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Die nachhaltige Tischlerei

Zukunftsthemen des Handwerks
Die nachhaltige Tischlerei

Wer heute mit offenen Augen durch die Welt läuft, kommt um das Thema Nachhaltigkeit nicht herum. Helmut Frorath und Stefan Angermüller plädieren dafür, sich als Unternehmen jetzt so zu positionieren, dass man für die Zukunft gerüstet ist.

Bereits vor 20 Jahren gab es in verschiedenen Landesverbänden des Tischlerhandwerks erste Ansätze, sich mit dem ökologischen Fußabdruck von Betrieben und der CO2-Kompensation auseinanderzusetzen. Fehlte damals noch die Akzeptanz des Marktes, hat sich die Situation in den letzten Jahren maßgeblich geändert.

Die Zeit ist reif

Klare Ziele auf internationaler Ebene, die politische Ausrichtung durch den Klimaschutzplan der Bundesregierung, das Engagement von NGOs und vor allem der starke Protest der Jugend auf der Straße haben Rahmenbedingungen geschaffen, die Unternehmen in erheblichem Maß treffen werden. Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren gravierende Veränderungen im Umgang mit Ressourcen von der Regierung und auch vom Markt gefordert werden.

Corona hat gezeigt: Wer Krisen meistern möchte, muss sie als Chance sehen und frühzeitig und schnell reagieren, gut am Markt aufgestellt sein und sich nachhaltig finanzieren.

Was bedeutet das für ein Innenausbauunternehmen? Hatte die Qualitätsoffensive Ende der 90er-Jahre das Produkt und die Prozesse im Blick, steht bei der Nachhaltigkeitsbetrachtung das gesamte Unternehmen einschließlich der Lieferkette im Fokus. Drei Aspekte werden im Einklang optimiert: Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit. Nur wenn alle Bereiche ausgewogen entwickelt und gut aufeinander abgestimmt sind, ist das Unternehmen resilient für die Zukunft aufgestellt.

Der Nutzen, der sich betriebswirtschaftlich sowie in der Wirkung nach außen und innen ergibt, ist vielfältig. Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen …

  • sind zukunftsorientiert
  • sind für neue Marktanforderungen gerüstet
  • arbeiten kostenoptimiert
  • sind ressourceneffizient
  • halten Umweltauflagen ein (Strafen!)
  • sind innovativ
  • übernehmen soziale Verantwortung
  • haben motivierte Mitarbeiter

Jeder Unternehmer muss für sich entscheiden, ob er die Vision seines Unternehmens um das Thema Nachhaltigkeit bereichern will.

Dreistufige Vorgehensweise

Der Weg zum nachhaltigen Unternehmen führt von der Analyse über die Optimierung zur Kompensation. Die Analyse ermittelt den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens (Energie, Material), betrachtet die Lieferantenkette und die MitarbeiterInnen sowie das Finanzierungskonzept. Das Ergebnis wird in einem Nachhaltigkeitsbericht bzw. einer Ökobilanz festgehalten. Anschließend wird eine Strategie zur Optimierung entwickelt und ein Maßnahmenplan erstellt. Zuletzt erfolgt die Kompensation. Das Ziel: das Unternehmen so nachhaltig wie möglich aufstellen und die zu kompensierende Menge so klein wie möglich halten.

Erfahrungen aus der Praxis

Es ist wichtig, Mitarbeitende in den Prozess einzubeziehen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen Freiraum, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Um Nachhaltigkeitskompetenz Kunden gegenüber authentisch zu vertreten, brauchen wir auch Veränderung in unserem eigenen Tun und in unserer Haltung. Man muss den Geist im Unternehmen spüren – sowohl innen als auch von außen. Unserer Erfahrung nach kommen Aktivitäten rund um das Thema Nachhaltigkeit bei den Mitarbeitenden sehr gut an. Sie fördern die Unternehmensattraktivität (Employer Branding) und sind bei der Suche nach guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein echter Pluspunkt. Wer sich ohnehin mit Fragen der Team- und Organisationsentwicklung auseinandersetzt, wird positive Rückkopplungen mit dem Thema Nachhaltigkeit feststellen.

Um den eigenen CO2-Ausstoß und den Fußabdruck zu reduzieren, kann auch eine Energieberatung helfen. Kommunale Projekte wie z. B. »Ökoprofit« können ebenfalls eine interessante Option sein.

Wir sind davon überzeugt, dass einige Kriterien der Zertifizierung in Zukunft als Standards in die Ausschreibungen aufgenommen werden. Investitionsfonds machen den Projektentwicklern bereits Vorgaben, Gebäude mindestens am Gold-Standard der Zertifizierungssysteme wie DGNB, Leed oder Bream zu orientieren, um die langfristige Werterhaltung sicherzustellen.

Der Messebauverband Famab bietet seinen Mitgliedern schon seit langem an, den CO2-Bedarf für einen Messestand zu ermitteln, zu verbessern und dann zu kompensieren. Auch hier das Prinzip: vermeiden, ersetzen, wiederverwenden und nur Unvermeidbares kompensieren. Ebenso bietet der Verband, über einen Partner, seinen Mitgliedern an, die Nachhaltigkeit der Unternehmen zu begleiten, weiterzuentwickeln und zu bewerten.

Fragen Sie Ihre Kunden, ob das Thema in ihren Projekten eine Rolle spielt und was sie von Ihnen erwarten. Mit Know-how in Sachen Nachhaltigkeit können sie Ihre Produkte und Leistungen ins Spiel bringen, wenn Auftraggeber mit Anfragen zu zertifizierten Projekten auf sie zukommen. Die Entwicklung hin zur Nachhaltigkeit, durch Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte in Ihren Prozessen und Projekten bringt Sie näher an Ihre Kunden.

Machen Sie sich auf den Weg und klopfen Sie an die Türen der Institute, Auditoren und Berate. So lange, bis Sie den richtigen Wegbegleiter für Ihre Nachhaltigkeitsentwicklung gefunden haben.


dds-webinar

dds bietet in Zusammenarbeit mit Stefan Angermüller und Helmut Frorath das Webinar »Nachhaltiger Innenausbau« an. Termin: 13. Oktober 2020, 14 Uhr. Bitte formlos mit einer E-Mail an dds.redaktion@konradin.de anmelden. Die Teilnahme für dds-Leser ist kostenlos.


Die Autoren

Dipl. Ing. (FH) Holztechnik Helmut Frorath ist einer der beiden Gründer des Ladenbauers PPM in Dormagen. Seit 2016 ist er als Berater und Coach für Team- und Organisationsentwicklung tätig. Er ist Auditor bei der DGNB (Innenräume)

 

Dipl. Ing. (FH) Holztechnik Stefan Angermüller ist Consultant für Systemintegration CAD/CAM/ERP und Prozessmanagement bei AV-Line. ‧Gemeinsam mit Helmut Frorath begleitet er Unternehmen auf dem Weg in die Nachhaltigkeit.

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