern.

Um den Stand des Möbels zu gewährleisten, sollen verstellbare Bodengleiter am unteren Ende der Füße eingearbeitet werden. Möglicherweise wäre, um die charismatische Wirkung der Füße nicht zu stören, ein etwaiger Höhenausgleich an anderer Stelle diskreter zu bewerkstelligen, etwa das Verstellen der Beinlänge im Metall-Zargenrahmen, was zugegebenermaßen auf Kosten des formschlüssigen Materialübergangs ginge. Dies ist allerdings Kritik auf hohem Niveau – nicht nur das Möbel, sondern auch die zugehörige Zeichnung sind eine Augenweide!

Vertikalschnitt: Swiss CDF mit Fenixbeschichtung greift den Charakter des Stahlblechs auf
Die Koffertür schließt mit Magneten und einer eleganten Staubleiste
Die Koffertür schließt mit Magneten und einer eleganten Staubleiste

Prof. Axel Müller-Schöll lehrt an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Innenarchitektur und Ausbaukonstruktion. dds und dem Tischlerhandwerk ist er seit vielen Jahren beratend und als Autor verbunden.