Meisterstück von Jonathan Schreiber aus Valchromat und Nussbaum

Hängende Skulptur

Jonathan Schreiber stellt kraftvolle, körperhafte Elemente in eine feine Rahmenstruktur. Das Meisterstück vereint spielerisch zwei konträre Gestaltungsansätze.

Die Idee für dieses Meisterstück zeichnet sich aus durch den Versuch, geschlossene Korpuselemente in offene räumliche Strukturen einzufügen. Damit rückt die Konzeption in die Nähe eines Kunstobjekts, ohne die Anforderungen an ein Möbelstück zu negieren. Massive Nussbaumstäbe von 21 x 21 mm bilden die Struktur. Die Verbindungen sind kunstvoll mit Schlitz und Zapfen gefertigt, die sich nach dem Kartesischen Koordinatensystem ausgerichtet mit extrem hoher Festigkeit verzahnen. Eine in Vergessenheit geratene Holzverbindung, die es handwerklich-konstruktiv in sich hat sowie dazu eine besondere ikonografische Wirkung zeigt: An jedem Knotenpunkt werden durch die kreuzförmigen Schnitte vier quadratische Punkte in Hirnholz sichtbar, die das Erscheinungsbild des Möbelobjektes in der Vorderansicht deutlich prägen. In der Seitenansicht tritt an den Knotenpunkten eine dreigeteilte horizontale Linienführung hervor. Durch den konstruktiv bedingten Wechsel von Hirn- und Längsholz entsteht ein Helldunkelkontrast, der die Holzverbindung hervorhebt. In das durchgearbeitete Gestell fügt Jonathan Schreiber unterschiedlich große, scharfkantig auf Gehrung ausgebildete Volumen aus Valchromat in zwei Blauabstufungen ein: Die große, aufrecht stehende Box wirkt als ruhender Pool, an dem die lineare Struktur gleichsam angedockt ist. Die kleineren Volumen sind bündig von ihr eingerahmt und die mittelgroße Box übernimmt innerhalb dieser Skulptur die tragende Rolle.

Innen sind die Behältnisse mit Schubkästen und Blechtablaren ausgestattet. Letztere lassen sich auch frei in das Tragwerk einsetzen. Die Gehrungsbänder der Türen fallen optisch störend aus dem Rahmen.

Kraftvoll körperhafte Elemente wurden gestalterisch sehr geschickt mit der dazu gegensätzlichen, feinen Rahmenstruktur verbunden. Noch spannender hätte wirken können, das große Korpuselement nach oben zu verschieben und die tragende Struktur darunter vorbeizuführen. Ein ambitioniertes Meisterstück!

Vertikalschnitt: Schubkastenkorpus mit hohem Doppel und abschließbarer Lade dahinter
Frontalschnitt: Die Kulissenführung ist in die Korpuswange sowie Schubkastenseite zur Hälfte eingesetzt
Form- und kraftschlüssige Verbindung der Stollen

Prof. Peter Litzelbauer, Architekt, Innenarchitekt und Tischlermeister, hat bis Sommer 2017 Grundlagen des Konstruierens/Raum, Möbel, Material an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart gelehrt.