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Willi Brokbals: Maschinenwartung mit System, Teil 2 die Dickte.

Maschinenwartung mit System
Kur für die Dickte

Ein bisschen Pflege tut uns allen gut und erhält unsere Leistungsfähigkeit. Das gilt nicht nur für Menschen. Fachlehrer Willi Brokbals stellt in einer Artikelserie „Maschinenwartung mit System“ für Tischlereimaschinen vor: Teil 2 die Dickte oder Dickenhobelmaschine.

Herausschiessende Werkstücke oder Teile davon stellen die offensichtlichste Gefahr der Dickenhobelmaschine dar. Weitgehenden Schutz bietet die Greifer-Rückschlagsicherung.

Funktion prüfen und sicherstellen. Jährlich sollten Sie prüfen, ob die Greifer-Rückschlagsicherung funktioniert. Fahren Sie dazu den Maschinentisch auf mindestens 100 mm Hobeldicke herunter, sodass die einzelnen Elemente gut zu sehen sind und sich mit den Fingern bewegen lassen. Sichern Sie die Maschine vor dem Einschalten. Alle (!) Elemente müssen leicht beweglich sein und selbstständig in die Ausgangsstellung zurückschwenken (Bild 2 bis 4). Verwenden Sie zum Schmieren kein verharzendes oder staubanziehendes Öl. Besser ist PTFE (Teflon)-Spray ohne Silikonzusätze, da schon feinste Silikonrückstände die Kraterbildung beim Lackieren zur Folge haben.

Kein verharzendes Schmiermittel

Überprüfen Sie auch die Einzugwalze, die segmentierten Niederhalter vor und nach der Hobelwelle und die Auszugwalze. Abgenutzte Gummiwalzen sollten Sie durch neue ersetzen. Auch eine neue Beschichtung der verbrauchten Walzen in einem Vulkanisierbetrieb ist möglich. Denn nur griffige Walzen sichern den gleichmäßigen Transport des Werkstückes durch die Hobelmaschine. Verschmutzte Stahleinzugwalzen lassen sich mit Harzlöser reinigen, sodass die Stahlflanken wieder greifen (Bild 5 und 6). Der zwischen Einzugwalze und Messerwelle angebrachte Niederhalter besteht aus etwa 5 cm breiten, separat gelagerten und separat gefederten Segmenten. Er drückt das Hobelgut gegen den Hobeltisch und benötigt dafür einen gewissen Federweg und gute Gleiteigenschaften der Druckflächen. Hier ist der Federweg zu prüfen und sicherzustellen, dass sich jedes Andruckelement in seine Ausgangsstellung zurückbewegt. Sind die Druckflächen beschädigt oder verharzt, ist Glätten und Reinigen angesagt (Bild 7).

Der Niederhalter nach der Welle verhindert, dass das Werkstück nach dem Verlassen des vorderen Niederhalters vom Hobeltisch abhebt und die Messer kurz vor dem Werkstückende einschlagen.

Bei alten Maschinen übernimmt oft eine nicht gefederte, über die gesamte Hobelbreite wirksame Stahlschiene die Niederhaltefunktion. Sie ist rechts und links in der Höhe justierbar. Prüfen Sie ihre Funktion und stellen bei Bedarf die Höhe nach, was bei vielen Maschinen möglich ist.

Systemabstimmung. Ist das Hobelergebnis auch dann nicht zufriedenstellend, wenn alle Elemente gereinigt und in funktionsfähigem Zustand sind, sollten Sie die Höhen der einzelnen Elemente überprüfen und bei Bedarf justieren. Die Überprüfung erfolgt mit einer einfachen, selbst hergestellten Prüflehre. Von einem massiven Stück Hartholz (500 × 100 × 40 mm) sägen Sie an einem Ende der unteren Schmalseite einen etwa 100 mm langen und 20 mm hohen Keil ab. Von der direkt gegenüberliegenden Schmalseite lassen Sie 50 mm gerade Fläche stehen und trennen den Rest bis auf 50 mm der Brettbreite keilförmig ab. Die Prüflehre ist fertig (Bild 8).

