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»Wir arbeiten wie BMW«

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»Wir arbeiten wie BMW«

Eine richtige Schreinerei durch und durch, aber ohne richtige Werkstatt. Schreinermeister Franz Sauerschnig aus München berichtet im dds-Interview, wie er sein Unternehmen, die Möbelidee GmbH, völlig neu ausgerichtet hat.

Würden Sie Ihren Betrieb als Schreinerei bezeichnen?

Eine typische Schreinerei, die alles selber macht, sind wir nicht mehr. Das ist seit fünf Jahren vorbei. Die Maschinen und der Werkstattraum sind inzwischen zu teuer. Abgesehen davon, dass wir die Schränke und Inneneinrichtungen nicht selbst herstellen, arbeiten wir ansonsten wie eine normale Schreinerei. Wir planen, konstruieren, kalkulieren und erstellen die komplette Arbeitsvorbereitung, vergeben dann aber die eigentliche Fertigung an verschiedene Partnerfirmen, fügen jedoch alles in unsrer eigenen Werkstatt zusammen und montieren es beim Kunden. Wir arbeiten wie der Autohersteller BMW, der sich das Gros der Fahrzeugteile just in time zuliefern lässt.
Beschreiben Sie Ihren Betrieb?
Wir sind auf den individuellen Innenausbau spezialisiert und unterhalten eine 400 m2 große Ausstellung in München Feldmoching. Unsere besondere Stärke ist die Stauraumnutzung bis in den letzten Winkel, zum Beispiel unter der Treppe oder der Dachschräge. Zwei Innenarchitekten und ich kümmern sich um den Verkauf und planen die Inneneinrichtungen. Außerdem arbeiten hier zwei Arbeitsvorbereiter, davon ein Ingenieur für Holztechnik. Sie koordinieren und verteilen die Arbeit auf die Zulieferer und die eigenen Schreiner. Von der 1976 gegründeten, 400 m2 großen Werkstatt, die in Spitzenzeiten bis zu zwölf Schreiner beschäftigte, sind 200 Quadratmeter übrig geblieben, den Rest habe ich der Ausstellung zugeschlagen. In der Werkstatt arbeiten jetzt vier Schreinergesellen. Sie kommissionieren die Kundenaufträge, schleifen die Korpuskanten nach, kontrollieren alles, fahren mit dem Lieferwagen zum Kunden und bauen die Möbel und Einrichtungen auf.
Wie funktioniert das Geschäft mit Ihren Partnerunternehmen?
Wir haben zahlreiche Lieferanten, z. B. für Glas, Stein, Arbeitsplatten oder Küchen. Hauptzulieferer sind jedoch zwei Firmen in der Umgebung, der Korpus- und Plattenverarbeitungsspezialist M-Drei in Unterföhring und eine auf Handarbeiten und Oberflächenbehandlung spezialisierte Vier-Mann-Schreinerei. Die Geschäftsbeziehungen sind sehr partnerschaftlich und von gegenseitigen Vertrauen geprägt. Wir lasten den Handarbeitsbetrieb weit mehr als zur Hälfte aus. Er fertigt zu den von uns kalkulierten und vorgegebenen Preisen und kann sich im Gegenzug darauf verlassen, dass wir versuchen, ihn auszulasten. Ich biete ihm faire Preise, immerhin bin ich ja auch an einer langjährigen erfolgreichen Partnerschaft interessiert. Wir besprechen jeden erledigten Auftrag, sodass sich etwaige Kalkulationsfehler aufdecken.
Wie gestaltet sich die Beziehung zu Ihrem Korpusspezialisten.
Auch bei Firma M-Drei gelten wir als einer der größten Kunden. Der Plattenspezialist stellt uns seine Möbelkonstruktionssoftware zur Verfügung. Damit können wir einfache Möbel konstruieren und erfahren per Mausklick den Preis. Bei komplizierteren Konstruktionen liefern wir konventionelle Skizzen. Insgesamt läuft das Geschäft recht unkompliziert. Wir planen und ordern mit der Software, lassen uns bei komplizierten Konstruktionen unterstützen und werden von unserem Zulieferer ein paar Tage später beliefert, wenn es brennt in ein paar Stunden.
Nutzen Sie diese oder eine andere Software für das Verkaufsgespräch?
Wir planen noch manuell. Das war immer so und wir bleiben auch dabei. Der Kunde möchte ja etwas ganz Individuelles, das passt überhaupt nicht zu so einem Programm, das nicht nur extrem teuer ist, sondern auch beherrscht werden will. Bei der Planung stellen wir uns ganz auf den Kunden ein und erstellen in der Regel einen Grund- und einen Schrägriss. Anhand dieser Unterlagen können unsere Arbeitsvorbereiter dann mit der M-Drei-Software konstruieren und die Fertigungsunterlagen für die anderen Zulieferer erstellen.
Hat sich die Trennung von der eigenen Fertigung gelohnt?
Ja absolut! Obwohl ich mit Leib und Seele Schreiner bin, bin ich jetzt wirtschaftlich erfolgreicher, plane, konstruiere und fertige besser als ich es in der eigenen Werkstatt könnte und habe keinen millionenschweren Maschinenpark auszulasten.
Das Interview führte dds-Redakteur Georg Molinski
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