Der SUV Alfa Romeo Stelvio im Test

Alfa Romeo gibt Vollgas

Schnell, vielseitig, elegant – mit dem Stelvio hat Alfa Romeo seit 2017 erstmals einen SUV im Programm, der neue Zielgruppen ansprechen dürfte. Unsere Testfahrt war Fahrspaß pur!

Patricia Fritzsche, Freie Journalistin

Von aussen ist es Liebe auf den ersten Blick: Die dynamische Front mit dreieckigem Kühlergrill und langgestreckter Motorhaube, die seitlich ansteigende Kontur mit gleichzeitig leicht nach hinten abfallender Dachlinie und die kurzen Radüberhänge zeigen den Stelvio in einer stilvollen Silhouette. Und innen? Da geht es elegant und durchdacht weiter. Die elektrisch verstellbaren Ledersitze wirken edel, genauso wie die große beleuchtete Mittelkonsole mit den integrierten USB-Anschlüssen und das sogenannte Rotary Pad: Das zentrale Steuerrad liegt im Mitteltunnel neben zwei kleineren Dreh-/Drückschaltern für Lautstärke und Fahrmodus, ergonomisch gut platziert. Davor sitzt der Automatikwahlhebel und übersichtlich angeordnete Schalter für die Klimaanlage. Das beheizte Lederlenkrad ist ein Handschmeichler und gibt den Blick auf die klassischen Rundinstrumente frei: Die für Alfa typischen tiefen Röhren, die Tubes, beherbergen Tacho und Drehzahlmesser, dazwischen ein TFT-Display, auf dem Fahrzeuginfos oder die Navigationshinweise abgebildet werden. Den guten Eindruck trübt etwas das mittig oben eingeklemmte Display, das ohne eine Touch-Funktionalität und Online-Anbindung daher- kommt und damit auf Echtzeit-Verkehrsmeldungen verzichtet. Es ist kontrastarm und sitzt zu tief. Das kann die Konkurrenz besser.

Souverän durch die Kurven

Stelvio ist von einer Passstraße in den italienischen Alpen abgeleitet. Das passt, denn hier fühlt sich der temperamentvolle Italiener sichtlich wohl! Auf engen Kehren und Serpentinen spielt der Stelvio sein ganzes Können aus. Seine direkte Lenkung, 210 Diesel-PS mit 470 Nm Kraft in Kombination mit der sehr fein abgestimmten Acht-Stufen-Automatik und die sehr ausgeglichene Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse bringen eine ordentliche Portion Fahrdynamik. Der präzise arbeitende Allradantrieb hilft dabei. Unter normalen Straßenverhältnissen ist der Antriebsstrang im Modus eines herkömmlichen Hinterradantriebs. Verlieren die hinteren Reifen aber an Haftung, leitet der SUV bis zu 60 Prozent seines Drehmoments zur Vorderachse um. Das Fahrwerk passt bestens zum sportlichen Auftritt. Kombiniert mit der direkten Lenkung setzt es Richtungswechsel ansatzlos und akkurat um. Dabei federn die Doppelquerlenker vorn und die Vierlenkerachse hinten fast alle Unebenheiten komfortabel weg – nur bei kurz aufeinanderfolgenden Bodenwellen und Querfugen schwingt der Alfa etwas hölzerner das Tanzbein.

Bei zügiger Fahrweise verbraucht unser Testdiesel mit 210 PS im Schnitt 7,1 l auf 100 km. Dabei waren wir zahm im »a« Modus unterwegs. Dieser steht für advanced efficiency, heißt Sparmodus. Wählt man »n« für natural oder »d« für dynamic über den Drehregler in der Mittelkonsole, verbraucht der Stelvio etwa ein bis zwei Liter mehr. Einen Unterschied bemerkt man vor allem im Dynamicmodus, hier zieht der Motor temperamentvoll durch. Apropos Temperament: Die Höchstgeschwindigkeit unseres Testwagens ist mit 210 km/h angegeben, der Benziner mit 510 PS mach bei 283 km/h Schluss – das sollte auch reichen.

Platz für vier Große

Vorne sitzen Personen bis 1,90 m Größe bequem und für einen SUV sehr sportlich. Hinten finden weitere zwei Mitfahrer bis 1,85 m Größe Platz. Der mittlere Sitz ist sehr eng und keinem länger zuzumuten. Der große Kofferraum bietet 525 l Stauraum und Fächer für Kleinkram unter dem Kofferraumboden. Klappt man die dreigeteilte Banklehne um, entsteht eine fast ebene Ladefläche und ein Ladevolumen von 1 600 l. Der Kofferraumdeckel öffnet und schließt elektrisch und die Klappe lässt sich in acht Öffnungswinkeln justieren. Praktisch – denn es verhindert Kratzer im Lack, wenn man den Kofferraum in der Garage öffnet. Insgesamt präsentiert Alfa Romeo mit dem Stelvio ein gelungenes Gesamtpaket. Die vielen durchdachten Details überzeugen Fahrer und Passagiere, machen Spaß und den schnellen SUV zu einem Multitalent. Allerdings braucht man für den Kauf das nötige Kleingeld. Der Einstiegspreis liegt bei 39 800 Euro brutto, mit stärkerer Motorisierung und Extras stehen auch schnell 55 000 Euro in der Preisliste.


Steckbrief

Der Alfa Romeo Stelvio ist der erste SUV aus dem Hause Alfa Romeo und wurde von Lesern des italienischen Automobilmagazins »Quattroruote« zum Auto des Jahres 2018 gewählt. Im Crashtest überzeugt der SUV mit fünf Sternen nach EuroNCAP. Topmodell ist der Stelvio Quadrifoglio mit 510 PS.

www.alfaromeo.de