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Einfach und genau arbeiten an der Formatkreissäge

Einfach und genau arbeiten an der Formatkreissäge
Das funktioniert immer

Ein digitalisierter Betrieb arbeitet wohl wirtschaftlicher als ein analoger, kann aber nur das, was Software und Maschinen zulassen. Konventionelle Arbeitstechniken funktionieren jedoch immer. Willi Brokbals hat sie zu einer Serie zusammengefasst. Teil 1: Einfach und genau sägen.

Diese Serie spielt auf dem Feld zwischen Handarbeit und dem Bearbeitungszentrum. CNC Maschinen spielen eine immer wichtigere Rolle. Da ist es wichtig, dass bestimmte Fertigkeiten beim Arbeiten an Standardmaschinen nicht verloren gehen und dass der Schreiner in der Lage ist, aus einer Vielfalt an Möglichkeiten zu wählen. So versteht sich diese Serie als Angebot von Lösungen, die für viele und vieles richtig, jedoch nicht für alle und alles sinnvoll sind.

Sägen nach Riss. Theoretisch kommt es gar nicht vor, dass Werkstücke nach Riss abgelängt werden. Doch die Praxis sieht häufig anders aus: Mal ist eine Blende passgenau abzulängen, mal ist eine Gehrung perfekt nach Riss zu sägen. Die Sicherheit bleibt häufig auf der Strecke, da die schützende Werkzeugverdeckung weggestellt wird, damit sie die freie Sicht auf die Schnittstelle nicht behindert. Dann tastet sich der Bediener durch Vor- und Zurückschieben des Schiebeschlittens sägend an die markierte Schnittstelle heran und sägt ab und zu auch über das Ziel hinaus.

Alternativen zum Vor-und-zurück

Zwei Lösungen bieten sich an: Lösung 1: Parallel zum Schiebeschlitten wird mit wenigen Millimetern Abstand ein dünnes, glattes Maler-Klebeband auf den Maschinentisch geklebt. Es beginnt an der Vorderkante des Maschinentisches, endet kurz vor dem Sägeblatt. Wichtig ist, dass das Klebeband gut auf dem Maschinentisch haftet, damit das Werkstück es nicht ablöst oder beschädigt. Jetzt legt man eine passend lange Leiste gegen das Anschlaglineal, schiebt sie gegen den Klappanschlag und längt sie ab. Nun die Säge ausschalten. Sobald das Sägeblatt nicht mehr rotiert, hält man einen spitzen Bleistift oder Feinminenstift an die Unterkante der gesägten Schmalfläche und zeichnet damit beim Zurückziehen des Schiebeschlittens eine schmale Linie auf das Klebeband. An dieser Linie wird der Riss am Werkstück ausgerichtet und dort passgenau getrennt (Bild 2 und 3).

Lösung 2: Eine Leiste die etwas länger als das längste zu sägenden Werkstück ist, wird so gegen das Winkellineal gelegt, dass 10 bis 20 mm abgetrennt werden können. Das Verrutschen der Leiste verhindert der Klappanschlag. Wird das Kopfstück der Leiste gekappt, gibt die an der Leiste entstandene Fläche die Schnittebene vor, an der der jeweilige Riss ausgerichtet wird. Passt die Dimension der Opferleiste zur Dicke des zu sägenden Werkstückes, dient sie gleichzeitig als Splitterholz. Wird die Opferleiste nur mit den Händen in ihrer Position gehalten, besteht die Gefahr, dass sie verrutscht und es zu Fehlschnitten kommt. Deshalb klemmen Sie die Leiste mit Maschinenzwingen am Anschlaglineal oder befestigen sie einfach mit Doppelklebeband (Bild 4).

Massivholz ausrissfrei sägen. Beim Trennen von Brettern, Leisten oder Rahmenhölzern quer zur Faser entstehen leicht Ausbrüche an den Austrittkanten des Sägeblattes. Mit dem richtigen und scharfen Sägeblatt lassen sich Ausbrüche ganz oder größtenteils vermeiden. Ein Winkelbrett schützt in fast jedem Fall vor Ausrissen an der dem Anschlag zugewandten Seite und der Werkstückunterseite (Bild 5). Das Winkelbrett, die Länge richtet sich nach der Werkstücklänge, wird aus zwei MDF-Streifen verleimt.

