Schnell ohne Paketschnitte

Der Büromöbelhersteller Wini stellt sich auf eine individuellere Nachfrage ein und wandelt sich vom Serien- zum Einzelfertiger. Im ersten Schritt hat er eine Zuschnittzelle in Betrieb genommen. Trotz Losgröße 1 konnte er den Durchsatz mit weniger Mitarbeitern steigern.

Alle 20 Sekunden spuckt die Säge einen Zuschnitt aus und schiebt ihn auf einen sich lang hinziehenden Tisch. Die Formate wechseln ständig, selten fallen mal fünf oder mehr gleichgroße Teile an. Auch die Dekore wechseln, jedoch nicht so häufig, weil der Kollege von der Fertigungssteuerung das Tageslos nach Plattentypen sortiert. Noch stehen hier zwei Mitarbeiter, die diese Zuschnitte abstapeln, indem sie sie auf Hubstapel abschieben. Luftdüsen im Tisch erleichtern ihnen das Schieben. Das ist jedoch nur eine Zwischenlösung, denn im nächsten Jahr steht hier die nächste Automatisierung an.

Beim Büromöbelhersteller Wini in Coppenbrügge bei Hannover widmet sich eine 50 x 30 m große Halle ausschließlich dem Plattenschnitt. Das Gros der Hallenfläche nimmt ein automatisches Plattenlager von Systraplan ein. Knapp 100 liegende Stapel mit Halbformatplatten in verschiedensten Dekoren versorgen die im Juni 2016 in Betrieb genommene vollautomatische Zuschnittzelle »LS1« von Schelling. Außer den beiden Mitarbeitern am Auslauf der Zelle befindet sich aktuell sonst kein weiterer Kollege in der Halle. Im Anlieferungsbereich an den Rolltoren warten keine Stapel darauf, mit dem Gabelstapler auf den Einlagerplatz gesetzt zu werden. Auch an der ebenfalls an das Lager angeschlossenen konventionellen Plattensäge für Schnellschüsse arbeitet niemand. Ideal ist, wenn diese Säge steht und alles über die wirtschaftlichere Zuschnittzelle läuft.
Über eine angetriebne Rollenbahn gelangen Halbformatplatten oder große zurückeingelagerte Reste vor die LS1. Die Maschinentische, Förderbänder und sonstige Transporteinrichtungen sind mit Bürstenoberflächen versehen, sodass selbst empfindliche Hochglanzoberflächen nicht zerkratzen können. Ein Beschickportal nimmt die Platte entgegen und legt sie auf die Einlaufbahn (Position 1 im Layout oben). Je nachdem, ob die Platte zunächst längs oder quer aufzuteilen ist, erfolgt auf diesem Weg eine Drehung um 90°. Förderriemen bringen die Platte auf den Sägetisch, wo sie die Klemmern des Einschubwagens (2) ergreifen und sie für den Besäumschnitt auf der Säge (3) positionieren. Der Abschnitt fällt durch eine Klappe auf ein Abfallband.
Automatischer Materialkreislauf
Dort, wo sonst der Maschinenführer steht, bringt ein Vakuummanipulator (4) die abgetrennten Streifen auf eines der drei zirkulierenden halbformatgroßen Rücktransporttabletts (7). Sind alle aus einem Halbformat herausgetrennten Streifen dort angekommen, fährt die gesamte Charge um eine oder zwei Tablettlängen nach links. Ist das linke Tablett abgeräumt, taucht es nach unten ab, macht damit Platz für das nächste, bewegt sich ganz nach rechts, taucht wieder auf und wartet auf Material. Ein weiterer Vakuummanipulator (4) bringt die einzelnen Streifen auf den Tisch vor der Säge (3). Der Einschubwagen (2) übernimmt jeweils einen Streifen und positioniert diesen zum Queraufteilen an der Säge (3). Fertige Zuschnitte dreht der Manipulator (6) ggf. in die Richtung, wie sie später im Stapel liegen sollen und legt sie auf den Fördertisch (6) zur Abnahmestation. Jeder Zuschnitt erhält ein Etikett. Da beide Manipulatoren die Werkstücke auch drehen können, lassen sich auch Aufteilungen mit Kopfschnitt realisieren. Teile, die einen Drittschnitt oder gar einen Viertschnitt erhalten sollen, gehen wieder automatisch in den Rundlauf und werden vollkommen automatisch aufgeteilt. Das Konzept erlaubt beliebig viele Schnittebenen. Material von bis zu drei Halbformatplatten kreist um die Säge und sorgt für eine enorm hohe Schnittfrequenz. Großreste mit mindestens 2 m Länge und 1 m Breite gelangen über die Transportstrecke (5) zum Flächenlager. Kleinere Reste gelangen über die Klappe hinter der Säge zum Hacker.
