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Fassadenschrank: Meisterstück von Kevin Ertl in der Kritik

Meisterstück Fassadenschrank von Kevin Ertl
Architektur im Kleinen

Kevin Ertl gestaltet den Mantel seines Meisterstücks mit einer kunstvollen Schindelfassade. Prof. Axel Müller-Schöll zieht Parallelen zum Fassadenschrank der Renaissance.

Typologisch haben wir es bei diesem Möbel mit einer modernen Variante des Fassadenschrankes zu tun, einer miniaturisierten Architektur, die ihre Ursprünge in der Renaissance hat. Seine raffinierte geometrisierte Außenhaut erzeugt durch das Spiel von Licht und Schatten Plastizität und vermag einem massiven Korpus Leichtigkeit zu verleihen. Moderne Verarbeitungs- und Verbindungstechnik ermöglicht es Kevin Ertl, mit seinem Meisterstück ein grandioses Beispiel dafür abzugeben, wie hohe Handwerkskunst auch wirtschaftlich zeitgemäß umgesetzt werden kann.

Hinweis für Nachahmer

Für diejenigen, die sich daran nun ein Beispiel nehmen wollen, sei noch ein allgemeiner Hinweis gegeben: Raumhaltige Türen sind zwar elegant, weil sie die vorderen Korpuskanten monolithisch und kraftvoll anmuten lassen, allerdings ist ein solches Möbel schwierig zu möblieren. Rechts und links des Korpus muss jeweils der Platz freigehalten werden, um die geöffneten Schranktüren parken zu können – ein Anschließen des Möbels etwa an ein Regal oder das Platzieren in einer Nische ist eher nicht möglich. Allerdings ist es das gute Recht, dies bei der Meisterprüfung billigend in Kauf zu nehmen, geht es hier doch eher um Kür als Pflicht.

Das Möbelstück hat sogar einen Bruder im Geiste in der Gebäudewelt. Im Jahre 1960 überzog der große Karlsruher Architekt Egon Eiermann die Kaufhäuser der Merkur-Kette mit einer im Duktus ganz ähnlichen Rasterfassade. Werden solche Gebäude abgerissen, ruft das heute Sammler aus der ganzen Welt auf den Plan, die ein solches Rasterelement ergattern wollen. Auch wenn dieser gestaltungsstarke junge Meister das mögliche Vorbild womöglich gar nicht gekannt hat, lässt sich feststellen: Ideen liegen bisweilen buchstäblich auf der Straße und laden alle dazu ein, sich zu bedienen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen!


Prof. Axel Müller-Schöll lehrt an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Innenarchitektur und Ausbaukonstruktion. dds und dem Tischlerhandwerk ist er seit vielen Jahren beratend und als Autor verbunden.


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