Startseite » Technik » Bauelemente »

Hält Deine Wand?

Bauelemente
Hält Deine Wand?

Ob Holz, Glas oder Gips – auch für nichttragende innere Trennwände gibt es genormte Anforderungen und sind Nachweise zu führen. Prof. Benno Eierle aus Rosenheim stellt die wesentlichen Unterschiede in der Neufassung gegenüber dem bisherigen Stand dar.

Die DIN 4103-1 „Nichttragende innere Trennwände – Teil 1: Anforderungen und Nachweise“ ist eine der grundlegenden Normen des Ausbaus. Sie gilt prinzipiell für alle Bauarten und Baustoffe, d. h. für Mauerwerkswände ebenso wie für Trockenbaukonstruktionen oder Systemtrennwände aus Glas oder Holz. Die bisherige Fassung aus dem Jahr 1984 hatte mit über 30 Jahren eine erstaunlich lange Haltbarkeit. Durch Veränderungen der umgebenden Normenlandschaft an vielen Stellen, z. B. durch die Einführung der Eurocodes, war nunmehr eine Anpassung der DIN 4103-1 erforderlich. Der Beitrag stellt die wesentlichen Unterschiede in der Neufassung gegenüber dem bisherigen Stand dar.

Anwendungsbereich. Die Norm legt statische und konstruktive Anforderungen an nichttragende innere Trennwände aller Bauarten und Baustoffe fest. Weitere Anforderungen z. B. aus Bauphysik oder Brandschutz sind nicht enthalten, da diese in Fachnormen geregelt sind.
Biegegrenztragfähigkeit. Für die überwiegende Anzahl der Trennwände, die keine Funktion als Absturzsicherung erfüllen, gelten weiterhin die horizontalen Streckenlasten in den bekannten Einbaubereichen 1 (0,5 kN/m, geringe Menschenansammlung) und 2 (1,0 kN/m, große Menschenansammlung). Sowohl bei der Berechnung wie auch im Versuch ist beim Nachweis der Biegegrenztragfähigkeit ein Lastsicherheitsfaktor von 1,5 zu berücksichtigen.
Sicherheit gegen Abstürze
Dass Wände mit einer absturzsichernden Funktion in den Geltungsbereich der Eurocodes fallen, ergab sich seit 2012 aus der Liste der technischen Baubestimmungen. Daher wurde die bisher in DIN 4103-1 enthaltene Anforderung für absturzsichernde Wände gestrichen und durch den Verweis auf den nationalen Anhang zu Eurocode 1-1-1 ersetzt.
Weicher Stoß. Unabhängig von der Funktion als Absturzsicherung besteht immer die Anforderung, dass die Trennwand einem weichen Stoß, der den unabsichtlichen Anprall eines Menschen gegen die Wand abbildet, widersteht.
Neben den bereits früher enthaltenen Nachweismethoden des Pendelschlagversuchs (jetzt als Nachweisverfahren A bezeichnet) und der statischen Ersatzlast (Verfahren B), ist nun ein neuer Stoßversuch in Anlehnung an ETAG 003 (Verfahren C) hinzugekommen. Der Ersteller des Nachweises hat also zukünftig die Wahl zwischen drei Verfahren, die jeweils ein ausreichendes Sicherheitsniveau sicherstellen.
Einen Sonderfall stellen Glastrennwände mit einer Anforderung an die Absturzsicherung oder an den Brandschutz dar. Diese Wände sind mit dem Verfahren der Zwillingsreifen zu testen.
Hält die Wand den Schrank?
Mit Ausnahme von Glaswänden muss jede Trennwand in der Lage sein, an jeder Stelle der Wand Konsollasten aus hängenden Objekten aufzunehmen. Die Anforderung nach DIN 4103-1 ist jedoch eher als Einschränkung denn als Möglichkeit zu verstehen: Ohne Zusatzmaßnahmen sind nämlich nur 40 kg je Meter Wand bei einem maximalen Hebelarm der Last von 30 cm (= Abstand der Last von der Wandoberfläche) zulässig. Dabei muss der vertikale Abstand der Befestigungspunkte (entspricht beim Hängeschrank etwa der Schrankhöhe) mindestens ebenfalls 30 cm sein. Diese Festlegung hat weniger mit der Standsicherheit der gesamten Wand, sondern mehr mit der lokalen Tragfähigkeit an der Stelle der Lasteinleitung zu tun.
Beispiel: Bei einem Hängeschrank mit 60 cm Breite führt die oben genannte Konsollast auf ein Maximalgewicht (inkl. Nutzlast!) von 0,6 m x 40 kg/m = 24 kg. Wenn man davon das Korpusgewicht abzieht, bleibt für die Nutzlast nicht mehr viel übrig. Für Trockenbauwände sieht die DIN 18183-1 noch eine zweite Laststufe vor, wenn die Beplankung mindestens 18 mm dick ist. Die oben abgebildete Grafik zeigt ein Diagramm, welches den Hebelarm der Last (entspricht der halben Schranktiefe) als Variable enthält.
Liegt man oberhalb der eingezeichneten Linien, d. h. bei größeren Lasten oder Hebelarmen, sind Zusatzmaßnahmen notwendig, in der Regel Verstärkungen der Unterkonstruktion. Typische Beispiele sind Sanitärobjekte, aber auch schwere Hängeschränke. In Sonderfällen ist auch die Statik der ganzen Wand zu überprüfen.
Sonstige Lasten. Unverändert blieben die Regelungen hinsichtlich des harten Stoßes und des Nachweises für die Beplankung bei Ständerwänden. Ohne dass die DIN 4103-1 dies eigens erwähnt, sind für Türen in der Regel verstärkte Pfosten notwendig, deren Dimensionierung abhängig von Türblattgewicht, Türblattbreite und Wandhöhe ist.
Es geht um die Standsicherheit
Wie bisher definiert die neue DIN 4103-1 keine Anforderung an die Gebrauchstauglichkeit, also an die zulässige Durchbiegung oder an das Schwingungsverhalten. Alle Nachweise beziehen sich auf die Standsicherheit. Diese vermeintliche Regelungslücke entbindet den Konstrukteur jedoch nicht davon, sich in jedem Einzelfall über die Verformungen Gedanken zu machen, und zwar abhängig von der Nutzung und den sonstigen Randbedingungen. Nicht jede standsichere Wand ist automatisch auch gebrauchstauglich.
Im Bereich des Trockenbaus enthalten z. B. DIN 18183-1 und das Merkblatt 8 der Gipsindustrie Hinweise zur zulässigen Durchbiegung. Bei Glaskonstruktionen sind die Verformungen der Unterkonstruktion durch die DIN 18008-2 oder durch Vorgaben der Glashersteller begrenzt.
Unterkonstruktion in Holzbauart
Die Spezialnorm DIN 4103-4 für „Nichttragende innere Trennwände – Unterkonstruktion in Holzbauart“ aus dem Jahr 1988 gilt weiterhin. Da sich die Anforderungen an die Trennwände durch die Überarbeitung des Teil 1 der DIN 4103 nicht wesentlich verändert haben, kann davon ausgegangen werden, dass die angegebenen Mindestquerschnitte für Holzkonstruktionen weiterhin ausreichen. Allerdings sind die Verweise auf andere Normen oder einige inhaltliche Details nach über 30 Jahren veraltet und sinngemäß durch die aktuell anerkannten Regeln der Technik zu ersetzen.
Im Fall absturzsichernder Trennwände in Wohngebäuden können die Holzquerschnitte für den Einbaubereich 2 der DIN 4103-4 herangezogen werden. Für absturzsichernde Trennwände in Büro- oder öffentlichen Gebäuden wird empfohlen, einen statischen Nachweis nach dem aktuellem Stand der Holzbaunormung anfertigen zu lassen.
Fazit
Bestehende Nachweise und Prüfzeugnisse für Trennwände behalten in den meisten Fällen auch im Rahmen der neuen DIN 4103-1 ihre Gültigkeit. Nur für absturzsichernde Wände kann eine Überprüfung notwendig sein.

