Innenausbau

Wie das Haus, so das Möbel

Materialreduktion kann langweilig oder auch erbaulich frisch sein – ganz nach dem Slogan »Es kommt darauf an, was man daraus macht!« Beim Bau eines Einfamilienhauses bei München überzeugt als Fichte als Werkstoff für Decken, Wände und Möbel zugleich.

Vor einigen Monaten hat mir ein Artikel der Süddeutschen Zeitung die Gemeinde Poing als Inbegriff des Spießer-Ghettos im Münchner Umland ins Hirn gebrannt. Gesichtslose Reihenhäuschen, hochgezogen in Baugebieten mit Namen wie Zauberwinkel oder Arkadien, seien von Marketingexperten in kühler Kosten-Nutzen-Abwägung der Generation Kleingarten angedreht worden. Bitterbös schüttete der Autor seine Häme über Wohnungssuchende mit kleinen Kindern aus, die sich stundenlang und gemütlich rundumversorgt in ihrer Peer-Group darüber unterhalten, ob nun Parkett oder Laminat die bessere Alternative ist.

Szenenwechsel. Beim Durchblättern des neuen Buches »Vorbildliche Grundrisse« der dds-Autorin Bettina Rühm verhaftet sich mein Blick auf der Seite 70. Was sehe ich? Ein »Einfamilienhaus in Poing«. Seines Zeichens eine Rehabilitation für den Wohnort, 20 km östlich von München. Das Holzhaus, errichtet nach Passivhaus-Standard, tritt erfrischend positiv auf. Das Baumaterial – durch und durch Holz, innen wie außen – im Südwesten ergänzt mit viel Glas. Die Architekten Uli Gassner und Peter Zarecky spielten mit den Kontrasten Homogen versus Heterogen. Dem Umfeld der Neubausiedlung mit geschnitzten Balkonen und schmiedeeisernen Fenstergittern setzten sie einen eigenständigen, kraftvollen Entwurf entgegen. Die Vorgaben der Bauherren nach Passivhausstandard mit aufwendiger Haustechnik deckelte das Budget. Dies verlangte nach durchdachten Lösungen. Statische, lastabtragende Wandscheiben aus 80-mm-Dreischichtplatten blieben sichtbar und fassen als Wangen zugleich Einbauschränke ein – wirken als Teil der Möblierung. Ähnliches gilt für die Decken, bestehend aus Flächenelementen von Lignatur. In deren Hohlkammern sind Stahlträger, Leuchten sowie die Zu- und Abluftführung integriert. Der ausführende Zimmermeister Werner Krenn ist auch Schreinermeister. Das ist ablesbar, ob bei der Verarbeitungsgüte der Holzbauteile oder der Schreinerqualität bei Parkett oder Treppenanlage. Einen gelungenen Kontrast zu den prägenden Holzflächen bildet der Erdgeschossboden aus geschliffenem Zementestrich sowie die weiß lackierten Möbelfronten und der mit Corian belegte Küchenblock.

Buchtipp

Mit 34 weiteren Häusern erschien das vorgestellte Haus »Poing« im Band
Vorbildliche Grundrisse
Aktuelle Wohnhäuser für Singles, Paare und Familien
von Bettina Rühm, Dipl.-Ing. (Arch.), 168 Seiten, mit 180 Fotos und 80 Plänen, ISBN: 978-3-421-03958-3, 49,99 Euro, DVA
Bequem bestellen über dds-medienservice: www.medienservice-holz.de

Steckbrief

Planung: Gassner & Zarecky Architekten und Ingenieure BDA, 85521 Riemerling www.gassner-zarecky.de
Ausführung Holzbau: Zimmerei und Schreinerei Werner Krenn 94486 Osterhofen www.krenn-holzbau.de
Küche: Küchenkonzepte Peter Humpel, 83620 Feldkirchen www.kkhumpel.de
Deckenelemente: Lignatur AG, Flächenelemente für Decken und Dächer, Längen bis 16 m

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