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Treffen der Tischler in Bochum und Schreiner in Ellwangen

Treffpunkt Tischler in Bochum und Schreinertag in Ellwangen
Gleich und doch nicht gleich

Zum Treffpunkt Tischler NRW kamen am 15. und 16. September 2022 über 1200 Menschen zusammen. Am nächsten Tag waren es beim Schreinertag BW nochmals 350 Besucher. Ausstellungen, Vorträge, Preisverleihungen und Obermeistertagungen bildeten den Rahmen.

Bochum und Ellwangen sind rund 500 km von einander entfernt. Ganz nahe beieinander liegen dabei die Themen, die Tischler und Tischlerinnen in NRW und Schreiner wie Schreinerinnen in Baden-Württemberg bewegen. Die größte Unbekannte für Betriebe ist die Energiekrise. Von apokalyptischen Vorahnungen mit Insolvenzen und manifesten gesellschaftlichen Einbrüchen auf der einen Seite bis hin zu einem selbstbewussten Zukunftsoptimismus aufgrund kreativer Lösungen und gut gefüllter Handwerkerkassen nach den lukrativen Pandemiejahren auf der anderen Seite reicht die Spannweite der geäußerten Erwartungen. Entsprechend gut frequentiert waren Vorträge zu Energieeinsparung, Effizienzsteigerung und Fördermöglichkeiten bei beiden Veranstaltungen. »Ob Fachkräftemangel, Klimawandel oder steigende Energiepreise – in Zeiten, die von zahlreichen Krisen und Unsicherheiten geprägt sind, ist es umso wichtiger als Branche zusammenzuhalten«, betonte der NRW-Verbandsvorsitzende Thomas Klode im Gespräch mit dds.

Nachhaltig produzieren

Da die Planungen zu Treffpunkt Tischler und Schreinertag BW lange vorbereitet waren, ging es in den Workshops mehrheitlich um vergleichsweise zeitlose Themen rund um Werkstatt, Büro und Montage. »Business as usual«, lautet für viele Unternehmer, ob Zulieferer oder Handwerker, derzeit die Devise. Weitermachen, Aufträge bearbeiten, Rücklagen bilden, so lange es (noch) läuft.

Dass dies auch auf nachhaltige Weise funktioniert, beweist die Tischlerei Stefan Beule im sauerländischen Brilon. Tischlermeister Stefan Beule wurde in Bochum mit dem Alfred-Jacobi-Preis ausgezeichnet. Sein erklärtes Ziel ist es, ausschließlich mit Holz aus der Region zu arbeiten, das er mit einem mobilen Sägewerk aufschneidet. Stefan Beule gestaltet seine Möbel so langlebig, dass sie idealerweise von mehreren Generationen genutzt werden. Zur nachhaltigen, ökologischen Produktion gehören für ihn außerdem der Bezug von Ökostrom, das Heizen mit Holzresten und die Veredelung mit umweltfreundlichen Wasserlacken und Wachsen. Beule sieht seinen Betrieb als »Persönlichkeitsschmiede« und fördert die Stärken und Talente im Team (siehe dds 10/2022: »Späne zu Setzschalen formen«).

Ähnlich engagiert zeigen sich die Zweitplatzierten: die Tischlerei Josef Fuhrmann aus Marienmünster sowie die Schreinerei Stefan Hampel aus Bonn. Unter den Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitenden zeichnete die Jury die Tischlerei Röwekamp & Stumpe GbR in Münster, die Möbelfabrik Werner Knake in Herford und die Anton Müther GmbH in Haltern am See aus.

Obermeistertagung mit Mehrwert

Dass die Innungsarbeit sich nicht zuletzt für das eigene Unternehmen lohnt, war unisono von den Obermeistern beim Treffpunkt Tischler in Bochum und von den süddeutschen Kollegen, die am Vortag des Schreinertags in Stimpfach tagten, zu hören. Neben den Wahlen und Internas gab es bei beiden Veranstaltungen auf offener Bühne sowie im persönlichen Austausch wertvolle Informationen aus erster Hand.

Ein heißes Thema ist weiterhin die Insolvenz der Dr. Keller Maschinen GmbH, die für viele Betriebe stets erster Ansprechpartner bei Investitionen war. »Wir als Homag nehmen inzwischen den Vertrieb und Service in Baden-Württemberg, Hessen und größtenteils in Rheinland-Pfalz in die eigenen Hände. Alle Kunden und Interessenten aus diesen Gebieten können sich somit ab sofort direkt an uns wenden«, bestätigte Eduard Schiessl, Vice President, Vertrieb und Service, Region Deutschland, der in Stimpfach Rede und Antwort stand. Er ergänzt: »In Bayern sind wir schon seit fast 20 Jahren mit dem Direktvertrieb unser Maschinen und Dienstleistungen erfolgreich.«

Beim Treffpunkt Tischler bot der Freitag ein spezielles Programm für rund 800 angehende Tischler und Tischlerinnen: Im Gestaltungsforum erläuterten Dipl.-Designer Jan Eisermann und Architekt Manfred Stommel-Prinz, worauf es bei der Gestaltung eines Gesellenstückes ankommt. »Als Tischler können wir vor allem mit individuellem und kreativem Design punkten«, betonte Thomas Klode und es sei wichtig, diesem Thema bereits in der Ausbildung eine hohe Bedeutung beizumessen.

Auszubildende im Mittelpunkt

Die Bemühungen um die Ausbildung im Tischlerhandwerk scheinen Früchte zu tragen. So ist in NRW die Zahl der Auszubildenden zuletzt auf 4576 leicht gestiegen. Rund 50 Prozent haben Abitur. Außerdem entscheiden sich immer mehr Frauen für eine Ausbildung im Holzhandwerk (2021: 634). »Um so kreativer müssen die Betriebe sein, um diese beiden Gruppen in der Branche zu halten«, appellierte TSD-Präsident Thomas Radermacher. Mit den Meister-, Techniker- und Gestalterschulen zeigte Dr. Johann Quatmann, Tischler-NRW-Geschäftsführer, Perspektiven auf.

Der Baden-Württembergische Schreinertag fand nach zwei Jahren Pause wieder statt. Landesinnungsmeister Wolfgang Pflücke, Verbandsgeschäftsführer Dr. Klaus Heß und Rainer Weiß, Leiter Vertrieb beim Kooperationspartner IKK-classic, zeichneten daher im Thalhofer Holzzentrum die Sieger von drei Jahrgängen in den Wettbewerben »Gestaltete Gesellenstücke, «, »Die Gute Form« und im praktischen Leistungswettbewerb (PLW) aus.

Innungsbetriebe weitgehend stabil

Seit den letzten Treffen ist die Mitgliederzahl sowohl in NRW als auch in BW recht konstant geblieben. Bei der Dortmunder Geschäftsstelle waren zum 31.12. 3450 Innungsbetriebe gemeldet (2017: 3600). Die Stuttgarter intensivierten in den vergangenen Jahren ihre Akquise- und Rückgewinnungsaktivitäten und steigerten sich so wieder auf 1833 Mitglieds-betriebe in 2021 (2017: 1784). –CG

Videotipp

Die Schreiner BW haben ein Video der Veranstaltung online gestellt.

Rückblick auf die vergangenen Schreinertage in Baden-Württemberg

Rückblick auf die vergangenen Treffpunkt Tischler in Nordrhein-Westfalen

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