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Achtung Innendämmung!

Bauelemente
Achtung Innendämmung!

Werden neue, hochwertige Fenster in Gebäude mit Innendämmung eingebaut, ist besondere Vorsicht geboten. Um Schäden zu vermeiden, müssen die Anschlüsse sorgfältig geplant und ausgeführt werden.

Wann immer es vertretbar ist und keine wichtigen Gründe dagegen sprechen, sollte bei einem Altbau die Wärmedämmung auf der Außenseite der Außenwand aufgebracht werden. Es gibt jedoch Fälle, z. B. bei historisch oder kulturell bedeutsamen Gebäuden, in denen dies nicht möglich ist. In diesen Fällen ist die Innendämmung immer noch besser als gar keine Dämmung – allerdings nur bei sorgfältiger Planung und Ausführung. Folgende Fragen sind zu prüfen:

  • Gibt es aufsteigende Feuchte? Falls ja, dann muss dies abgestellt werden.
  • Ist die zu dämmende Fassade der Schlagregenbeanspruchungsgruppe III zuzuordnen? Falls ja, so geht nichts ohne wasserabweisende Fassade.
Zwingend erforderlich ist ein luftdichter Aufbau der Innendämmkonstruktion: Konvektiver Feuchteeintrag aus der Raumluft muss verhindert werden. Wärmebrücken an allen Anschlusspunkten der Innendämmung sind so weit wie möglich zu reduzieren.
Die Innendämmung birgt die Gefahr, Wärmebrücken der »schädlichen« Art (solche mit stark reduzierten inneren Oberflächentemperaturen) zu verstärken. Ein Kriterium für Innendämmung ist daher: Die Konstruktion muss so geplant werden, dass Temperaturabsenkungen an allen Anschlusspunkten (auch mit Möbeln) auf minimal 12,5 °C begrenzt bleiben. Das bedeutet für …
  • Geschossdecken (Betondecken): Oben ist der Anschluss an die normale (25 mm) Trittschalldämmung ausreichend. Auf der Deckenunterseite wird ein Dämmkeil benötigt.
  • einmündende Innenwände: An Innenwänden endende Innendämmungen führen dort meist zu niedrigen Temperaturen; wird an dieser Stelle noch ein Möbel platziert, sind Schäden nicht auszuschließen. Es gibt mehrere praktikable Alternativen: Begleitdämmungen, Dämmkeile, Dämmzierleisten und Temperaturleitbleche.
  • Fensterlaibungen: Bei Innendämmung ist eine Begleitdämmung bis an den Fensterrahmen in einer Stärke von mindestens 20 mm unverzichtbar.
Die Fensteranschlüsse
Beim Einbau eines ungedämmten Fensterrahmens in ein nicht gedämmtes Mauerwerk sinken die Oberflächentemperaturen vor allem im Brüstungsbereich auf unter 6 °C ab, so dass Schimmelbefall unvermeidlich ist. Erst ein gedämmter Fensterrahmen, wie er für Passivhäuser Verwendung findet, hebt die Temperaturen auf ein akzeptables Maß an. Wird das Mauerwerk zwar innen gedämmt, aber die Dämmebene der Wand nicht an das Fenster angeschlossen, so ändert sich an den unzureichenden Verhältnissen nichts. Abb. 1 zeigt die besonderen thermischen Problemzonen, die heute übliche, nicht gedämmte Standardfenster beim Einbau in Mauerwerk haben; im Beispiel ist ein IV 68-Holzfenster dargestellt.
Doch selbst mit einer Laibungsdämmung (Abb. 2), ergeben sich bei einem nicht gedämmten Fensterrahmen noch Innenoberflächentemperaturen, die unter 10 °C liegen und deshalb ein hohes Bauschadensrisiko bergen. Gerade bei der Innendämmung müssen die Dämmebenen von Wand und Fenster konsequent aneinander angeschlossen werden. Abb. 3 zeigt ein gedämmtes Kunststoff-Profil, das an derselben Stelle im Mauerwerk platziert wurde wie vorher das alte Fenster (vgl. Abb. 1). Das heißt, nach außen wird das Profil in Laibung und Sturz gegen den alten Anschlag gesetzt. Auf der Fensterbank sitzt es obenauf wie vorher auch, um die Wasserführung zu gewährleisten. Rund um die Fensterlaibung wurde jedoch nach innen eine entscheidende Änderung vorgenommen: In Laibung, Sturz und an der Fensterbank wurde der Putz bzw. das Mauerwerk in einer Stärke von 20 mm (+x mm für Kleber) abgeklopft, damit dort anschließend eine Dämmschicht von 20 mm Platz findet.
Diese Dämmschicht muss so weit unter das Rahmenprofil reichen, dass die Laibungsdämmung ohne Unterbrechung an die Dämmung des Rahmens (im Bild hellblau) reicht. So bleiben die Temperaturen gerade noch akzeptabel. Würde die Dämmung auf 40 mm erhöht, ließen sich auch die Wärmebrückenverluste signifikant reduzieren.
Es reicht definitiv nicht aus, die Dämmung schon an der Innenkante des Rahmens enden zu lassen, wie es in Abb. 4 dargestellt ist. Die Temperaturen an den Innenoberflächen liegen dort mit weniger als 10 °C deutlich unter dem kritischen Wert, egal ob die Laibungsdämmung 20 oder 40 mm stark ist.
Wird ein Fensterprofil mit gedämmter Einbaukonsole verwendet, wie in Abb. 5 dargestellt, so kann es evtl. möglich sein, die Laibungsdämmung weniger weit nach außen zu ziehen. Dies sollte jedoch in jedem Einzelfall durch eine detaillierte Wärmebrückenberechnung geprüft werden. Nur so können die tatsächlich zu erwartenden Temperaturen an den Innenoberflächen zuverlässig bestimmt werden.
Bei Laibungen ohne Innenanschlag sollten Fenster so weit wie möglich nach innen (Dämmebene!) gesetzt werden.
Dr. Wolfgang Feist,
Dr. Berthold Kaufmann

Die Autoren
Dr. Berthold Kaufmann und Dr. Wolfgang Feist beschäftigen sich am Passivhaus-Institut Darmstadt mit energieeffizientem Bauen. Dort ist auch der Protokollband 32 »Passivhauskomponenten und Innendämmung« erschienen. Infos: www.passiv.de
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