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Das Team ist der Star

Marketing & Betriebsführung
Das Team ist der Star

Die Schreinerei Brammertz in Aachen gehört zu den drei ersten Trägern des Deutschen Handwerkspreises. Basis des Erfolgs ist die Verbindung von hochkarätiger Handwerkstradition mit moderner Führungskultur.

Für Eduard und Alice Brammertz sind Preise nichts Neues. So wurde ihre Schreinerei mit dem Qualitätspreis NRW ausgezeichnet; sie beteiligte sich erfolgreich am MCH-Wettbewerb Personalmanagement und bekam von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz Brief und Siegel „für die Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in Führungs- und Organisationskonzepte“. Dennoch dürfte die Verleihung des Handwerkspreises durch Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement, Liz Mohn von der Bertelsmann Stiftung und ZDH-Präsident Otto Kentzler (dds 4/05, S. 10) noch einmal eine Steigerung bedeuten.

An Anfang dieser Erfolgsgeschichte stand eine Krise. 1975 übernahm der junge Schreinermeister Eduard Brammertz von seinem Vater den Traditionsbetrieb in Aachen-Kornelimünster. Bald drohte ihm das Ganze über den Kopf zu wachsen. Ergebnis: ein Magengeschwür. Wie sollte er weitermachen? Hatte der Vater einen „autoritären Gutsherrenstil“ gepflegt, so fand der Sohn die ihm gemäße Lösung in einem partnerschaftlichen Führungsverhalten, wie es der amerikanische Motivationsexperte Dale Carnegie propagiert. Dazu gehören die Delegation von Verantwortung und ein kooperativer Führungsstil. Die Mitarbeiter übernehmen mehr Eigenverantwortung und werden in Entscheidungen einbezogen. Solches Denken bestimmte fortan das Handeln des jungen Unternehmers, der in seiner Frau Alice die kongeniale, gleichgesinnte Partnerin fand.
Die Brammertzschen Führungsgrundsätze sind keine Lippenbekenntnisse: Jeder Mitarbeiter wird morgens mit Handschlag begrüßt. Vom Chef über die 21 Angestellten (darunter fünf Meister) bis zu den Azubis spricht man sich mit dem Vornamen an. Eduard und Alice Brammertz kennen ihre Leute auch persönlich, wissen, wo der Schuh drückt, und haben mehr als einmal bei der Bewältigung privater Probleme geholfen.
Was steckt hinter soviel Menschenfreundlichkeit? Zuerst einmal der Respekt vor dem Anderen. Aber auch ein nüchternes Kalkül: „Was wir im Betrieb verlangen, können nur fähige Mitarbeiter leisten. Und dazu müssen sie sich bei uns wohlfühlen.“ Das setzt Vertrauen voraus – und Anerkennung. „Lob ist das Allerwichtigste!“ – der 54-jährige Eduard Brammertz sagt es mehr als einmal.
À propos Eigenverantwortung: Jeder Mitarbeiter ist an seiner Stellenbeschreibung intensiv beteiligt. Dank gemeinsam entwickelter Stärken-Schwächen-Profile kann er dort eingesetzt werden, wo seine Fähigkeiten am besten zum Tragen kommen. Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind selbstverständlich. Bei den Teamsitzungen ist jeder einmal mit der Gesprächsführung dran. Der Betrieb bietet von Profis betreute Schulungen mit so unternehmerischen Themen wie „Der Misserfolg – Vater des Erfolges“ oder „Konfliktlösung“ an. Themenwochen klären, was sich in Sachen „Lob und Anerkennung“ oder „Sauberkeit und Ordnung“ verbessern lässt. Manchmal steht auch Gruppendynamisches für alle auf dem Programm, etwa der Bau eines Floßes samt Fahrt auf einem reißenden Fluss in Belgien. Das Ergebnis: „Oft denken meine Mitarbeiter noch verantwortlicher als ich“, sagt Eduard Brammertz. Was will man mehr …
Zwei Jahre lang in Rom saniert
Gearbeitet wird auch, und das auf höchstem Niveau: Die Schreinerei Brammertz GmbH (www.brammertz-schreinerei.de) gehört zu den Topadressen im Denkmalschutz. 2002 holte der Chef den Auftrag, die berühmte Villa Massimo im Rom von Grund auf zu sanieren. Binnen zwei Jahren haben seine Mitarbeiter rund 320 Portale, Türen und Fenster stil- und detailgetreu nachgebildet. „So ein Projekt geht nur, wenn man sich voll auf seine Leute verlassen kann“, lobt der Chef.
Erstaunlich, dass Eduard und Alice Brammertz auch noch Zeit für gesellschaftliches Engagement finden. Beide bekleiden öffentliche und berufsständische Ehrenämter. Sie kooperieren mit Studenten, und sie unterstützen ihre Heimatstadt: Kostenlos hat ihr Schreinerbetrieb das wundervolle historische Parkett im Aachener Rathaussaal restauriert.
Nur eins tut Eduard Brammertz Leid: dass ihm seine Aufgaben, vor allem die Aquisition, keine Zeit mehr lassen, selbst handwerklich zu arbeiten. „Das hat mich anfangs sehr frustriert.“ Der Handwerkspreis wird die Frustbewältigung gewiss erleichtern … HWW
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