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Einbauschrank mit Tücken

Marketing & Betriebsführung
Einbauschrank mit Tücken

Die schnelle und variable Konstruktion von Standardschränken beherrschen viele Schreiner-CAD-Programme. Wie es sich jedoch bei individuellen Möbeln verhält, soll anhand der folgenden „Wie gehts?“-Aufgabe gezeigt werden.

Eine Schrank-Regal-Kombination soll exakt in eine vorgegebene Raumsituation (Kniestockhöhe, Dachneigung) eingepasst werden. Wir haben verschiedene CAD-Anbieter gebeten, zu beschreiben, wie dieses Möbel mit ihrem Programm konstruiert wird. Die Ergebnisse stellen wir in diesem und dem nächsten Heft (dds 11/04) vor.

Durch die zweite Frontseite (die seitlichen Regalfächer) unterscheidet sich das zu konstruierende Möbel von üblichen Standardschränken und kann deshalb nicht einfach aus einer zum Programm mitgelieferten Bibliothek entnommen werden. Die meisten Anbieter haben sich um das Problem der „zwei Fronten“ geschickt herumgemogelt: es wurden einfach zwei separate, um 90° verdrehte Schränke konstruiert. Da dies bei der gegebenen Aufgabenstellung ein pragmatischer Ansatz ist, haben wir diese Vorgehensweise akzeptiert. Der Fairness halber muss jedoch erwähnt werden, dass eine Konstruktion als Möbel „am Stück“ mit diesen Programmen einen nicht unerheblichen Mehraufwand nach sich ziehen würde. .Jürgen Roth

VectorWorks Innenausbau
VectorWorks verwendet eine „Zwei- Schrank-Lösung“ und nutzt die Möglichkeit, den Umriss von Korpusmöbeln aus einem zuvor gezeichneten Polygon abzuleiten. Dazu wird zunächst nach den Vorgaben der Skizze eine 2-D-Zeichnung der Raumsituation erstellt. Mit Hilfe dieser Linien und den Fangfunktionen von VectorWorks stellt nun die Konstruktion des Umriss-Polygons mit 500 mm Breite kein Problem mehr dar. Nun wird die Funktion Korpusmöbel aus Polygon aufgerufen, woraufhin sich die Dialogbox Seiten zuweisen öffnet. Für den Schrank mit den zwei Türen ist hier das Polygon als Ansicht des Möbels von rechts auszuwählen. Nach der Bestätigung folgt der Dialog Korpusmöbel erzeugen, in dem die dritte Dimension (in diesem Fall die Breite von 1000 mm) eingetragen und die Option Außenmaß aktiviert wird.
Nun sind noch die Angaben zum Sockel (aufschlagend, Rücksprung oben), zur Aufteilung (zwei Segmente senkrecht, zwei Segmente waagerecht) und gegebenenfalls zu weiteren Details der Ausführung zu machen. Erzeugen schließt die Eingabe der Parameter ab, und das fertige Möbel kann in der Zeichnung platziert werden.
Auf dieselbe Weise wird nun noch das Regal erzeugt. Das Polygon ist diesmal jedoch die Ansicht von vorne, aufgeteilt wird in drei waagerechte Segmente, und der Sockel soll ohne Rücksprung ausgeführt sowie auf Gehrung verbunden sein. www.extragroup.de

