Türbeschläge und Innentüren vom Schreiner

Der Blick fürs Detail

Holzrausch spielt in der oberen Liga der Planer und Innenausbauer. Faszinierend ist, mit welcher Akribie die Schreiner perfekte Fugen- und Furnierbilder bei Wandabwicklungen zaubern. Ein Gespräch über den Luxus, nur das Allerfeinste an Wand, Tür und Drücker anzubieten.

Das Gespräch führte dds-Redakteur Hubert Neumann

Für den Hauptbeitrag in der dds-Septemberausgabe zum Titelthema Renovieren-Sanieren-Altbau hatte ich die Holzrausch GmbH im Münchner Showroom besucht. Dabei war es beeindruckend, die in Musterwänden, Regalen oder auf Tischen lagernden, individuell gefertigten Möbel- und Türbeschläge in die Hand zu nehmen und zu begreifen. Holzrausch wurde als Schreinerei vor 20 Jahren von den beiden Meistern Tobias Petri und Sven Petzold gegründet und bewegt sich heute mit seinen rund 70 Mitarbeitern im hochwertigen Innenausbau. Nun, wenige Wochen später, ein erneuter Besuch zum Gespräch mit Sven Petzold und dem Fokus auf der Innentür und dem Entwickeln von Türbeschlägen durch ein Schreinerteam.

Welche Bedeutung haben eine Innentür und ein Türbeschlag für Sie und Ihr Unternehmen Holzrausch?

Eigentlich messen wir einer Tür gar nicht so sehr viel Bedeutung bei. Eine Tür ist für unser Verständnis immer Teil eines Möbelentwurfs oder eine Innenraumtür Teil einer Raumgestaltung. Sie sollte integriert sein. Eine Tür hat eine Funktion – und sollte in der Raumarchitektur als selbst verständliches Funktionselement immer ein Teil des Ganzen sein.

Für diese »geringe« Bedeutung legen Sie aber enorme Energie in die Details Ihrer Türbeschläge.

Ich versuche es zu erklären. Wir sind groß geworden über unsere Küchenkompetenz. Mittlerweile ist die Entwicklung von Gesamtkonzepten bedeutend. In einem offenen Wohnraum passiert mehr als nur Küche. Bei einer Rückfront gehen Schränke in Wandverkleidungen über, ist eine Tür in ein Nebenzimmer darin eingebunden wird es mehr als Küchenfront, es entstehen Architekturmöbel. Und wenn nun Möbelgriffe und Türdrücker aus einem Guss sind, ein Material haben, eine Handschrift des fertigenden Handwerkers vorweisen, bekommt der Kunde etwas Einzigartiges, das nicht viele bieten.

Wie entwickeln Sie solche besonderen Unikate?

Projektbezogen – gemeinsam mit unserem Freund und Metallgestalter Sebastian Hepp hier aus München. Wir zeigen, welche Formensprache wir für ein Objekt entwickelt haben, in welche grafische Richtung das Ganze gehen soll und in welchen Materialien wir für das Objekt denken – und dann ist er am Zug.

Was bekommt er noch an die Hand, Handskizzen oder CAD-Details?

Nichts davon. Wir sind Handwerker mit Gespür für Material und Form – und er nicht weniger. Da sind unsere Sichtweisen deckungsgleich. Da kann ich ihn zitieren. Für ihn als Gestalter ist ein Griffbeschlag ein spezifisch auf die jeweilige Raumsituation abgestimmtes Schmuckobjekt an der Tür, welches in seiner Qualität formal als auch haptisch überzeugen muss. Wenn wir in diesem Sinne einen Kunden von unserer Arbeit und von unseren Entwürfen begeistern können, sind wir raus aus der Frage, was so ein Griff kosten darf. Wichtig ist, dass ein Kunde überzeugt davon ist, das zu bekommen, das er sich eigentlich schon immer ersehnt hat.

Das wird jetzt philosophisch. Wie entsteht denn ein Griff konkret?

