Marktübersicht

Holzöle für Fußböden

Marktübersicht: Holzöle für Fußböden

 

Geöltes Massivholz vermittelt eine natürliche Anmutung und liegt damit voll im Trend. Trotz enormer Beanspruchung eignen sie sich sogar für Holzfußböden. dds hat eine vierteilige Marktübersicht über Holzöle zusammengetragen. Teil 3: Öle für Fußböden.

Holzböden sind im Grundsatz genauso zu ölen wie etwa ein Tisch oder eine Kommode. Es gilt jedoch, den erschwerenden Umstand der viel größeren Fläche, auf der sich der Verarbeiter auch bewegen muss, zu meistern. Ein kleiner Exzenterschleifer oder ein Pinsel wird ihm auf einer 50-m²-Fläche wohl kaum behilflich sein. In diesem dritten Teil unserer Serie zum Thema Holzöl geht es nach dem Wohn- und Feuchtraumbereich um das Ölen von Holzfußböden.

Youtube macht es vor

Die meisten Hersteller zeigen auf Youtube einen kurzen Film, wie sich ihr Produkt am besten verarbeiten lässt. Unter dem Suchbegriff »Holzfußboden ölen« finden sich sehr viele solcher Filme. Fast alle Hersteller empfehlen, ihr Produkt mindestens zweimal aufzutragen. Meistens ist das Öl zunächst großzügig im Überschuss auszukippen und mit einer Fußbodenbürste, einer Rolle, einem Spachtel, einem Schwamm oder Gummischieber gleichmäßig zu verteilen und vielleicht eine viertel Stunde lang einwirken zu lassen. Danach sollte der Verarbeiter gegebenenfalls bereits trockene Bereiche nachölen. Auf jeden Fall aber sollte er den Überschuss abnehmen, bevor sich eine klebrige Schicht bildet. Einige Hersteller empfehlen dazu, das Öl mit Rakel oder Gummischieber zu einer Pfütze zusammenzuschieben und es mit dem Spachtel aufzunehmen und zurück in den Öltopf zu geben. Andere Hersteller arbeiten lieber mit der Scheibenmaschine und grünen, roten oder weißen Pads. Das Pad arbeitet das Öl mechanisch in das Holz ein, nimmt dabei gleichzeitig den Überschuss auf und schleift außerdem auch noch die Oberfläche.

Viele Wege führen zum Ziel

Einen anderen Weg zeigt der Holzölhersteller Saicos. Er trägt das Öl von Anfang an dünn auf, lässt es trocknen und schleift es dann mit der Scheibenmaschine und Pads oder Schleifgitter. Offensichtlich muss dieses Öl besonders gut trocknen, damit trotz des nicht abgenommenen Überschusses kein klebriger Film zurückbleibt. Es gibt wohl viele Wege, die zum Ziel führen. Adler zeigt auf Youtube, dass sich auch pigmentierte Öle hervorragend für Parkett- und Holzböden eignen.

Das Öl wirkt im Innern

Öle bilden anders als Lacke keinen geschlossenen Film auf der Oberfläche. Sie dringen tief in das Holz ein, sättigen die obere Schicht und bewahren seine natürliche Optik und Haptik. Die meisten Öle feuern das Holz jedoch an und lassen seine Farbenpracht zur Geltung kommen.

Einige Öle sind auch pigmentiert, um einen bestimmten Farbton zu erzielen. In der Anwendung erweisen sich Holzöle als universell und unkompliziert. Der fehlende Film bringt aber Nachteile mit sich, nämlich geringere Beständigkeiten gegen mechanische und chemische Belastungen. Bei Fußböden, Arbeits- oder Tischplatten entstehen schneller Wasserflecken oder mechanische Abnutzungen. Mit entsprechenden Pflegesets lässt sich das jedoch auch vom Endkunden recht flink und einfach reparieren. Um auch mit Öl einen guten Schutz gegen Feuchtigkeit zu erzielen, muss es sehr tief in das Holz eindringen können. Ein vielleicht nur 0,8 mm dünnes Furnier wird kaum die dafür notwendige Eindringtiefe bieten. Geöltes Holz bleibt atmungsaktiv oder diffusionsoffen. Das Öl macht es strapazierfähig und abriebfest. Die meisten Holzöle eignen sich auch für Kinderspielzeuge und Möbeloberflächen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.

Der beim reinen Holzöl fehlende Schutzfilm lässt sich durch die Beigabe von Wachs dennoch erzielen. Diese Produkte nennen sich Hartwachsöl. Der Ölanteil dringt wie oben beschrieben tief ein, während das Wachs einen dünnen, leicht glänzenden Film bildet, der jedoch nicht an die Härte und Beständigkeit eines Lackfilmes heranreichen kann. Viele Wachse lassen sich nur im erhitzten Zustand ab 80 °C verarbeiten oder eben kalt in der Öl-Wachs-Kombination.

Vier Komponenten

Holzöle bestehen aus bis zu vier Komponenten: Bindemittel, meistens Lösemittel, Additive und ggf. Pigmente. Grob lässt sich das Spektrum der Holzöle in natürliche sowie modifizierte Rohstoffe unterteilen. Die meisten Holzöle enthalten auch Lösemittel. Sie machen das Öl erst verarbeitbar. Der Verarbeiter trägt es satt auf, lässt es in das Holz einziehen und wischt den Überschuss dann mit einem Baumwolltuch aus. Achtung, zusammengeknüllt kann sich das Tuch selbst entzünden. Ohne Lösemittel wäre das Öl so zäh, dass diese Anwendung nicht möglich wäre. Öle trocknen oxidativ, das heißt, in einer chemischen Reaktion mit dem Luftsauerstoff verbinden sich benachbarte Molekülketten des Öls über Doppelbindungen miteinander. Das Öl wird im wahrsten Sinne des Wortes hart. Deshalb nennen einige Hersteller ihr Produkt Hartöl. Mit Sikkativen ist das in einem Tag abgeschlossen, ohne dauert es wochenlang.

Einen generellen Ausschlussgrund für die Verwendung von Ölen und Wachsen gibt es nicht. Der Endkunde sollte jedoch wissen, was er von der Oberfläche erwarten kann, und bereit sein, sie regelmäßig mit den Pflege- und Reparatursets der Ölhersteller wieder auf Vordermann zu bringen. –GM

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