dds im Detail: Innenausbau mit Werkzeichnung

Living with the Box

Einbaumöbel gliedern als raumhohe Boxen den offenen Grundriss dieses in der Kubatur bewusst einfach gezeichneten Hauses ohne Zimmer und Wände. Die Werkzeichnung zeigt Durchgängigkeit im Detail.

Zwischen den eingestellten Raumkuben und den Außenwänden entfaltet sich im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss dieses Hauses für eine Familie mit zwei Kindern der Wohnraum. Eine durchgehende Treppe verbindet als Raumskulptur die Ebenen mit dem offenen Dachgeschoss. Wände und Zimmer im klassischen Sinne gibt es auf allen drei Etagen nicht: Selbst die beiden Kinderzimmer im ersten Stock sind durch einen vorgelagerten Balkon als eingestellt Box begreifbar. Insbesondere im Erdgeschoss entstehen durch den offenen Grundriss Blickbeziehungen von der Vorderseite bis in den Garten. Raumbildend sind gerade die entstehenden Zwischenräume: zwischen aus MDF-Scheiben gebildeten Treppengeländern, zwischen eingestellten Boxen und der umlaufenden Außenwand. Die Idee, ein nach außen hin einfach wirkendes Haus zu entwerfen und auf Wände und Zimmer zu verzichten, lässt die schlichte Kubatur des Hauses auch von innen als Hülle erlebbar werden. Es entsteht ein Baukörper, wie Kinder Häuser zeichnen und die Innenraumkonzeption durch das Setzen von Kuben in unterschiedlichen Oberflächen als Körper im Raum. Wie praktisch dieser künstlerische Ansatz letztlich ist, wird schnell offenbar: Die Boxen nehmen Funktionsbereiche wie Toilette, Bäder und Ankleide auf und sind als Stauraum optimiert – Wände bleiben frei für Kunst oder dürfen einfach nur Wände sein.

Die Schreinerei Furch aus Stuttgart-Möhringen hat den Antritt der Treppe aus Tannenholz realisiert, die Treppengeländer aus lackierter MDF, alle Räume im Raum, die Küche, Badmöbel und eine interessante Schiebetür, die wir im ausklappbaren Detailbogen zeigen – darüber hinaus Innentüren mit Zargen von Eber Designtüren oder, als Pendeltür ausgeführt, mit ästhetischen Zapfenbändern von Fritsjurgens.
Trennen, aber nicht abschotten
Die Pendeltüren haben konstruktionsbedingt Luft zu den Seiten, an Boden und Decke minimiert durch die modifizierte Einbauweise der Bänder: Die Schreiner haben den Beschlag tiefer als vorgesehen eingelassen – ein präziser Rohbau macht das möglich. Die Türen verbinden die eingestellten Boxen und schaffen auf diese Weise temporäre Rückzugsbereiche – ohne dass abgeschottete Räume entstehen. So verschwindet die Schiebetür zum Elternbad im ersten Obergeschoss flächenbündig in der Wand der Ankleidebox, was die architektonische Selbstständigkeit der Box bewahrt. Auch hier verdeutlichen Schnitte im ausklappbaren Innenteil des Beitrags die besondere Konstruktion: Die Führung der Schiebetür ist außerhalb der Box nicht sichtbar. Möglich macht das ein modifizierter Astec-Beschlag, der das Türblatt ausschließlich an der Decke der Ankleide führt.
Die Architekten Farnaz Zia-Azari und Josef Lenz bezeichnen das Haus als »gestapelten Loft«: Durch frei platzierte Kuben und die umlaufende Außenwand bleiben die drei Etagen jeweils als Ganzheit erfahrbar. Der offene Treppenraum schafft eine Verbindung.

Steckbrief

Architektur: Lenz Architekten, 70197 Stuttgart, www.lenz-architekten.de
Innenausbau: Furch Gestaltung + Produktion GmbH70567 Stuttgart, www.furch.tv
Schnittzeichnungen für dds:Planungsbüro Fink, 71679 Asperg, carlfink@gmx.de

dds-Redakteur Johannes Niestrath war mit Zeichner Carl Fink und Fotograf Tom Oettle (Details Ausklappbogen) im Objekt. Erstaunlich, wie sich ein Haus ohne Wände und Zimmer allein durch Einbaumöbel gliedern lässt!