Sauber schneiden

Vom Verschrauben sollte man absehen, da die Schrauben die MDF-Platte auseinanderdrücken können, sodass sie Auflage nicht mehr plan ist. Und es besteht die Gefahr, dass sie mit dem Werkzeug in Berührung kommen. Der flach aufliegende Schenkel des Winkels sollte etwas breiter als die Auflagefläche des Werkstücks sein. Die am Anschlag liegende Seite muss soweit über den liegenden Schenkel hinausragen, dass er nur wenige Millimeter höher als die Werkstückdicke ist. Das Winkelbrett mit Maschinenzwingen am Anschlag zu fixieren ist oft schwierig, da die Zwingen beim Auflegen und Entnehmen der Werkstücke hinderlich sind. Eine praktische Hilfe zum Sichern des Winkelbrettes und als Universalhalter für viele andere Halteaufgaben sind gefälzte Halteklötze (Bild 6 und 7). Sie werden mit einer Rhombenmutter für T-Nuten in der Schiebeschlitten-Nut verankert und mit einem Sterngriff verspannt. (Diese Teile sind als Normteile und Bedienteile im Fachhandel erhältlich.)

Winkelbrett mit Universalhalter

Das Winkelbrett wird gegen den Anschlag gelegt und mit diesem Universalhalter auf dem Schlitten fixiert. Jetzt am rechten Ende einen Referenzschnitt ausführen. Nun werden zuerst die längsten Massivholzleisten abgelängt und nach und nach die kürzeren Leisten. Da der aufrechte Schenkel etwa der Werkstückdicke entspricht, kann die Schutzhaube nahezu bis auf das Werkstück abgesenkt werden.

Die Vorzüge des Winkelbretts sind offensichtlich: Das auf dem Winkelbrett liegende Werkstück wird ausrissfrei abgelängt. Der abfallende Teil der Werkstücke hat manchmal keine genaue Schnittfläche und meistens Kantenausbrüche. Ein Manko, wenn von einer längeren Leiste mehrere kurze getrennt werden sollen. Die Lösung ist ein Winkelbrett mit einer Aufkantung, die höher ist, als die zu sägende Werkstückdicke. So lässt sich ein größerer Teil des Winkelbretts in den Bereich rechts des Sägeblattes verschieben und nutzen, ohne dass es bei jedem Schnitt vollständig durchtrennt wird. Die Aufkantung muss das Absenken der oberen Werkzeugverdeckung auf ein Maß zulassen, dass sie Sicherheit gewährleistet. Um auch dieser Anforderung gerecht zu werden, wird die Aufkantung aus dickem Massivholz gefertigt. Sie soll den höchsten Punkt des Sägeblattes um etwa 8 mm überragen. Es ist sinnvoll, die Grundplatte des Winkelbrettes 200 bis 300 mm breiter zu wählen als die zu sägende Werkstückbreite. Dann lässt sich die Gefahr einer seitlichen Werkzeugberührung durch einen zusätzlichen Handschutz einfach ausschließen. Der Handschutz ist ein etwa 100 mm hohes Brett, das etwa vom aufgelegten Werkstück bis zur Vorderkante der Grundplatte reicht. Es wird mit zwei Schrauben im Abstand von etwa 30 mm zur Sägelinie mit der Grundplatte verschraubt.

Der Einsatz: Die Platte wird auf den Schiebeschlitten und mit der Aufkantung gegen den Winkelanschlag gelegt und so verschoben, dass in diesem Fall zwei Drittel auf dem Schiebeschlitten und ein Drittel auf dem Maschinentisch liegt. Der Handschutz muss problemlos die Schutzhaube passieren können. In dieser Position wird die Platte auf dem Schiebeschlitten fixiert. Jetzt die Schnitthöhe so einstellen, dass der obere Schneidenpunkt rund 8 mm unterhalb der Oberseite der Aufkantung ist. Die Aufkantung ist so dimensioniert, dass der Klappanschlag am Winkellineal noch genutzt werden kann. Nun können die Leisten ausrissfrei getrennt und bis hinter den aufsteigenden Sägezahn geschoben werden (Bild 8 und 9).

Brüstungen an Segmentbögen sägen. Eine runde Zarge, im Beispiel hat sie 500 mm Außenradius, 450 mm Innenradius, lässt sich problemlos aus acht (oder mehr) Kreissegmenten bilden (Bild 10). Damit die Brüstungen nach dem Verleimen dicht sind, ist es sinnvoll, mit einer einfachen Sägevorrichtung, auf der die Teile genau positioniert werden können, zu arbeiten.

