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Modebegriff und Chance

Marketing & Betriebsführung
Modebegriff und Chance

Winfried Dell ist überzeugt, dass Industrie 4.0 beziehungsweise Handwerk 4.0 einen ganz neuen Markt für individuelle, am eigenen Mobilgerät geplante Einrichtungen mit sich bringt.

Winfried Dell, Homag eSolution

Industrie 4.0 wird gerne als die nächste Stufe der digitalen Revolution gewertet. Die Möbelbranche verfügt über die Technik und die Infrastruktur, diese Innovationen in den Markt zu führen. Neue Technologie erlaubt eine immer größere Emotionalisierung auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette. Mit der digitalen Produktion entsteht eine übergeordnete Intelligenz, deren dezentrale Datenpflege, -verwaltung und -handling vorbildlich in der deutschen Industrielandschaft ist. Zunehmend wird auch vom Handwerk 4.0 gesprochen.
Der Begriff Industrie 4.0 ist weltweit klar umrissen. Ist er das auch für Handwerk 4.0? Tatsächlich ist noch ein Stück Weg zurückzulegen. Das Handwerk hat eine andere Geschichte als die Industrie, es ist traditioneller, arbeitet regionaler und hat weniger Erfahrung mit permanenten Anpassungsprozessen. Zunächst einmal entstehen auch im Handwerk neue Berufsbilder: der Schreiner mutiert zum Systemanwender. Weiterhin wird das Handwerk stärker mit der Industrie im Wettbewerb stehen, sollte dort die Fertigung bis zur Losgröße 1 – eines der zentralen Ziele von Industrie 4.0 – kein Lippenbekenntnis bleiben. Aber auch die Anbieter von Maschinen, Anlagen und Systemen sind gefordert, standardisierte 4.0-Lösungen anzubieten, um daraus überschaubare Investitionspakete zu entwickeln. Investitionen sind also erforderlich.
Aber es gibt gute Gründe, um den Begriff Handwerk 4.0 nicht nur als Modebegriff, sondern als Chance zu werten. Viele Betriebe arbeiten bereits industrienah im Innovationsverbund oder im Schulterschluss mit anderen Handwerksbetrieben. So können echte Handwerks-Cluster entstehen, die so vernetzt sind, dass Aufträge ebenso effizient und überregional wie in der Industrie über eine dezentrale Produktion abgewickelt werden können: Aufträge und Kapazitäten werden gebündelt, untereinander zugekauft und anschließend auf die angeschlossenen Einheiten nach Kriterien wie Auslastung oder Standort verteilt.
Der neue Konsument ist ein mobiler User, der Einkauf nur einen Klick weit entfernt. 3D-Raumplaner, interaktive und internetbasierte Konfiguratoren mit beeindruckenden Produktvisualisierungen erzeugen in dieser immer größer werdenden Zielgruppe die Möbelkauflust. Handwerk 4.0 kann dafür stehen, den Kunden mit seinem Produkt in den gesamten Herstellungsprozess mit einzubeziehen, Maschinen, Produktionsanlagen, Softwaresysteme, Produktdaten und schließlich E-Commerce zu vernetzen. Maschinenhersteller ziehen bereits mit und bieten Anlagen- und Werkstattkonzepte in Verbindung mit Softwarelösungen, die Daten durchgängig vom Verkauf bis auf die Maschine transportieren. Mit diesen Verkaufssystemen können Konstruktionsdetails und Fertigungsinformationen direkt generiert, deren Daten prozessoptimiert und in Fertigungsabläufen organisiert werden. So wird nicht nur der Prozess, sondern auch Kundenbindung und Transparenz optimiert – klassische Stärken des Handwerks. Wenn wir Handwerk 4.0 so definieren, es nicht einfach als verstärkte Roboterisierung betrachten und stattdessen von intelligenten Systemen sprechen, ist das Handwerk auf dem richtigen Weg.
Das Handwerk ist also gefordert, die Voraussetzungen für Handwerk 4.0 zu schaffen. Es muss den eigenen Betrieb fit für das 21. Jahrhundert machen, die Vernetzung mit den Partnern forcieren, den Endkunden in den technologischen Geschäftsprozess einbeziehen und neue Geschäftsmodelle entwickeln, um den Verkaufsprozess weiter zu emotionalisieren. So schaffen wir auch unter den Voraussetzungen der modernen Gesellschaft emotionale und individuelle Produkte.

Winfried Dell

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»Die Voraussetzungen für Handwerk 4.0 sind geschaffen. Packen wir’s an!«
Homag eSolution
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