Büroeinrichtungen nach Maß
Mit Büroeinrichtungen nach Maß und einem umfangreichen Produktangebot – von höhenverstellbaren Schreibtischen bis zu Loungemöbeln – zählt Wini heute zu den Top 10 der deutschen Büroeinrichter und beschäftigt 200 Mitarbeiter. Den Dienst an der Mitarbeitergesundheit vereint der Büromöbelhersteller mit anspruchsvollem Design und hoher Funktionalität. Ob Großraum-, Kombi-, Zellen-, Einzel- oder Teambüro: Wini fertigt individuelle, zeitgemäße und ergonomische Büroeinrichtungen.
Vom Serien- zum Einzelfertiger
Der Markt fordert immer individuellere Büroeinrichtungen, die sich nur bedingt aus einem Standardbaukasten heraus realisieren lassen. Wini hat sein Programm mit zahlreichen Varianten- und Individualisierungsoptionen an diesen Trend angepasst und sich dabei vom Serien- zum Einzelfertiger entwickelt. Die damit einhergehende Umstellung der Fertigung wurde für 1500 Möbelteile pro Schicht konzipiert und begann vor einem Jahr, als Wini im ersten Schritt die konventionelle Plattensäge gegen die Zuschnittzelle samt Automatikplattenlager ausgetauscht hatte. Im nächsten Jahr steht die Verkettung der Zuschnittzelle über einen Sortierpuffer mit 250 Plätzen mit den beiden ebenfalls bereits ausgewechselten Kantenanleimmaschinen sowie die Installation einer neuen Durchlaufbohrmaschine zwischen Fertiglager und Verladerampe zum Lkw an. Erst an der Kantenanleimmaschine wird dann ein Wini-Mitarbeiter ein Werkstück zum ersten Mal in die Hand nehmen. Bis dahin erfolgen alle Materialbewegungen sowie das Sortieren vollautomatisch. Bis letzten Sommer noch fertigte Wini zu etwa 70 Prozent in Serien mit Losgrößen von rund 25 Stück, den Rest jedoch bereits in Losgröße 1. Der Plattenzuschnitt erfolgte auf der Plattensäge »FS 6« von Schelling. Die Serien ließen sich mit Paketschnitt recht rationell erledigen, nicht jedoch die Einzelpositionen. Dieser Zuschnitt erforderte drei Mitarbeiter. Einer schaffte mit dem Gabelstapler die Platten herbei, einer betätigte die Säge, während der Dritte die Zuschnitte abstapelte.
Losgröße 1 bei voller Leistung
Dirk Hölscher, technischer Geschäftsführer von Wini, resümiert: »Mit der SL1 haben wir die erste Etappe der Umstellung unserer Fertigung gemeistert. Im Juni 2016 haben wir sie in Betrieb genommen und uns mit der Optimierung der Abläufe im Detail befasst. Seit Dezember liefert sie zuverlässig bis zu 1500 Zuschnitte in Losgröße 1 pro Schicht. Für eine mögliche dritte Schicht erweitern wir unser Lager, damit der Kommissionierprozess dementsprechend optimiert wird.«

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dds-Redakteur Georg Molinski hat sich im Büromöbelwerk von Wini in Coppenbrügge den Betrieb der Fertigungszelle aus Flächenlager und LS1 angeschaut. Ruhig und kontinuierlich lieferte sie einen Zuschnitt nach dem anderen.

Kontakt

Anwender: Wini Büromöbel Georg Schmidt GmbH & Co. KGwww.wini.de
Säge: Schelling Anlagenbau GmbH, www.schelling.com
Lager: Systraplan GmbH & Co. KG, www.systraplan.de

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Technischer Geschäftsführer bei Wini
»Flexibilität darf nicht zulasten der Leistung gehen. Mit der LS1 haben wir das geschafft.«