Unter eine ausreichend große Grundplatte wird, rechtwinklig zur Längskante, eine Führungsleiste geschraubt, die annähernd spielfrei in die Führungsnut des Sägewagens passt. Um die spätere Sägeebene genau zu bestimmen, wird die zum Sägeblatt gerichtete Plattenkante erst nach dem Auflegen der Konstruktion gesägt (Bild 11). Auf diese Grundplatte werden die beiden Kreissegmente als gleichschenklige Dreiecke, vergleichbar zwei Tortenstücken, aufgerissen (Bild 12). Die Sägeebene ist dabei die Bezugsebene. Je ein Schenkel eines Dreieckes ist bündig mit der Sägeebene. Die Schenkellänge ist so groß wie der Außenradius: 500 mm. Nach dem Aufreißen der Dreiecke werden der Innenradius (450 mm) und der Außenradius (500 mm) aufgerissen, damit durch die Schnittpunkte der Kreisbögen mit den Schenkeln, die genaue Größe der Segmentbögen deutlich wird.

Schablone mit Stellschrauben

An einfachen Bestimmelementen lassen sich die Segmente gut ausrichten: Mit 10 bis 15 mm Abstand zum orangefarbenen Innenradius und zum grünen Außenradius werden je zwei kurze Hölzer angeschraubt, in die auf der zum Bogen zeigenden Seite je eine Flachkopfschraube eingedreht ist (Bild 13). Diese wird exakt auf den gerissenen Radius eingestellt.

Der erste Segmentbogen (orangefarbenes Dreieck) wird jetzt mit dem Innenradius gegen die Schraubenköpfe gelegt. Ist er so verschoben, dass am noch nicht zu sägenden Ende genügend Holz für den zweiten Brüstungsschnitt bleibt, wird die erste Brüstung gesägt. Der Schnittdruck wird von den Schrauben und den Bestimmelementen aufgefangen (Bild 14).

Sägen mit Splitterholz

Auch hier gilt es, Ausrisse zu vermeiden. Die Unterkante des Werkstückes ist durch die Grundplatte geschützt. Damit auch die senkrechte Werkstückkante beim Sägedurchtritt ohne Absplitterungen bleibt, sollte man ein Splitterholz anbringen: Das Bogensegment auflegen, eine Massivholzleiste mit Leim bestreichen und so aufdrücken, dass sie an der Brüstungskante anliegt und etwas über die Sägelinie hinaussteht. Es werden keine Zwingen eingesetzt, damit die Leiste nicht im Leimbett wandert. Der Überstand wird beim ersten Sägeschnitt abgetrennt.

Damit auch beim zweiten Brüstungsschnitt die Schnittkräfte von den Bestimmelementen aufgefangen werden, sind diese am Außenradius positioniert. Weil das Werkstück nun die genaue Länge erhält, wird ein weiteres Bestimmelement, wieder mit Stellschraube, am begrenzenden grünen Schenkel angebracht. Sind alle Schrauben justiert, wird auch der zweite Schnitt ausgeführt.

Hohe Profile mit Gehrungen. Müssen hohe Profile auf Gehrung gesägt werden, entsteht oft das Problem, sie in die richtige Position zu bringen und dort sicher zu fixieren. Die gezeigte Haltelade ist einfach konstruiert und effektiv (Bild 15): Zwei Furnierplatten werden zum rechten Winkel verleimt. Die Bodenfläche erhält einen Schieber, dessen Vorderkante parallel zur gegenüber liegenden, niedrigen Anschlagfläche des Winkelbrettes ist. Zur besseren Führung gleitet er zwischen zwei Streifleisten und ist mit einem Langloch versehen. Ein Sterngriff (oder eine Flügelmutter), der auf die von der Unterseite durchgesteckte Schlossschraube gedreht wird, klemmt den Anschlag in unterschiedlichen Positionen.

Die Haltelade wird mit dem eingelegten Profil gegen den passend eingestellten Winkelanschlag gelegt. Zur besseren Druckverteilung ist es ratsam, eine Leiste zwischen Schieber und untere Profilkante zu legen. Nachdem der Schieber gegen diese Leiste geschoben und gesichert ist, wird die Gehrung gesägt.


Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, weiß CAD/CAM zu schätzen. Trotzdem bleiben für ihn konventionelle Arbeitstechniken die Basis der Tischler- und Schreinerarbeit, auch wenn eine CNC sie ausführt.

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