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Wohlfühlen bei der IHK

Lebendige Anordnungen
Wohlfühlen bei der IHK

Institutionen wie die IHK oder die HWK stehen gerne im Ruf, Apparatschiks zu beherbergen, die von Pflichtbeiträgen leben. Doch von wegen Dienstleistungswüste – in Potsdam wandelten BdvM-Architekten das Bestandsgebäude in einen spannenden Magneten für die Wirtschaft.

Im Gebäude der IHK in Potsdam sollten neue Arbeits- und Kommunikationswelten geschaffen werden. Rund 140 Mitarbeiter beherbergt die Institution für die westbrandenburger Wirtschaft auf drei Etagen. Die IHK versteht sich als Partner ihrer Mitglieder aus der Wirtschaft – über eine Pflichtmitgliedschaft wird deren Interessenvertretung finanziert. Entstanden ist ein im Erdgeschoss spannend gegliedertes Dienstleistungszentrum, das so auch jedes hippe Start-up
zieren könnte. Wie kam es zu dem viel beachteten neuen Auftritt der IHK? Es bestand Sanierungsbedarf für den Bau aus den 1990er-Jahren, und das war
die Chance, über eine beschränkte Ausschreibung
frische Impulse zu integrieren. Den Wettbewerb
gewonnen und den Entwurf auch umgesetzt hat das Berliner Büro BvdM-Architekten.

Jochen Buder, Tischlermeister und Innenarchitekt, und sein Büropartner Constantin von der Mülbe,
Architekt, haben mit ihrem Team im Laufe der Jahre viel Erfahrung im Bauen im Bestand gesammelt. Ein Schwerpunkt der Architekten ist das Entwickeln von Bürokonzepten und die Gestaltung repräsentativer Bereiche. Für ihren Siegerentwurf griffen sie etwa das im Grundriss segmentförmig angeordnete Eingangselement als Teil des Kreismotives der Bestandsarchitektur auf und übertrugen es über segmentförmige Anordnungen der einfassenden Seitenwände. Das Rundmotiv taucht im Bodenverlauf oder auch in der Deckengestaltung als runde »Lichtungen« auf. Die zentrale Kreisform aus dem Bestandsgebäude haben die Planer auf diese Weise spielerisch aufgenommen und gekonnt in die Innenarchitektur verwoben.

Relaxte Start-up-Charakteristik

Tritt der Besucher heute über den Haupteingang der IHK ein, bewegt er sich in einer luftigen Foyerlandschaft. Der strenge Rhythmus der Stützenreihe im ehemaligen Erschließungssektor wurde teils gelichtet, teils ergänzt, sodass sich spielerisch Durchgänge ergeben, die sich mit geschlosseneren Präsentationsflächen abwechseln – ein Entwurfselement, das uns schon bei anderen BvdM-Objekten begegnet ist.

Rechts der zentralen Empfangstheke gelangt man durch die gelichtete Säulenstruktur in die »Lounge«, einen Warte- und Kommunikationsbereich für bis zu 28 Personen. Wartezeit geht durch die neue Umgebung in »Qualitätszeit« über: man holt sich einen Cappuccino und kann entspannt kommunizieren, ob im direkten Gespräch oder über einen digitalen Kanal mit der Welt. Das in Rüster furnierte und geradlinig stehende Sitz- und Stehtischelement mit kippenden, raumhohen Mikado- und Gestellstäben, ist übrigens formell keine Theke, sondern ein »Raumteiler« – im Verbund mit dem Kaffeautomaten und den Designersesseln (Allermuir, Modell Conic) wäre sonst eine
Lizenz mit den entsprechenden Auflagen für einen Ausschankbetrieb notwendig geworden.

Lesesaal mit Individualmöbeln

Links von der Eingangstheke geht das Foyer in den Lesesaal über, im Grundriss noch als Bibliothek
ausgeflaggt. Bei diesem (Selbst-)Informationsbereich fällt der Blick auf die große, arenaförmig angeordnete Wand mit Informationsbroschüren. Für jedes Gewerk oder jede Dienstleistungs- oder Industriesparte gibt es hier eine eigene Broschürenpräsentation. Frontal zeigt sich dem Besucher die Titelansicht. Durch die Anordnung im Arenaformat entsteht seitlich dazu ausreichend Stauraum für die Broschürenstapel. Funktioniert dieses Präsentationssystem so wie auf der Entwurfsskizze der Planer gezeichnet? Ein nach dem Entwurf getischlertes, einfaches 1:1-Modell überzeugte die Bauherrschaft von der Funktionsweise. Statt industriellen Serientischen stehen acht vom Tischler gefertigte Individualtische in Rüster im Raum. Auf die CNC-Fertigung hin entworfen und konstruiert, muss so ein vom Tischler gefertigtes Möbel nicht teurer als ein Massenprodukt sein.

Hier, wie bei vielen anderen Möbel- und Ausbaukonstruktionen, kommt die Vita und das Faible von Jochen Buder zum Wirken: Seine Tischlerwurzeln
führen zu einem extrem hohen Detailierungsgrad
der Möbelentwürfe und -planungen. Obwohl viele Bestandswände und Deckenelemente erhalten und in die Neugestaltung eingebunden wurden, konnte in den Begegnungsbereichen der IHK-Mitarbeiter und Mitglieder eine ganz neue, wohnlich-kommunikative Atmosphäre geschaffen werden. Eine gestalterische Klammer des gestalterischen Konzeptes bilden das grün-changierende Farbenspiel und die vertikalen, leicht geneigten Stäbe, dazu die Streifenmuster mit ihrem durchfallendem Licht – eine Hommage an den Brandenburger Wald, die »Märkischen Wälder«.


dds-Redakteur Hubert Neumann hat den Innenarchitekten und Tischlermeister
Jochen Buder bei der Juryarbeit des Gestalterpreises Berlin kennengelernt. Die Detailstärke der BvdM-Entwürfe fasziniert ihn.


Steckbrief

Bauherr: IHK Potsdam,
www.ihk-potsdam.de

Entwurf + Realisierung:
BvdM Architekten, Jochen Buder, Constantin von der Mülbe, Berlin,
www.bvdm-arch.de

Tischlerarbeiten/Innenausbau: Möbelmanufaktur Weiher GmbH, www.moebelmanufaktur-weiher.de


Jochen BuderBvdM-Architekten

»Meine Tischlerwurzeln führen zu einem hohen Detailierungsgrad der Möbelplanung«

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