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In der Ruhe liegt die Kraft - dds – Das Magazin für Möbel und Ausbau

Meisterstücke
In der Ruhe liegt die Kraft

Markus Comploi hat an der Fachschule für Schreiner Garmisch-Partenkirchen ein Ausstellungsmöbel geschaffen. Prof. Axel Müller-Schöll betrachtet das Meisterstück als mustergültigen Vertreter eines beliebten Möbeltyps.

Worauf kommt es bei einem Ausstellungsschrank an? „Schönheit der Zeichnung, augenfällige, geschmack-volle Außenseite, die an sich schon geeignet ist, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken; möglichst viel Schauflächen, daher Einschränkung des die Glasflächen einschließenden Holzwerkes auf das Mindestmaß.“ Eine Empfehlung von Christian Hermann Walde in seinem Buch „Der praktische Tischler“ von 1906.

Koffertüren sind normalerweise mit großer Vorsicht zu genießen, denn sie tragen enorme Hebelkräfte auf Bänder und Eckverbindungen ein und zwingen, das Möbel freizustellen, damit die Türen geöffnet werden können. Dies kommt diesem Möbel aber gerade entgegen, denn die favorisierte Betrachtungsseite ist hier nicht auf die Front, sondern auf die Ecke gelegt. Die rechtwinklige Verklebung mit Glasflächen gibt einen großzügigen Blick ins Innere frei, und schon der Umstand, dass die Mittelwand nicht transparent, sondern ebenfalls satiniert ausgeführt ist, zeigt, dass sich Markus Comploi sehr wohl bewusst war, dass die Rückseiten der ausgestellten Gegenstände bei einer diagonal ausgerichteten Ausstellungsanordnung eher Unruhe erzeugen und dem Inszenieren der Schokoladenseite entgegenwirken. Besonders gelungen finde ich, wie die Rückwand mit den integrierten Leuchten in das Möbelkonzept eingebunden ist: Indem er das Rückwandpaket nicht über die ganze Breite zieht, entsteht zwischen Korpus und Raumwand eine großzügige Fuge, die (nicht zu vermeidende) Unebenheiten der Wandfläche verzeiht.
In seiner flammenden Rede für die angemessene Gestaltung von Ausstellungsschränken schließt der oben zitierte Meister vor fast hundert Jahren mit der Erkenntnis: „Schränke, deren selbstgefälliger Prunk die ausgestellten Waren und Arbeiten kaum zu Worte kommen lässt, gleichen einer Rede, bei welcher Sinn und Geist verdunkelt wird durch hohles Pathos.“ Ich bin mir sicher, Christian Hermann Walde wäre angesichts dieses Meisterstückes voller Lob gewesen! Prof. Axel Müller-Schöll
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