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Spröde Kantel, glatte Sache

Bauelemente
Spröde Kantel, glatte Sache

Für ein Gebäude in Brandenburg a. d. Havel hat die HFBB GmbH denkmalgerechte Holzfenster entwickelt und produziert. Nicht nur die Verarbeitung der Belmadurkanteln war dabei eine Herausforderung, berichtet der Projektverantwortliche Ralf Schindler.

Holzfensterbau Bernau

Die Holzfensterbau Bernau GmbH (HFBB) ist ein Betrieb mit rund 50 Mitarbeitern an der nördlichen Stadtgrenze von Berlin. Für ein denkmalgeschütztes Gebäude mit 32 Wohnungen forderte der Auftraggeber ein optisch ansprechendes Fenster mit sehr guten ökologischen und energetischen Eigenschaften. Die verwendeten Materialien sollten besonders langlebig sein und ökologischen Aspekten gerecht werden. Der nachzuweisende U-Wert eines neuen Fensters (in tatsächlicher Verbaugröße und Ausführung) sollte unter 1,05 W/m2K liegen.
Da es sich bei dem zu sanierenden Gebäude um ein Einzeldenkmal handelt, war die Freigabe der Fensterkonstruktion durch die zuständige Denkmalbehörde Voraussetzung. Abweichend von einer in den meisten Holzfenstersystemen anzutreffenden Glasnackenschräge von 18° wurde beim eingesetzten »Berliner Warmfenster« die Glasnackenschräge auf 35° erhöht. Damit wird die in alten Kastenfenstern anzutreffende Kittfalzschräge aufgenommen; ein kleines aber wichtiges Detail im Sinne des Denkmalschutzes. Weitere konstruktive Details sind:
  • schmale Flügelprofile für filigrane Ansichtsbreiten im Stulp- und Kämpferbereich
  • Bautiefe 90 mm, die den Einsatz argongefüllter Dreifachglas erlaubt
  • Entwässerung über Echtholzwetterschenkel sowie Sonderprofile für den Kämpfer- und Stulpbereich
Die hohen Anforderungen an die Wärmedämmung konnten durch den Einsatz von Dreifachglas mit einem Ug-Wert von 0,5 W/m2K, Abstandhaltern und Sprossenstegen in Thermix sowie vierfach lamellierten Kanteln (zwei Lagen Belmadur außen /zwei LagenKiefer innen) mit einem Uw von 0,93 W/m2K deutlich unterboten werden.
10 Jahre Gewährleistung
Für die Belmadur/Kiefer-Kanteln sprachen zwei wesentliche Aspekte: Zum einen ist der U-Wert des Rahmens um ca. 0,1 W/m2K besser als bei herkömmlicher Kiefer. Zum anderen konnte auf Tropenholz verzichtet werden, was den ökologischen Anforderungen der Auftraggeber Rechnung trug. Die Sprödigkeit der Belmadur/Kiefer-Kantel darf bei der Verarbeitung nicht unterschätzt werden. Während der Produktion und beim anschließenden Handling (Versand, Montage) ist Sorgfalt oberstes Gebot, grobschlächtiges Hantieren verzeiht dieses modifizierte Holz nicht. Auch der Oberflächenbeschichtung wurde eine hohe Aufmerksamkeit gewidmet. Regelmäßige Schichtdickenmessungen während der Lackierung und Ultraschallmessungen am fertigen Fenster sicherten die Einhaltung der vorgeschriebenen Werte. Durch den Einsatz einer hochwertigen deckenden Beschichtung konnte dem Kunden eine Gewährleistungszusage (bei Einhaltung der Pflege- und Wartungsintervalle) von 10 Jahren gegeben werden. Ralf Schindler

Kompakt Holzfensterbau Bernau
Die Holzfensterbau Bernau GmbH mit Standorten in Barnim und Forst/Lausitz produziert mit 50 Mitarbeitern Holzfenster- und türen. Wenn möglich wird auf den Einsatz von Tropenholz verzichtet. Der Vertrieb erfolgt über den Handelspartner Fecon. Zusammen mit Fecon wurde das nach außen öffnende »Hamburger Fenster« und das »Berliner Warmfenster« mit 90 mm Bautiefe entwickelt. www.hfbb.de, www.hfbb.de

Hntergrund Wie Kiefer so dauerhaft wie Teak wird

So funktioniert das von der BASF patentierte Belmadurverfahren zur Holzmodifizierung.
Beim sog. »Belmadurverfahren« kommt es zu einer Vernetzung der Hauptkomponenten Cellulose, Hemicellulose und Lignin im Holz. Die Technologie basiert auf zwei einfachen, in der Holzindustrie etablierten Prozessschritten. Im ersten Schritt werden mit Hilfe einer wässrigen Lösung Vernetzermoleküle in das Holz eingebracht. Im zweiten Schritt wird das getränkte Holz bei Temperaturen von über 100°C getrocknet. Durch die veränderte Struktur wird holzzerstörenden Pilzen und anderen Mikroorganismen die Nahrungsgrundlage entzogen: das Holz wird dauerhafter (Splint Klasse 1, Kern 1–2), weniger bläueanfällig, das Quellen und Schwinden wird reduziert. Die Sprödigkeit des Materials wird jedoch erhöht. Mit dem Belmadurverfahren behandelte Kiefer ist im Merkblatt HO.06–4 des VFF gelistet und zur Herstellung maßhaltiger Bauteile wie Fenster und Außentüren zugelassen. Die Vermarktung der Belmadurkanteln in Deutschland erfolgt exklusiv über die Münchinger GmbH & Co. KG.
Adolf Münchinger GmbH & Co. KG 75440 Ötisheim Tel.: (07041) 9515-0, Fax: -90 www.muenchinger-holz.de
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