In vier Schritten justiert

Zunächst ist im Schritt 1 der Messerflugkreis zu prüfen. Stellen Sie das Durchlassmaß auf 100 mm, sichern die Maschine vor dem Anlaufen und positionieren die Prüflehre mit der 50 mm langen Fläche unter der Messerwelle. Dreht man nun die Welle rückwärts sollte jedes Hobelmesser die Prüffläche berühren, ohne dass sich die Lehre am gegenüberliegenden Ende vom Tisch abhebt (Bild 9 und 10).

Ist die Lehre nach den angegebenen Maßen gefertigt, bedeutet jeder niederdrückende Millimeter am breiten Ende, dass sie sich dadurch am niedrigen Ende um etwa 4 mm anhebt. Die Position des Niederhalters vor der Messerwelle ist jetzt im Schritt 2 zu prüfen. Diese Prüfung ist dann erforderlich, wenn die Einzugswalze das Werkstück zwar vorschiebt, doch die Vorschubgeschwindigkeit kurz vor dem Erreichen der Hobelmesser nachlässt oder wenn am Anfang des Bretts ein sehr unruhiges Hobelbild entsteht.

Ziehen Sie die Lehre zurück zur Einlassseite der Maschine bis die Prüffläche unter dem Niederhalter vor der Messerwelle steht. Liegt er deutlich tiefer als der Messerflugkreis und ist dieser zudem mit starken Federn versehen, sollte Sie die Höhe nachjustieren. Ist der Niederhalter auf derselben Höhe wie der Messerflugkreis, hebt ihn das durchlaufende Werkstück um den Betrag der Spanabnahme an und verhindert dadurch das Flattern des Werkstücks (Bild 11).

Es folgt Schritt 3, um die Position des Niederhalters nach der Messerwelle zu prüfen. Nach dem Passieren der Messerwelle ist die Werkstückoberfläche auf derselben Höhe wie der Schneidenflugkreis. Die Aufgabe dieses Niederhalters ist es, die Werkstücke direkt nach dem Hobeln gegen den Tisch zu halten. Ist ein Niederhalter so eingestellt, dass er die gehobelte Fläche nicht berührt, entstehen Einschläge am Ende des Hobelguts. Ist er zu tief eingestellt, benötigt die Auszugwalze sehr viel Kraft, um das Werkstück zwischen Niederhalter und Dickentisch zu transportieren. Spätestens wenn das Werkstück mit Muskelkraft aus der Maschine gezogen werden muss, sollte der Niederhalter so eingestellt werden, dass er auf Höhe des Messerflugkreises steht. Das schont die Nerven und vor allem auch die empfindliche Gummiauszugwalze (Bild 12).

Die richtige Position der Ein- und Auszugwalze stellt Schritt 4 sicher. Je nach Maschinenausführung sollte der tiefste Punkt der Vorschubwalzen etwa ein bis 3 mm unterhalb des Messerflugkreises liegen. Ist er zu tief, kann es passieren, dass die Einzugwalze das Werkstück leicht anhebt. Eine Hobeldelle kurz vor dem Werkstückende ist die Folge. Eine zu tief stehende beziehungsweise zu stark drückende Vorschubwalze kann zudem Abdrücke der Riffelung auf dem Werkstück verursachen.

Messer und Messerwelle. Wer Streifenhobelmesser verwendet, muss den Niederhalter nach der Welle immer wieder neu justieren, da der Messerüberstand mehr oder weniger stark variiert. Die Ursachen für unterschiedliche Messerüberstände sind mangelnde Sorgfalt beim Messertausch und verschlissene Einstelllehren. So ist die Anlagefläche einer alten Lehre aus Aluminium meist nicht mehr frei von Kerben, sondern gleicht eher der Oberfläche einer Feile. Sie lässt kein präzises Einrichten mehr zu. Abhilfe schaffen Einstelllehren, die mit starken Magneten an der Stahlwelle haften und die unabhängig vom Maschinenhersteller bei allen Hobelwellen verwendbar sind (Bild 13). Wer nicht mit dem wiederkehrenden Einstellaufwand oder einem Kompromiss arbeiten möchte, hat die Möglichkeit, die gesamte Hobelwelle gegen eine mit modernerem Fliehkraft-Spannsystem auszutauschen. (Achtung, die Messer müssen sich seitlich herausziehen lassen.) Der Preis ohne Montagekosten ist mit 1500 bis 2000 Euro zwar hoch, doch für manche alte Dickenhobelmaschine betriebswirtschaftlich durchaus sinnvoll (Bild 14).

