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Bauelemente
Planen, beraten, hinweisen

Alte Fenster raus, neue Fenster rein – Auftrag erledigt? Nicht immer. Wenn Feuchte- oder Schimmelprobleme auftreten, geht der Ärger erst richtig los. Worauf sollten Handwerker deshalb im Vorfeld achten?

Heinz Nilges, Henkel Teroson Anwendungstechnik, Düsseldorf

Bei hoch dämmenden Fenstern mit U-Werten um 0,8 W/m2K ist die Temperatur der Fensteroberfläche und der Raumluft nahezu gleich. Aus energetischer Sicht ist das ideal – speziell in der Gebäudesanierung ergibt sich hieraus allerdings ein Problem. Die Kondensationslinie des Wasserdampfes verlagert sich nämlich in den anfälligsten Bereich des komplexen Systemes »Fenster«: in die Leibung bzw. das Mauerwerk. Besonders kritisch ist die Zone von der 10°C- bis zur 13°C-Temperaturlinie. Denn exakt in diesem Bereich kondensiert die in der Luft bis dahin gebundene Feuchtigkeit aus. Bei einer freiliegenden 13-°C-Isotherme bildet sich bei längerem Anstehen der Feuchtigkeit unweigerlich Schimmel.
Feuchtegefahr abschätzen
Relativ unproblematisch sind wärmegedämmte Fassaden. Dank der Isolierung wandert die 10°C- und die 13-°C-Isotherme in die Dämmebene, d.h. die Temperatur der Innenwandoberflächen liegt deutlich über dem kritischen Bereich.
Bei ungedämmten Gebäuden verhält es sich naturgemäß anders. So zieht sich die 10-°C-und 13-°C-Isotherme vom Fenster kommend irgendwo durch das Mauerwerk. Bereits bei einem Ug-Wert von 1,2 W/m2K, übertrifft die Dämmqualität der Scheibe in der Regel die des Rahmens. Damit wird der Übergang Rahmen–Mauerwerk zum kondensatanfälligsten Bereich.
Wo die einzelnen Temperaturlinien und vor allem wo die Kondensationsschicht entlangläuft, kann auf der Baustelle nur schwer ergründet werden. Zuverlässig Aufschluss geben letztlich ausschließlich Isothermenberechnungen. Doch die kosten Geld und fallen eigentlich in den Aufgabenbereich des Architekten oder Fachplaners, der bei privaten Sanierungen in der Regel gar nicht beteiligt ist. Hier übernimmt der Handwerker stillschweigend die Planungsverantwortung, mit allen Konsequenzen. Es kann nur geraten werden, im Vorfeld eindeutige vertragliche Vereinbarungen zu treffen und als Auftragnehmer der Hinweispflicht nachzukommen.
Eine grobe Abschätzung der Feuchteproblematik beim Fenstertausch kann man mit Hilfe des Ibat-Wärmebrückenkataloges (siehe Kasten) vornehmen. Hier sind auch die grundsätzlichen Zusammenhänge sehr anschaulich beschrieben.
Isothermenverlauf beachten
Wirksame Kondensationsprophylaxe lässt sich über zwei Parameter erreichen: Eine entsprechende Dämmung ist der eine, die Position des Fensters in der Leibung der andere Parameter, den Schreiner, Tischler oder Fensterbauer beeinflussen können.
Vor allem bei einschaligen, monolithischen Mauerwerken sind die Fenster üblicherweise in der Mitte der Leibung montiert. Idealerweise sollte auch hier die 10-°C-und 13-°C-Isotherme entlanglaufen. Vor allem beim Fensteraustausch im ungedämmten Bestand sollte man sich an folgender Grundregel orientieren: Das neue Fenster sollte so weit wie möglich in den Bereich der 10-°C versetzt eingebaut werden. Dann knicken die Isothermenverläufe am wenigsten ungünstig ab.
Bei ungedämmten mehrschichtigen Mauerwerken ist die Betrachtung schon komplexer. Zumal die Einbausituation häufig durch innen oder außen liegende Anschläge die Position des neuen Fensters fest vorgibt.
