dds-Anwendertest des neuen Duo-Dübler von Mafell

Weit mehr als ein Facelift

Der neue Duo-Dübler DDF 40 von Mafell verbindet die Vielseitigkeit von Rundholzdübeln mit dem einfachen Handling einer Flachdübelfräse. Schreinermeister Michael Schmid hat das Gerät für dds über mehrere Monate getestet – sein Fazit ist eindeutig.

In vielen Betrieben leistet der Duo-Dübler von Mafell seit 17 Jahren treue Dienste. Anders als die Flachdübelfräsen Domino von Festool und Zeta von Lamello arbeitet er mit handelsüblichen Runddübeln von 6 bis 12 mm. Nun hat Mafell das Verbindungswerkzeug komplett überarbeitet. Der neue DDF 40 ist dabei weit mehr als ein einfaches Facelift.

Ein wesentlicher Vorteil der neuen Maschine ist, dass sie sich nun wie eine klassische Flachdübelfräse handhaben lässt. Früher erschwerten Absaugstutzen und Anschlagplatte das Anlegen an das Werkstück. Durch eine neue ebene Grundplatte entfällt jetzt dieses lästige Umdenken beim unterschiedlichen Anlegen.

Ich habe mit dem Vorgängermodell DD 40 G über die Jahre viel Erfahrung sammeln können und benutze diesen Klassiker hauptsächlich für Bohrungen von Lochreihen sowie im Stollenbau bei Tischen. Im Möbelbau mit Platten dominierte bei mir bis dato die Flachdübelfräse: Sie war schneller in der Handhabung und ein gewisses Spiel in den Verbinderfräsungen unterstützte zügiges und dennoch akkurates Arbeiten.

Die Bedienfunktionen

Im Vergleich zum Vorgängermodell erweist sich die Höhenverstellung über ein Drehrad als vorteilhaft: Die Höhe lässt sich damit nun sehr präzise einstellen. Gerade wenn man mit dem Klappanschlag arbeitet und etwa eine Rückwand einen Rücksprung haben soll, kann man einfach 2 mm Rücksprung einstellen, ohne dass der Anschlag stört.

Der ergonomische Griff schmeichelt der Hand und hilft, die Maschine sicher in allen erdenklichen Positionen zu greifen. Mafell ersetzt den klassischen Schiebeschalter durch einen Druckschalter. Der Vorteil: Beim Ansetzen und Einschalten verrutscht durch den wegfallenden Schiebewiderstand nichts mehr. Schön auch, dass zwei verschiedene Tiefen über einen Bohrtiefenschieber einstellbar sind und man zwischen diesen einfach hin und her switchen kann. Für Gehrungsverbindungen lässt sich die Schwenkplatte stufenlos von 0 bis 90° einstellen.

Auch der Werkzeugwechsel gelingt einfach: Man stellt am Gerät auf Werkzeugwechsel um, schiebt die Motoreinheit nach vorne und diese rastet ein – zugleich wird die Maschine stromlos geschaltet. Man wendet das Gerät und dreht mit dem Schlüssel, bis Madenschrauben sichtbar sind. Löst man diese, lassen sich die Bohrer komfortabel tauschen.

Mehrere Anschlagvarianten

Das Vorgängermodell hat kleinere Anschläge zum Aufklipsen. Für größere Bohrlochraster ist entweder hohe Präzision beim Anreißen gefragt oder man besorgt sich für genaue Verbindungen eine leider häufig unhandliche Dübellehre aus Aluminium. Die cleveren Zusatzanschläge der neuen DDF 40 erleichtern die Handhabung und machen Rasterbohrungen nun auch ohne Dübellehre möglich. Die Anschläge sorgen für jede Menge Spaß beim Arbeiten. Wer Angst hat, dass Verbindungen womöglich durch das nicht vorhandene Spiel nicht passen könnten, staunt sehr bald über eine Präzision, die kaum auf der CNC gelingt – dabei hat Mafell nur die gefedert gelagerten Stifte, die sich an der Maschine schon etabliert haben, auch auf einem aufklipsbaren Anschlagreiter montiert! Der lässt sich in Stufen verfahren und garantiert so wiederholgenaues Bohren. Nachdem man das erste Loch mit dem Anschlagstift der Maschine gebohrt hat, greift der Reiter des angedockten Zusatzanschlags. So bohrt man dann Loch um Loch. Eine prima Sache mit Schnellklemmung, die präzise und selbsterklärend funktioniert.