Nach dem Briefing mit Sebastian entwickeln sich die weiteren Stadien bei ihm in der Werkstatt. Wir diskutieren an seinem Rohling, ob es hier noch eine kleine Fräsung gibt oder an jener Stelle eine Veränderung, ob etwas kürzer oder länger. Es ist ein Prozess. Sebastian Hepp bringt seine Fähigkeiten mit ein – und auch seine ganz eigene Gestaltungssprache. Das gilt auch für Bandteile und Scharniere. Ein Band sollte auch im geöffneten Zustand betrachtbar und nicht nur funktional sein. Vielleicht sind wir da beide Detailfetischisten, aber das treibt uns um.

Gelingt es, diesen Mehrwert den Kunden verstehen zu lassen?

Absolut – genau das ist unser Ding. Am Anfang natürlich nicht. Es ist immer zuerst ein Prozess. Die Kunden kommen, weil sie Referenzobjekte von uns gesehen haben, etwa über Freunde oder Bekannte. Sie bringen eine Idee mit. Wenn wir im Gespräch dann eben genau über solche Dinge wie die Details reden, dann lernt ein Interessent oder Kunde uns verstehen und merkt, wo der Unterschied zu Konventionellem liegt. Dann ist ein Entwurf nicht mehr austauschbar. Eine Stringenz in einem Entwurf ist etwas wert.

Welche Rolle spielt Material dabei?

Mit Oberflächen und Material passiert ganz viel. Ob Messing, Bronzeguss, Aluminium oder Schwarzstahl, Edelstahl in unterschiedlichen Ausführungen, mit einem Schliff oder einem Wirbelfinish – die Haptik, das Griffgefühl ist immer ein ganz eigenes. Auch das gilt, es einem Kunden zu vermitteln, erfahrbar zu machen.

Abgesehen vom Beschlag – was zeichnet eine Holzrausch-Tür aus?

Beispielsweise ist die Türstärke immer dem Objekt angemessen. Wir bauen keine 3-cm-Türen. Das können eher auch mal 80 mm sein oder bei Schiebetüren mehr. Geht es um raumhohe Schiebetüren mit 3 m Höhe und 3 m Breite können auch 100 mm Türstärke richtig sein.

Ist das dann Leichtbau?

Das bauen wir in Sandwichbauweise. Wichtig ist, dass die Proportionen stimmen. Ein 9-m²-Portal verlangt eine andere Materialität als eine Standardtür. Und da sind wir wieder beim Beschlag. Auch der muss angemessen proportioniert werden. Eine Griffstange für so ein Element kann nicht von der Stange sein. Bei Drehtüren ist das genauso, ab einem gewissen Format kann eine Aluwabe zum Türenkern werden, damit das Ganze dauerhaft funktioniert. Den Anspruch an das handwerkliche und an die gestaltete Form versuchen wir immer in Einklang zu bringen.

Sind Sie mehr Produktentwickler als Schreiner und Türenbauer?

Das ist kein Gegensatz. Zuerst steht die große Linie aus der Umsetzung einer Idee – Architekturmöbel. Das Fugenbild einer Wandabwicklung leitet sich ab und daraus die Konstruktion. Wir verbauen fast ausschließlich Magnetfallenschlösser. Ein Auflaufschließblech entfällt und wir können mit unserer definierten Möbelfuge arbeiten, ohne dass eine Falle über die Türkante schrappt. Konstruktiv gibt es Unterschiede, wie eine Tür schließt – betrachten Sie die S-Klasse oder einen Fiat Panda. Es lässt sich viel optimieren. Entwickeln wollen wir Gesamtkonzepte für Räume – und da gehört die Tür dazu. Also, ohne Tür ist alles nichts (lacht).


Steckbrief

Entwürfe und Innenraumkonzepte:
Holzrausch Planung GmbH, München,
Sven Petzold und Tobias Petri,
Corneliusstr. 2, www.holzrausch.de

Schreinerarbeiten und Projektierung:
Holzrausch GmbH, 85659 Forstern, www.holzrausch.de

Türbeschläge und Metallarbeiten:
Metallgestalter Sebastian Hepp,
80803 München, www.sebastianhepp.com