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Meisterstück Schrankmöbel von Clemens Wagner

Meisterstück Schrankmöbel von Clemens Wagner
Freuden und Leiden

Der Herr trägt Anzug zu freudigen und leidvollen Anlässen des Lebens. Clemens Wagner hat bei seinem Meisterstück ein gut durchlüftetes Schrankmöbel entsprechend differenziert ausgestattet.

Dieses Möbelstück ist der sensible Ausdruck einer Lebenshaltung, die Clemens Wagner klug in der Beschreibung seines Meisterstücks dargelegt hat: Das Schrankmöbel soll Herrenanzügen und ergänzender Garderobe zu freudigen und leidvollen Anlässen Platz bieten. Ebenso, wie dunkle respektive helle Kleidung ein Ereignis würdigt, kleidet sich der Schrank hell und dunkel: Außen sind rundum 61 mm breite Leisten in sägerauer, schwarz gebeizter Esche abgeschrägt und gespiegelt mit 2,5 mm Abstand vertikal zueinander angeordnet.

Optisch entsteht eine Wellenbewegung und durch Verschattung eine interessante schwarze Streifung. Auch innen zeigt der Korpus Eschenleisten mit 2,5 mm Abstand, doch hier hell, mit seidenfeiner Oberfläche mit einem angenehmen Duft durch weiße Holzbodenseife. Gegen direkten Lichteinfall und das Eintreten von Staub sind innere und äußere Friese um eine halbe Breite zueinander versetzt.

Meisterlich ist die Durchlüftung des Innenraums gelöst: Ähnlich dem Futter eines Kleidungsstücks ist der innere Korpus mit einem Abstand von 2,5 mm durch eingenutete Quertraversen mit der äußeren Hülle verbunden. Auch die Mittelseite ist in gleicher Weise aufgebaut. So kann die Luft durch den Schrank zirkulieren. Die hellen Querfriese halten auf Abstand, stabilisieren zugleich die Fronten und zeichnen sich durch die Abstände der vertikalen Leisten in der schwarzen Hülle wie ein dekoratives Webmuster ab.

Auch die Aufteilung ist gut durchdacht: Im linken Schrankteil sind Anzugsjacken und Hemden, rechts Hosen knitterfrei aufgehängt. Türen sind unsichtbar angeschlagen und haben eingefräste Griffmulden. Die rechteckigen eingenuteten Kleiderstangen zeigen oben eine überstehende Aluleiste für die Auflage der Kleiderbügel. Unter dem Jackenfach gibt es zwei mit Merinofilz ausgeschlagene Schubladen für Gürtel, Krawatten und Uhren.

Eine Magnetwippe unterhalb des oberen Schubkastens blockiert die Öffnung des Uhrenfachs: Mit Betätigen des Tip-on-Beschlags am unteren Schubkasten löst sich durch einen Magneten in der hinteren Traverse des Schubes die Wippe und gibt die Öffnung frei. Durch das Zurückschieben der Schublade läuft die Holzführung über die Wippe und kann von Neuem betätigt werden. Die Mobilität des freistehenden Schrankes auf geschmackvollen Rollen ist sinnvoll. Ein besonderes Meisterstück, das mich zugleich berührt und fasziniert hat.


Ursula Maier, Stuttgart, Maître Ébéniste und
Innenarchitektin BDIA. Die Unternehmerin hat
ihren Betrieb um ein Einrichtungshaus sowie ein Büro für Innenarchitektur erweitert und 2007
an die vierte Generation übergeben.

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