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Mehr Kontrolle als Handschliff

dds vor Ort
Mehr Kontrolle als Handschliff

Was bisher zwei Kollegen an den verleimten Rahmen verrichten mussten, geschieht jetzt zum Großteil vollautomatisch und im Durchlauf vor der Rahmenpresse. Die Schleifmaschine Q-Fin von Martin spart Zeit, sorgt für imprägnierte Zapfen und erzeugt hervorragende Flächen.

Mit geübtem Blick tastet Mario Hommel vor der Rahmenpresse jede Fensterkantel ab. Gegebenenfalls wischt er mit einem Vliesschwamm hier und da einmal leicht über die Fläche oder bessert einen Fehler aus. Dann gibt er Leim in die Schlitze und beschickt die Presse. Bei seltenen Profilen dauert das etwas länger, weil das Conturex-Bearbeitungszentrum nur mit Schlitzwerkzeugen für häufig verwendete Profile ausgestattet ist und auf die mühsamer vorzubereitende Dübelverbindung ausweicht. Nach vielleicht fünf Minuten Presszeit entnimmt er den Rahmen und legt ihn oben auf den Stapel zu den anderen. Von der Querpufferstrecke rechts neben der Rahmenpresse sucht er sich die nächsten vier Rahmenhölzer anhand aufgestempelter Kommissionsnummern zusammen, bereitet diese zum Pressen vor und entfernt zwischendurch mit dem Stecheisen den herausgequollenen Leim an den Brüstungsfugen des letzten Rahmens. Dieser ist jetzt fertig zum Füllern, die zweite von drei Beschichtungen. Der Holzschliff und die erste Beschichtung sind im Anschluss an die Conturex und die Ausbesserungsstation für Harzgallen und Äste im Durchlauf an der neuen Fensterschleifmaschine »Q-Fin« von Martin sowie einer Flutanlage von Finiture (www.finiture.it) entstanden.

Die Schreinerei Hans Wieser im oberbayerischen Frauenneuharting beschäftigt 15 Mitarbeiter, ist zu Dreivierteln mit dem Fensterbau ausgelastet und fertigt täglich etwa 30 Fenstereinheiten in 15 verschiedenen Profilsystemen. Gerne beliefert sie auch die Schreinerkollegen. Aufgrund der neuen Profilvielfalt sowie der immer dickeren Rahmenhölzer hat Wieser im Herbst 2012 die Fertigung von der Wickelanlage auf die Conturex von Weinig umgestellt. Damit hat sich das Umfälzen der Flügel erübrigt.
Hans Wieser nutzte diese Gelegenheit, die erste Beschichtung mit »Aquawood TIG HighRes« von Adler, eine Kombination aus chemischem Holzschutz und Lackgrundierung, noch vor der Rahmenpresse mit zwei verketteten Maschinen aufzutragen. Das sorgt für eine sichere Imprägnierung der Schlitze, Zapfen und Brüstungen und erspart die Arbeitszeit am Tauchbecken sowie den Handschliff. Er nennt eine durchschnittliche Zeitersparnis von 40 min je Fenster. Ein Flutmaschinenhersteller machte Hans Wieser auf die Fensterschleifmaschine Q-Fin von Martin aufmerksam. Die Maschine schleift die Profile mit Schleifbürsten und kappt auf den Sichtflächen die Holzfasern mit Querschleifbändern geometrisch definiert ab. Dieses »Quality-Finishing«-Verfahren mit nur 1/10 mm Materialabtrag ebnet und homogenisiert die Flächen und kappt die losen Holzfasern ab, die sich sonst beim Beizen oder Lackieren aufstellten (siehe »Hobeln reicht wohl doch nicht«, dds Nr. 3/2015). Aus diesem Grund kann der Mann an der Rahmenpresse quasi nebenbei das leisten, was vorher zwei Kollegen voll in Anspruch genommen hat. Nach der Presse durchlaufen die Rahmen hängend den Spritzstand, wo zunächst der Lackierer den Füller »Aquawood Intermedio ISO« und zum Schluss Dickschichtlasur oder Decklack aufträgt. Vor dem Spritzstand kontrolliert ein Gehilfe die Oberfläche und bessert nur vereinzelt nach.
Bisher unerreichbare Oberflächen
Hans Wieser sagt: »Mit der Q-Fin arbeiten wir nicht nur effektiver, wir erzielen auch eine bisher unerreichbare Oberflächenqualität. Besonders freue ich mich darüber, dass wir auch dünne Leisten durchlassen können. Mit dieser Investition wächst unsere Fertigung bestimmt ähnlich wie damals mit der Conturex.«

Kontakt

Anwender: Schreinerei Hans Wieser, 83553 Frauenneuharting www.schreinerei-wieser.de
Schleifmaschine: Otto Martin Maschinenbau GmbH & Co. KG 87724 Ottobeuren, www.martin.info
Fensterlack: Adler-Werk GmbH & Co. KG, A 6130 Schwaz www.adler-lacke.com

dds-Redakteur Georg Molinski schaute sich vor Ort in der Schreinerei Wieser um und konnte sich davon überzeugen, dass der Mann an der Rahmenpresse ohne viel zu schleifen eine weiterlackierfähige Qualität abliefert.
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