Die Kolumne von Schreinermeister Laurenz E.

Schmutziger Strom

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Bild: Artqu, Adobestock

Es wird so um das Jahr 2005 gewesen sein, als ich mir dachte, man müsste doch seinen Kunden, außer dem Näherbringen der eigenen handwerklichen Qualitäten, auch die eine oder andere Annehmlichkeit bieten. So plaudert es sich doch bei einem Tässchen Kaffee wesentlich entspannter über vermeintlich viel zu hohe Angebotssummen. Just zu dieser Zeit kamen diese verdammt gut aussehenden und Lifestyle-suggerierenden Kaffee-Vollautomaten in Mode. »Sie sollten sich für das Businessmodell entscheiden!« höre ich wie heute die Fachverkäuferin säuseln, als ich, von Sparsamkeit getrieben, vor den Haushaltsmodellen eines namhaften italienischen Herstellers stand. So zog ich schließlich mit einem riesigen Hightech-Cafe-Crema-Business-Deluxe-Vollautomaten von dannen. Ausgepackt, angeschlossen, Wasser und Bohnen rein, Knopf gedrückt. Was passierte, war Folgendes: Nach diversen mahlenden und gurgelnden Geräuschen fielen ein paar Krümelchen frisch gemahlenen Kaffeepulvers in meine Espressotasse – von Kaffee keine Spur, schon gar nicht von einer Crema. Hm – musste ich wohl etwas falsch gemacht haben! Nach einer aufwendigen Innenreinigung des Geräts und Überprüfung des Wassertanks wiederholte ich den »Brühvorgang«. Die Sahara ist, im Gegensatz zu dem, was ich in meiner Tasse fand, ein wahres Feuchtbiotop! Also lud ich das Ding ins Auto und fuhr es in den Laden zurück. Leicht pikiert sagte die nette Dame vom Verkauf, dass sie sich so etwas gar nicht vorstellen könne und es täte ihr auch ganz unendlich leid, etc. etc. Bevor sie das Gerät einschicke, wolle sie es selbst noch einmal versuchen. Aus der Maschine ergoss sich der edelste Espresso, mit einer Crema, die die Welt noch nicht gesehen hat! Da läge wohl ein Bedienungsfehler vor und mit mitleidigem Lächeln ließ sie mich mitsamt meiner Höllenmaschine wieder ziehen. Zu Hause angekommen, wiederholte ich natürlich sofort bereits oben beschriebene Prozedur – Staub! Nichts als feiner Kaffeestaub!! Ich war dem Wahnsinn nahe.

Zufällig hatten wir ein paar Tage später einen Elektriker in der Firma. Als er um einen Kaffee bat, schilderte ich ihm mein Waterloo. Er orderte beim örtlichen Energieversorger ein Messgerät, das eine Woche lang die Stromfrequenzen aufzeichnete. Und siehe da: Ein benachbarter metallverarbeitender Betrieb hat mit seinen hochfrequenten Lasermaschinen unseren Strom »verschmutzt« – zwar noch innerhalb der Toleranzen, aber doch so viel, dass die Elektronik meines Barista-Spielzeuges an ihre Grenzen kam. Ein selbst gebastelter, vorgeschalteter »Stromfrequenzfilter« schaffte dann Abhilfe. Das Kaffeeautomaten-Fachgeschäft betrat ich nie wieder

Ihr Laurenz E.

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