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Bürobau: Die Arena der Arbeitswelt

Innenausbau Adidas
Die Arena der Arbeitswelt

Adidas beauftragte Behnisch Architekten für den Bau eines repräsentativen Empfangsgebäudes des Adidas World of Sport Campus in Herzogenaurach.

Spätestens seit 1954 mit dem Weltmeistertitel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hat sich Adidas ein sportliches Denkmal gesetzt. Adi Dassler und der Schraubstollen-Schuh beschenkten ganz Deutschland mit einem Freudentaumel und demonstrierten, wie nebenbei der Sport die Kraft hat, das Leben zum Besseren zu wenden. Seither pflegt Adidas weltweit in Stores und via Kampagnen dieses Image und orientiert sich auch für das neue Adidas-Hauptquartier am Gründungsort in Herzogenaurach an seinen Markenwerten. Die Planung für das Projekt begann bereits 1999. Adidas kommentierte dazu auf der offiziellen Homepage: »In Zeiten, in denen es einfach ist, Produkte und Strategien zu kopieren, ist die Arbeitsplatzkultur das Unterscheidungsmerkmal für den Erfolg.« Eingebettet in eine Landschaft aus Grünflächen, farbenfrohen Verbindungswegen und Wasserflächen finden sich auf dem ehemaligen US-Militärgelände heute Büro- und Konferenzgebäude, ein Fitnessstudio und zwei Parkhäuser. Als repräsentativer wie identitätsstiftender Campuszugang dient ein von Behnisch Architekten entworfenes, weithin sichtbares Empfangs- und Bürogebäude.

Ein schwebendes Büro

Die sogenannte Arena wurde im Erdgeschoss als modellierter Landschaftshügel Teil der Campuslandschaft und fächert sich mit Konferenzräumen, einem Bistro und verschiedenen Serviceeinrichtungen windmühlenartig um das zentrale Foyer auf. Unterschiedliche Bodenbelagsfarben zeigen dabei verschiedene Nutzungszuweisungen der weitläufigen Fläche an: Ein dunkler, geschliffener Estrich markiert direkte Laufwege zu Mitarbeiterbereichen und nennt sich »fast lane«, während ein heller Estrich als »slow lane« Markenpräsentations- und Wartebereiche anzeigt, die wahlweise als Eventflächen dienen. Oberhalb des Erdgeschosses erhebt sich auf 67 Stahlstützen ein dreigeschossiger Bürokubus 27 Meter in die Höhe und liefert Platz für rund 2 000 Arbeitsplätze. Das so zwischen Empfangsetage und Büroebenen entstandene Luftgeschoss bringt den Kubus optisch zum Schweben und fungiert als Freizeitbereich, der sich schwellenlos mit der Umgebung verbindet. Sechs unterschiedlich dimensionierte Lufträume vernetzten im Gegenzug die Geschosse untereinander und bringen Tageslicht ins Gebäudeinnere.

Identitätsstiftende Orte gestalten

Herzstück der Arena ist das Atrium mit ihrer skulptural anmutenden Treppenanlage. Rund um die vertikale Erschließungsstruktur schließt sich auf den Büroebenen die Magistrale an, die mit ihren offen gestalteten Küchen und verglasten Besprechungsräumen als Ankerpunkt der Kommunikation und Hauptschlagader der Etagenorganisation funktioniert. »Der Wunsch nach einem weltoffenen Miteinander war Leitfaden und Grundvoraussetzung«, berichtet Stefan Rappold, Partner bei Behnisch Architekten, in einem Interview. »Bei der Gestaltung der Arbeitswelten war es von Bedeutung, die immensen Flächen von insgesamt 52 000 Quadratmetern gut zu strukturieren. Hierfür haben wir jedes der Obergeschosse in sechs Zonen eingeteilt, die sogenannten Key Cities. Für diese Cluster wurde je ein Material- und Farbkanon definiert, sodass adressbildende Umgebungen entstehen konnten.« Als Inspirationsquelle für die Ausgestaltung der Key Cities dienten die für die Marke gleichsam bedeutenden Metropolen Los Angeles, London, Tokio, New York, Shanghai und Paris. Die Key City New York wurde auf diese Weise in ein urbanes, industrielles Flair mit schwarzen Metalloberflächen und signalgelben Details getaucht.

Die besten Arbeitsplätze der Welt

Das ehrgeizige Ziel die »besten Arbeitsplätze der Welt« zu realisieren, erreichte das Team von Behnisch Architekten mithilfe eines flexiblen Wechsels zwischen Freiflächen und Rückzugsorten. Eingestellte Container gliedern die Cities zusätzlich und liefern Räume für Telefonate und Besprechungen jeder Art. Gemeinsam mit den als Trennwände dienenden Schließfachreihen und den offen belassenen Stahlverbunddecken zieht noch dazu ein ungezwungen flächendeckender Werkhallencharakter ein, der durch ein plakatives Wegeleitsystem der Agentur Ockert und Partner vervollständigt wird.

Eine Fassade für die Zukunft

Blendfreie Blickbezüge auf den Campus gelingen dank eines fest installierten Sonnenschutzes aus rautenförmigen und perforierten Aluminiumblechen, die das Erscheinungsbild des Gebäudes maßgeblich prägen. »Der Sonnenschutz schützt vor starker Sonneneinstrahlung und lenkt das Tageslicht zugleich bis tief ins Rauminnere. In Zusammenarbeit mit Bartenbach Lighting Design entwickelten wir ein maßgeschneidertes System, das die wechselnden, komplexen Parameter der Sonnenstände zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten berücksichtigt«, erklärt Stefan Rappold. »Mithilfe der Sonnenschutzelemente rückt die Ablesbarkeit der Geschosse außerdem in den Hintergrund.« Architektonisch anspruchsvoll, wegweisend flexibel, intelligent konstruiert und sorgfältig geplant – die Arena lässt sich auf vielfältige Weise prüfend wahrnehmen oder beschreiben und erhielt nicht zuletzt deshalb den Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaus und die LEED-Gold-Zertifizierung. Kaspar Rorsted, CEO von Adidas, sieht es trotz allem Lob für die fertiggestellte Arena sportlich-pragmatisch: »Wenn wir in unsere Arbeitsplätze investieren, dann investieren wir in die Zukunft.«


Die freie Journalistin Henriette Sofia Steuer gefällt an der Adidas Arena besonders die außergewöhnliche Verzahnung von Innen- und Außenraum und damit das Entstehen einer transparenten wie mitarbeiterfreundlichen Gebäudestruktur.


Steckbrief

Behnisch Architekten
www.behnisch.com

Die Adidas Arena entstand in Zusammenarbeit mit

Bartenbach Lighting Design www.bartenbach.com

Ockert und Partner
www.ockert-partner.com

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