Dass man beim reinen Austausch »neu und dicht« gegen »alt und energiedurchlässig« fast automatisch bauphysikalische Mängel mit in das Gesamtsystem Fenster einbaut, ist vielen gar nicht bewusst.
Um das Schlimmste zu verhindern, ist der Grundsatz »innen dampfdichter als außen« unbedingt einzuhalten. (Drei-Ebenenmodell: Innen luftdicht, außen schlagregendicht, dazwischen Wärme-/Schallschutz). Auf diese Weise kann der komplexe Verbund getreu dem Prinzip von moderner Sportkleidung Feuchtigkeit von innen nach außen abgeben. Feuchtigkeit von außen indes wird direkt vor dem Eindringen gestoppt.
Je besser die wärmedämmende Wirkung eines Fensters ist, umso höher muss auch die dampfdiffusionsbremsende Barrierekraft der Innenleibung sein. Als vorteilhaft hat sich erwiesen, mit einer dampfdiffusionsdichten Folie weit ins Innere der Leibung hinein abzudichten.
Welches Material wofür?
Foliensysteme sind ideal für eine dampfdichte innere Fensterfuge. Im Idealfall wird der gesamte Anschlussbereich der Leibung mit einer Breite von 100 mm abgedichtet. Damit wird die kalte Fläche, in der sich Feuchtigkeit absetzen kann, komplett überdeckt. Darüber was »dicht« heißt, kann man übrigens geteilter Meinung sein. Manche Definitionen bezeichnen Materialien als dicht, deren Wasserdampfwiderstand (= sd-Wert) größer 100 m ist, andere reden sogar von über 1000 m. Dabei gilt: Eine 36 cm starke Betonwand hat bereits einen sd-Wert von etwa 20 m. Bei Teroson gehen wir deshalb schon von Diffusionsdichtheit aus, wenn der sd-Wert über 25 m beträgt.
Neben dem sd-Wert sollte bei der Wahl der geeigneten Folie zudem unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die Folie gut überputzen lässt und ganzjährig zu verarbeiten ist.
Schäume. PU-Schäume dienen ausschließlich dem Wärme- und Schallschutz, nicht aber der Befestigung. Außerdem machen Schäume auch nicht wind- bzw. luftdicht und sie verfügen vor allem auch nicht über dampfdiffusionsdämmende Eigenschaften. Qualitativ hochwertige Schäume bilden ausgesprochen feine Strukturen aus. Je kleiner die Luftblasen, umso höher ist die Dämmkraft des Materials.
Kompribänder sind vereinfacht gesagt stets dampfdiffusionsoffen – verglichen mit dem Mauerwerk. Damit sind sie primär für die äußere Anschlussfuge geeignet. Bänder, die auf der einen Seite diffusionsoffen und auf der anderen diffusionsdicht sind, sollten eher kritisch betrachtet werden. Letztlich sind die Unterschiede mit Varianzen im sd-Wert von 0,1 viel zu gering, als dass sich dampfdiffusionstechnische Fragen am Bau zuverlässig lösen ließen.
Spritzbare Dichtstoffe bilden die äußere Haut des Fensters und schließen den gesamten Systemaufbau nach außen hin schlagregendicht ab. Silikon hat einen sd-Wert von 20 m, Acryldichtstoff von 38 bis 40 m. Auch beim Einsatz von spritzbaren Dichtstoffen ist das Prinzip »innen dichter als außen« zu beachten.
»Mit dem reinen Fenstertausch handelt sich der Nutzer fast automatisch bauphysikalische Mängel ein.« Heinz Nilges, Henkel-Teroson

Service Ibat-Wärmebrückenkatalog

Ein gutes Hilfsmittel, um die Feuchtegefahr beim Fenstertausch abzuschätzen, ist der Wärmebrückenkatalog des Ibat-Instituts. Er erläutert sehr anschaulich die bauphysikalischen Zusammenhänge. Bestellung:
Ibat Instituts-Gesellschaft für Betriebs- und Arbeitstechnik des Tischlerhandwerks mbH, 30625 Hannover Tel.: (0511) 2627575, Fax: 62707513
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