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Wandanschluss im Innenausbau

Wandanschlüsse bei Türen und Korpusmöbeln
Welcher Anschluss?

Einbauschrank oder Zimmertür – ihre wahre Schönheit kommt nur dann zum Ausdruck, wenn sie sich harmonisch in ihr Gebäude einfügen. Thomas Herres und seine Meisterschüler befassen sich mit Wandanschlüssen.

Es gibt viele Varianten, wie sich eine Tür oder ein Schrank an das Bauwerk anschließen lässt. Thomas Herres, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern und seine Schüler befassen intensiv damit. Sie erarbeiten verschiedene Lösungen für unterschiedliche Zielsetzungen: Zum einen spielt die Gestaltung eine Rolle, zum anderen aber auch die technische Machbarkeit.

Das handwerklich Machbare

In letzter Zeit spielt auch die Vorfertigung in der Werkstatt eine zunehmende Rolle, weil die Schreinerbetriebe sich nicht den Unwägbarkeiten der Baustelle aussetzen wollen. Galt es für den Handwerker noch als selbstverständlich, eine Abdeck- oder Distanzleiste sauber mit dem Hobel einzupassen und an den Enden wohlmöglich noch mit einer unechten Gehrung um die Ecke zu leiten, spielt heute der Faktor Zeit eine wesentlich gewichtigere Rolle.

Vor Ort verpfuscht

Am liebsten möchte der Kollege von heute nur noch wie bei Küchenarbeitsplatten Anschlussprofile anklicken oder den Spalt zwischen Schrank und Wand mit Acryl aus der Kartusche ausspritzen. Das Bestreben nach rationellen und sauberen Lösungen ist löblich, jedoch besteht die Gefahr, dass der Tischler mit so einer Ex-und Hop-Montage seine in der Werkstatt hervorragend ausgeführte Arbeit letztendlich vor Ort verpfuscht. Das bringt enormen Schaden für den gesamten Berufsstand mit sich. Gefragt sind also Lösungen, die zunächst die geschmacklichen und gestalterischen Anforderungen erfüllen, und sich darüber hinaus auch noch wirtschaftlich umsetzen lassen. Konkret heißt das, der elastischen Dichtfuge den Kampf anzusagen und die konstruktionsbedingte Schattenfuge zu propagieren.

Gestaltung gestern und heute

Auch in der Gestaltung hat sich viel in Bezug auf die Wandanschlüsse von Schränken getan. Während in vergangenen Zeiten der Übergang vom Möbel oder dem Türrahmen zur Wand gerne mit opulenten, ausladenden Profilen realisiert wurde, ist zurzeit puristische Schlichtheit angesagt. Türen, Schrankfronten oder sonstige Einbauten sollten möglichst flächenbündig zu den angrenzenden Wänden montiert sein. Der Übergang darf kaum auffallen. Hier bietet sich vor allem die Schattenfuge an.

Funktion bestimmt Form?

Zu den besondres extremen Beispielen, wo es um die absolute Schlichtheit geht, zählen die eingeputzten und damit unsichtbaren Zimmertürfutter. Da Einbau und Bauwerk miteinander verschmelzen, ist natürlich auch kein Wandanschluss zu sehen – ein Idealzustand für den Puristen von heute. Der Betrachter sieht eine in der Regel weiß gestrichene Wand mit einer Türöffnung. Die stumpfe Tür schlägt flächenbündig in einen Falz in der Mauer ein. Eine Türzarge ist nicht zu sehen. Laibung, Falz und Wandoberfläche sind von identischer Beschaffenheit.
Paradoxerweise ist die Montage dieser superschlichten, idealtypischen Lösung mit in die Wand einzuputzenden Metallprofilen enorm aufwendig. Auch die Gebrauchstauglichkeit erweist sich als eingeschränkt, weil der Putz und die weiße Wandfarbe dem rauen Alltagsbetrieb nicht so widerstehen kann wie ein gewöhnliches Türfutter. Die Bauhauslosung »Die Funktion bestimmt die Form« ist hier bestimmt nicht erfüllt.

Allgemeine Regeln für den Wandanschluss

Schrankwände dürfen nicht an Raumwände heranreichen. Das sichert Platz, um den Schrank auszurichten sowie schall- und wärmtechnisch vom Gebäude zu entkoppeln. Um Schimmelprobleme zu vermeiden, sollte die Luft in einem mindestens 25 Millimeter breiten Zwischenraum zirkulieren. Außerdem sollten die Mauern verputzt, und Rohre isoliert sein. Der Abstand zum Schornstein muss mindestens 200 Millimeter von der Innenkante des Rauchrohrs oder 75 Millimeter von der Außenkante betragen.

Abschlussarbeit

Anhand der Überlegungen und der Regeln Konstruierten die Meisterschüler in nur drei Stunden einen raumteilenden Aktenschrank mit ästhetischem und leicht herstellbarem Decken-, Boden- und Wandanschluss. Thomas Herres
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