Automatische Lackieranlagen von Homag

»Das Know-how gehört dazu«

Trotz Umweltauflagen und Fachkräftemangel kann das Lackieren für Tischler und Schreiner weiterhin ein attraktives Betätigungsfeld bleiben. Josef Zerle von Homag und Holger Beiersdorfer von Dürr stellen im Gespräch mit dds effiziente Lösungen vor.

In 2014 hat Dürr die Homag Group gekauft. Dürr ist Spezialist für die Lackiertechnik in der Automobilindustrie, Homag Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen. Herr Beiersdorfer, was verbindet die beiden Unternehmen?

Holger Beiersdorfer: Homag stellt sich in der Lackiertechnik für Holzverarbeiter auf – Dürr kommt aus der Automobilindustrie und setzt einen Fuß in die Holzbranche. Beide Unternehmen haben eine starke Marktposition, ihre Kulturen passen zueinander. Natürlich versprechen wir uns auch neue Märkte für unsere Technologien. Homag bringt die ganze Wertschöpfungskette für die Möbelproduktion ein, wir die Applikationstechnik.

Bringt Dürr den Holzverarbeitern denn etwas grundsätzlich Neues?

Ja. Dürr ist berühmt für den Rotationszerstäuber in Kombination mit elektrostatischer Aufladung des Lackes. Diese Technik kennen die Holzverarbeiter noch nicht. Kernstück ist eine kleine Glocke aus Titan, die mit bis zu 70 000 min-1 rotiert, den mittig eingespritzten Lack mit Fliehkraft nach außen treibt und an der Abrisskante besonders fein zerstäubt. Das Ergebnis ist ein hervorragender Lackfilm. Da Holz ein schlechter Stromleiter ist, bedarf es jedoch einiger Tricks, um es dennoch elektrostatisch zu lackieren. Daran arbeiten wir noch.

Herr Zerle, Sie leiten bei Homag die junge Sparte Oberflächentechnik. Welche Ziele verfolgen Sie?

Josef Zerle: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das Produktportfolio zu komplettieren und auch den Bereich Oberfläche abzudecken. Da wir bei Homag bisher keine Expertise im Lackieren haben, haben wir ein neues Geschäftsmodell entwickelt: enge Partnerschaften mit Spezialisten. Das ist oft sinnvoller, als komplette Unternehmen zu akquirieren.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihren Partnern aus?

Zu den Partnern zählen der italienische Lackieranlagenspezialist Makor und der spanische Kaschiermaschinenhersteller Barberan. Wir erhalten die Flexibilität und Kreativität unserer Partner und bieten ihnen nicht nur einen neuen Absatzkanal, sondern wirken aktiv mit bei der Produktstruktur, der Produktentwicklung, der Qualitätssicherung und der technischen Entwicklung. Wir bringen unsere Expertise ein, vermarkten die Produkte auch unter der Marke Homag und sorgen dafür, dass die Maschinen das erfüllen, was unsere Kunden von uns erwarten. Vor drei Jahren gab es diese Produkte noch nicht.

Was erwarten Ihre Kunden von Ihrer Oberflächentechnik?

Unsere Kunden klagen darüber, dass sie keine kompetenten Lackierer auf dem Arbeitsmarkt finden. Sie stehen vor der Entscheidung, entweder die Oberfläche outzusourcen oder in das automatisierte Spritzen zu investieren. Während sich die CNC in den letzten 20 Jahren von einer Maschine für Spezialisten zur Standardmaschine entwickelt hat, hat sich das Lackieren noch nicht weiterentwickelt. Inzwischen gibt es aber strenge VOC-Richtlinien, immer weniger Menschen, die bereit sind, als Lackierer zu arbeiten, und weitaus höhere Qualitätsanforderungen seitens der Endverbraucher.

Wie sieht denn eine Schreinerei aus, für die sich eine automatisierte Spritzanlage lohnt?

Das automatisierte Spritzen ist bereits für ein Fünfmannunternehmen interessant. So kann eine Lackiermaschine auch ohne hoch qualifizierten Lackierer sehr gute Möbeloberflächen erzeugen. Die Investition für eine solche Lackiertechnik liegt für den Einsteiger bei unter 100 000 Euro. Das Know-how für den Bediener liefern wir mit der Maschine mit. Er ruft die Parameter ab und stellt die Maschine ein – ähnlich wie bei einem Kochrezept.

Welche Art von Lackierautomaten führen Sie denn im Programm?

Die Wahl hängt von der Werkstückform ab. Da gibt es zunächst den Flächenspritzautomaten mit Papierbandvorschub und seitlich hin- und herfahrenden Spritzaggregaten. Die Kanten und leichten Profile wie abgeplattete Türfüllungen werden auch lackiert. Für reliefartige Werkstücke gibt es Automaten mit zusätzlicher Achse am Spritzarm. Diese eignen sich auch für flächige Teile. Für 3D-Bauteile setzen wir Gelenkarmroboter ein.

Wie erfolgt die Programmierung der Spritzautomaten und Roboter?

Aktuell erfolgt die Teileerkennung am Maschineneinlauf. Die Bearbeitung wird in der Steuerung hinterlegt. Wir arbeiten aber schon an einer Lösung, bei der die Maschine oder der Roboter das Programm selbst anhand der Werkstückbeschreibung aus dem CAD-CAM-Modul erzeugt. Damit könnte der Arbeitsvorbereiter bereits in der Homag-Software einzelnen Oberflächenbereichen Lackauftragsmengen in g/m² und Lackierprozesse vorgeben. Unsere Spritzautomaten und -roboter halten die vorgegebenen Auftragsmengen genau ein, erzeugen Spritzbilder in stets gleich hoher Qualität und erzielen hohe Lackausbeuten.

Wie reagieren die Anlagen auf Temperaturschwankungen?

Umwelteinflüsse wie Temperatur- oder Feuchteschwankungen sind immer noch manuell, etwa durch die Zugabe von Lösemitteln, zu kompensieren. Hierfür bauen wir zurzeit Expertensysteme auf, die künftig auch solche Einstellungen automatisieren.

Welches Applikationsverfahren kommt zum Einsatz?

Holger Beiersdorfer: Unser Air-Assist-Verfahren. Es kombiniert das grobe, oversprayarme Airless-Verfahren mit dem feinen Air-Spray-Verfahren und erzielt hervorragende Oberflächen.

Die Ligna flaggt wieder das Thema Smart Surface Technologies aus. Was tragen Homag und Dürr dazu bei?

Josef Zerle: Das Thema Oberfläche nimmt bei der Homag einen signifikanten Anteil der Standfläche ein. Wir zeigen das flächige Lackieren inklusive dem Schleifen, außerdem das Profilieren von Massivholz mit anschließender Lackierung. Zusätzlich sind wir auch noch auf dem Makor-Stand präsent.

Holger Beiersdorfer: Dürr zeigt sowohl auf dem Homag- als auch auf dem Markor-Stand die 2K-Dosiertechnik EcoDose sowie Pumpen und Pistolen zur klassischen Lackapplikation.

Das Interview führte dds-Redakteur Georg Molinski.