Der Revolveranschlag ist besonders bei Standardkorpusteilen hilfreich, denn er sorgt dafür, dass die Dübel wiederholgenau in der Mitte sitzen. Ein gezackter Anschlag erlaubt flottes und akkurates Bohren von Lochreihen. Dank des aufsteckbaren Zusatzanschlags K lassen sich auch präzise Lochreihen in bereits aufgebaute Korpusse bohren. Zum wiederholgenauen Bohren von Mittelseiten oder Fächern, die von der Vorderkante zurückstehen, eignet sich hervorragend ein Untergreifanschlag, der, mit einer Feineinstellung versehen, auf den Seitenanschlag aufgesteckt wird.

Werkstücke unter 40 mm konnten mit dem Duo-Dübler bisher nicht bearbeitet werden. Das ändert sich nun mit einem Leistenanschlag, der vorne im Bohrerbereich aufgesteckt wird, wenn der rechte Bohrer ausgebaut ist. Gefedert gelagerte Anschlagpins des Anschlags liegen so direkt um den einen Bohrer und erlauben randnahes Bohren etwa bei kleinen Zierleisten. Ein weiteres sehr nützliches Hilfsmittel, der Stützwinkel-Anschlag, verhindert ein Verwackeln beim Bohren. Umgekehrt fixiert dient er als Anschlagkante von unten. Eine einfache Sache im Grunde, die mich im praktischen Einsatz absolut überzeugt hat.

Ein klares Votum

Der neue DDF 40 ist ein echter Allrounder und ein toller Helfer – und das nicht nur für kleine Betriebe, sondern durchaus auch für Schreinereien mit einem Bearbeitungszentrum. Werkstücke, die durch kleine Baugrößen nicht auf den CNC-Tisch aufgespannt werden können, lassen sich mit dem Duo-Dübler schnell und wirtschaftlich bohren. Auch lassen sich kleine, mit dem Duo-Dübler gebohrte Werkstücke mit Bohrungen am großformatigen Gegenstück auf dem CNC-Tisch kombinieren. Die Maschine ist in gewohnter Mafell-Qualität perfekt verarbeitet. Sie ist für mich eher als Neuentwicklung denn als Facelift einzustufen, perfektioniert durch wirklich nützliche Ergänzungen. Ich gehe davon aus, dass der DFF 40 den klassischen Dübel wieder mehr in den Fokus der Anwender bringt. Der Dübel ist für mich noch lange nicht oldschool! Was die neue Maschine besonders auszeichnet, ist ihre Vielseitigkeit. Es lassen sich nicht nur Korpusecken und Plattenmaterialien bearbeiten, man kann mit dem Gerät die komplette Bandbreite an Verbindungen umsetzen, die für den Schreiner und Innenausbauer im Plattenbau, Massivholzbau, Stollenbau etc. anfällt – inklusive der Möglichkeit, Lochreihen auf einfachste Weise zu erstellen. Selbst Exzenter-Verbindungen konnte ich mithilfe einer selbstgebauten Lehre umsetzen. Auch der Verbinder Invis von Lamello ließ sich ohne Bohrlehre mit dem DDF 40 präzise einbohren.

Man merkt der Maschine an, dass viele praktische Holzhandwerker an der Entwicklung beteiligt waren. Kein selbstverliebtes »Happy Engineering«, sondern gefühlt von Handwerkern für Handwerker entwickelt. Deshalb ist der DDF 40 für mich ein Top-Gerät und absolut weiterzuempfehlen.

Weitere Mafell-Werkzeuge im dds-Test: Akkuwerkzeuge im Härtetest


Ach So!

Duo-Dübler – was ist das?

Der Duo-Dübler ist eine Maschine, die zwei Rundholzdübellöcher gleichzeitig bohrt und sich hierbei auf das im Möbelbau etablierte System 32 bezieht. Anwendung im Video:
https://bit.ly/2r07erU


Schreinermeister Michael Schmid befasst sich intensiv mit Elektrowerkzeugen und ist permanent auf der Suche nach Innovationen. Aktuell testet er für dds die Bluetooth-Technik sowie Sägen von Festool.


Steckbrief

Das Familienunternehmen Mafell versteht sich als Premiumhersteller handgeführter Elektrowerkzeuge zur professionellen Holzbearbeitung. Der Duo-Dübler DDF 40 im Systainer kostet 859 Euro netto.

www.mafell.de

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