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Vom Lichtplaner lernen

Ausbau
Vom Lichtplaner lernen

Michele A. Rami ist Gründer der Candela Lichtplanung und entwickelt seit über 20 Jahren Lichtkonzepte für private und öffentliche Auftraggeber. Im dds-Interview gibt er Einblick in seine Arbeitsweise und wertvolle Hinweise für den Einsatz von Licht im Innenausbau.

Das Interview führte dds-redakteur Johannes Niestrath

Herr Rami, Sie stellen Ihrer Arbeit einen Leitsatz von Ettore Sottsass voran: Lasst uns von Orten reden, nicht mehr von Räumen.
In Deutschland wird schnell alles auf die Physik heruntergebrochen. Mit dem Wort Raum verbinde ich Physik, Mathematik und Geometrie. Orte sind etwas anderes: Das Besondere eines Ortes zu erfassen, herauszuhören, was ein Kunde für sein Wohlbefinden braucht, ist Voraussetzung für das Formulieren der Lichtidee.
Ist die Wahl des Leuchtmittels für Sie ein zweitrangiges Thema?
Es geht mir zuerst um die Lichtwirkung, dann um das Leuchtmittel und dann um die Verpackung, die Leuchte. Wir reden mit unseren Kunden zuerst über Licht, erst dann über Leuchten. Jeder Ort hat eine andere atmosphärische Qualität und Anforderung. In Italien geht man anders mit Kunstlicht um als in Norwegen. Im Büro bevorzugt man eine andere Lichttemperatur als zum Entspannen.
Sind leuchtende Halbleiter für Sie und Ihre Kunden akzeptabel?
Dogmen sind nie gut! Vor einigen Jahren habe ich noch gesagt, die LED wird die nächsten fünf bis zehn Jahre nicht alles dominieren. Nun sehen wir, sie verdrängt alles andere, ob uns das gefällt oder nicht. Die LED ist für mich kein unbedingt nachhaltiges Leuchtmittel, aber sie hat viele positive Möglichkeiten. Ihr Licht lässt sich präzise lenken, sie ermöglicht viel kleinere Bauformen der Leuchten. Nachhaltigkeit bemesse ich dagegen nicht nur an der Lebensdauer, denn nach ihren 30 000 bis 50 000 Stunden werfen Sie meist nicht nur die LED,sondern auch die ganze Elektronik weg.
Im Innenausbau hat die LED großes kreatives Potenzial freigesetzt …
Die Schwierigkeiten liegen weniger bei den Komponenten, sondern im Umgang damit. Das Dimmen der Lichtmenge verändert die Atmosphäre. Das größte Problem dabei ist, LED-Leuchten richtig anzusteuern. Nicht ohne Grund werden standardisierte Lösungen angeboten. Das ist in Ordnung, sollte aber nicht dazu führen, dass es beim Kunden aussieht wie im Leuchtenladen. LED-Leuchten sind hervorragend in Möbeln unterzubringen, aber nicht nach dem Motto Schublade auf und Licht an. Hier lassen sich deutlichdifferenziertere Lösungen entwickeln!
Wann werden Sie in der Regel in eine Planung einbezogen?
Am besten so früh wie möglich! Gutes Licht ist kein Sahnehäubchen, das zum Abschluss das fertige Objekt garniert. Vom ersten Entwurf bis zur Ausführung einer Planung vergehen oft zwei Jahre.
Und wer sind Ihre Kunden?
Wir sind bei öffentlichen Objekten und Privatkunden involviert. Eine dezidierte Lichtplanung für ein Einfamilienhaus erfordert allerdings in der Regel allein für Material und Steuerungselektronik ein höheres fünfstelliges Budget. Da wird dann seltener über Effizienz gesprochen, weil Energieverbrauch gar nicht mehr der begrenzende Faktor ist.
Was sollten Innenausbauer bei der Planung von Licht beachten?
Licht ist nicht im Strahlengang, sondern nur in der Reflexion sichtbar: Die Bühne leuchtet, weil Licht aus dem Off kommt. Das Auge soll nicht auf den Lichtaustritt adaptieren, sondern auf den Gegenstand der Betrachtung, etwa ein Möbelstück. Licht will geführt und gerichtet werden. Bei LED-Licht ist die Farbwiedergabe ein wichtiger Faktor. Der CRI-Wert gibt sie in Relation zum Sonnenlicht an: Eine gute LED hat eine Farbwiedergabe von mehr als 90 Prozent. Unter 85 Prozent wird der Rotanteil ungenügend wiedergegeben, Holzoberflächen wirken dann grünlich.
Ihr Schlusswort für unsere Leser?
Ein gutes Essen soll man nicht mit einer dicken Soße zudecken. Auf der Bühne gibt es eine Diva und den Chor. Mit fünf Diven wird es nur unnötig laut. Auch der Einsatz von Licht erfordert Demut.

Steckbrief

Candela entwirft gemeinsam mit seinen Kunden Lichtkonzepte für unterschiedliche Bauwerke und Aufgaben. Die Bandbreite reicht von Privathäusern über Firmen und Büros, Clubs und Restaurants, Showrooms und Shops bis zum öffentlichen Raum. Neben Konzeption und Ausführungsplanung übernimmt Candela auf Wunsch auch die logistische und technische Abwicklung.
Candela Lichtplanung GmbH70174 Stuttgart
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