Ach SO!

Statik bei Trennwänden aus Holz?
Konkrete Konstruktionsvorgaben für Holzwände sind übrigens in der DIN 4103-4 enthalten. Damit erfüllt man die statischen Anforderungen automatisch.

 Prof. Dr. Benno Eierle, Professor für Statik, Festigkeitslehre sowie Grundlagen des Holzbaus an der Hochschule Rosenheim, Fakultät für Holztechnik und Bau, Studiengang Innenausbau.

Der Autor: Prof. Dr. Benno Eierle, Professor für Statik, Festigkeitslehre sowie Grundlagen des Holzbaus an der Hochschule Rosenheim, Fakultät für Holztechnik und Bau, Studiengang Innenausbau.
Aktuelles Heft
Titelbild dds - das magazin für möbel und ausbau 7
Aktuelle Ausgabe
07/2022
EINZELHEFT
ABO
dds-Zulieferforum
Neuheiten 2022
Tischlerhandwerk in Zahlen

Zahl der Betriebe im Tischlerhandwerk

dds auf Facebook


dds auf YouTube

Im dds-Channel auf YouTube finden Sie:
– Videos zu Beiträgen aus dds
– Kollegen stellen sich vor
– Praxistipps-Videos
– Maschinen & Werkzeuge

Abonnieren Sie dds auf YouTube »

[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]