Umrüsten auf Wendemesser

Wesentlich preiswerter und sehr effektiv sind einfach nachrüstbare Wendemessersysteme. Die Werkzeug- und Maschinenhersteller haben sie in den letzten Jahren so weiterentwickelt, dass sie ohne Einstell- oder Umbaumaßnahmen die Streifenhobelmesser ersetzen. Das Messersystem der Firma Brück in Freudenberg (www.brueck-freudenberg.de) erübrigt sogar das einmalige Einstellen der Messer auf den Messerflugkreis. Auch das lästige Hantieren mit der Einstelllehre entfällt. Der Anwender klipst einfach ein Wendemesser auf eine Stahl-Trägerleiste und erhält eine Kombination mit dem Querschnitt eines normalen Streifenhobelmessers. Zwei kleine Vorsprünge auf der Rückseite des Messerträgers legen sich beim Einsetzen auf den Wellenkörper, sodass die Schneiden nach jedem Messerwechsel gleich überstehen. Ein Umrüstset mit vier Messerträgern und zwölf Wendemessern für 600 mm Hobelbreite kostet etwa 500 Euro. Ist der erste Messervorrat verbraucht, werden je nach Schneidstoff-Qualität etwa fünf bis 13 Euro je Schneide fällig (Bild 15).

Lager und Lärm. Die tägliche Beanspruchung der beiden Wellenlager durch Beschleunigen und Abbremsen der Hobelwelle und Kräfte, die durch die Zerspanung entstehen, hinterlassen Spuren in den Lagern. Sie schlagen Alarm. Die Abnutzung geschieht schleichend über viele Jahre hinweg. Der Bediener nimmt den allmählichen Lärmanstieg nicht wahr. Klarheit schafft nur die Messung des Schallpegels.

Eindeutige Hinweise auf Lagerprobleme sind übermäßige Schwingungen der Welle und damit auch der Maschine, deren Hülle wie ein Resonanzkörper wirkt. Kratzgeräusche und metallische Geräusche sind weitere deutliche Indizien für Lagerschäden. Weiter kann man prüfen, ob sich das Lager während der Nutzung (stark) erwärmt oder sogar Schmierstoffe austreten.

Nicht die genannten Punkte sind jedoch die häufigsten Ursachen für Lagerschäden, sondern unzureichende Schmierung und/oder falsche Schmierstoffe. Oft sind es Kleinigkeiten, die zur Lärmsteigerung beitragen: Vibrierende Blechverkleidungen kann man mit selbstklebenden Antidröhnstreifen zur Ruhe bringen. Manchmal reicht es aus, gelockerte Schrauben wieder fest zu drehen, damit lose Teile zum Beispiel am Absauganschluss nicht aneinanderschlagen.

Wenig Arbeit, großer Nutzen

Zwei Tipps zum Schluss, die das Leben leichter machen: 1. Gerade Tischhöhen älterer Maschinen sind für heutige Körperlängen zu niedrig. Tun Sie sich und Ihren Mitarbeitern etwas Gutes und bringen Sie durch Unterleghölzer die Maschine auf eine rückenfreundliche Höhe. 2. Beim Hobeln kurzer Werkstücke verliert man immer wieder den Sprint hinter die Maschine, um das Abstürzen der Werkstücke zu verhindern. Abhilfe schafft eine einfache, auf kräftigen Winkeln montierte Tischverlängerung. 600 mm Siebdruckplatte bringen hier eine deutliche Erleichterung. Nach diesem Pflegecheck sollte die Maschine noch lange gute Dienste leisten.

Den Einleitungsbeitrag der  Serie  „Maschinenwartung  mis System“ finden Sie hier.

Den Teil 1 Maschinenwartung mit System: Die Abrichte  finden Sie hier.


Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, berichtet in dds immer wieder über Technik für Tischler und Schreiner. Ungepflegte Maschinen nerven ihn. Also hat er die Initiative ergriffen und diesen Beitrag geschrieben.


Willi BrokbalsFachlehrer an der Meisterschule Ebern

»Ihre Dickte klemmt? Mit meiner Prüflehre bringen Sie sie wieder in Schwung.«

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