PaletteCAD
Um die Raumsituation der Aufgabe nachzubilden, wird in Palette als erstes eine Wand mit der vorgegebenen Raumhöhe als 3-D-Element gezeichnet. Nach dem Aktivieren der sogenannten Intelligenz der Wand öffnet sich der Eigenschaften-Dialog, in dem der obere Teil der Wand durch Angabe der Kniestockhöhe und des Maßes für den oberen Rücksprung in eine Dachschräge umgewandelt wird (die Dachneigung ermittelt das Programm automatisch).
Der Schrank lässt sich am einfachsten durch entsprechende Anpassungen eines in der Bibliothek vorhandenen Korpus herstellen, z. B. aus dem Objekt Korpus stumpf (befindet sich im Katalog HA_Korpus in der Datei Korpus stumpf). Der Korpus wird zunächst mit einer Tiefe von 500 mm und einer Breite von 1219 mm und beliebiger Höhe an der Wand platziert. Um die Höhe an die Dachschräge anzupassen, muss nun in die Seitenansicht gewechselt werden. Nach Aktivieren der Intelligenz des Schranks kann die erforderliche Höhe direkt aus der Zeichnung abgegriffen werden (Fußpunkt der Frontseite und gedachter Schnittpunkt zwischen Frontseite und Dachschräge). Da der Schrank rechts offen bleiben soll (Regal), muss diese 19 mm starke Korpusseite entfernt werden, wodurch sich dann auch die korrekte Gesamtbreite vom 1200 mm ergibt. Dazu wird die Seite zunächst ausgewählt und anschließend durch Drücken der Entf-Taste gelöscht. Die Auswahl der Seite erfolgt dabei am einfachsten mit der Listenauswahl von PaletteCAD.
Für die folgenden Bearbeitungsschritte bleibt die Listenauswahl geöffnet, da sie den bequemsten Zugriff auf die einzelnen Bestandteile der Konstruktion bietet. Um die jetzt überstehende Rückwand auf die richtige Breite zu bringen, wird sie in der Liste markiert und ihr Eigenschaften-Dialog über die Intelligenz-Schaltfläche geöffnet. Hier ist anstelle der 1219 mm das richtige Maß von 1200 mm einzutragen.
Nun folgt die Innenaufteilung des Schranks. PaletteCAD verwendet hier sogenannte Innenausbau-Platzhalter. Der Korpus besitzt in seinem ursprünglichen Zustand nur einen Platzhalter ohne weitere Untergliederung. Dieser wird markiert und gegen eine Mittelseitenaufteilung aus dem Katalog HA_1Seite ausgetauscht. Es öffnet sich sofort ein Fenster, in dem die Eigenschaften der Aufteilung bearbeitet werden können. Hier wird die Lage der Mittelseite festgelegt, in diesem Fall durch die Eingabe von 200 mm als lichten Abstand nach links.
Nach Bestätigung der Eingabe erscheint in der Listenauswahl die neue Mittelseitenaufteilung, die sich aus der Mittelseite selbst sowie zwei Platzhaltern für die Schrankbereiche links und rechts davon zusammensetzt. Diese beiden Platzhalter werden nun jeweils gegen eine Fachbodenaufteilung ausgetauscht (Katalog HA_2Boden). Auch hier öffnet sich sofort nach dem Tausch ein Dialog, in dem über den Schalter Aufteilen die gewünschte Anzahl von Bereichen eingegeben wird, für den geschlossenen Teil des Schranks also zwei und für das Regal vier.
In der Zeichnung sind alle Ausbauplatzhalter in den Bereichen durch ein Fähnchen mit einem „A“ gekennzeichnet. Da für diesen Schrank keine weiteren Aufteilungen (wie z.B. Schubladen) vorgesehen sind, werden diese Platzhalter nicht mehr benötigt. Würde man sie allerdings einfach löschen, so könnte der Schrank anschließend nicht mehr parametrisch bearbeitet werden. Damit sie in der Zeichnung nicht weiter stören, sollen sie nun unsichtbar gemacht werden. Die Funktion Modellwechsel bietet hierfür einen eleganten Weg: Der vorhandene Ausbauplatzhalter normal wird damit einfach gegen den Ausbauplatzhalter unsichtbar aus dem Katalog HA_Basis ausgetauscht.
Die Vorderseite des Schranks besteht momentan noch aus einer durchgehenden transparenten Platte. Um diese zu unterteilen und durch echte Fronten zu ersetzen, wird die „Frontaufteilung“ in der Listenauswahl markiert und deren Intelligenz aktiviert. Zunächst ist die Gesamtbreite auf 1200 mm abzuändern und die gewünschte Fugenbreite einzustellen, wobei rechts keine Fuge erzeugt werden soll. Auf der Karteikarte Aufteilung wird nun die Blende rechts erzeugt. Das erforderliche Maß kann über den Schalter Ausrichtung passend zur vorhandenen Mittelseiteneinteilung gesetzt werden.
Dabei entstehen zwei, in PaletteCAD „Blöcke“ genannte Bereiche. Der linke Block wird in der Vorschauskizze durch Anklicken markiert und in zwei gleich breite Blöcke für die Türen unterteilt. Die Frontaufteilung besteht nun aus drei transparenten Frontplatten, die durch eine linke bzw. rechte Tür und eine Blende aus dem Katalog HA_4bKomplettfront ausgetauscht werden. Die Komplettfronten besitzen Platzhalter für die Griffe, die gegebenenfalls noch zu verschieben sind. Abschließend werden die Platzhalter für die Griffe auf einen Rutsch mit Hilfe der Funktion Modellwechsel durch die gewünschte Ausführung aus dem Katalog HA_8Griffe ersetzt.
Bleibt noch, den Schrank oben so abzuschneiden, das er unter die Dachschräge passt. Dies geschieht in der Ansicht von rechts. Damit der Deckel durch den Schnitt nicht verlorengeht, wird er in dieser Ansicht vorübergehend um mindestens 500 mm nach links verschoben. Es folgen die Auswahl des Korpus als Ganzes und der Aufruf der Schneiden-Funktion. Da die gewünschte Schnittlinie nicht mit der Unterkante der Dachschräge identisch ist, wird sie mit der Option mit Abstand definiert (Abstand 19 mm nach unten, damit Platz für den Deckel bleibt). Nach Abschluss des Schnitts wird der Deckel wieder zurückgeschoben und parallel zur Schräge gedreht. Damit er vorne und hinten bündig abschließt, wird er nun noch so verbreitert, dass er jeweils etwas übersteht, und dann mit zwei senkrechten Schnitten auf das passende Maß gebracht.
Zum Schluss noch ein Hinweis: Objekte, die mit der Funktion Schneiden bearbeitet werden, verlieren ihre Parametrik (in kommenden Versionen von PaletteCAD soll dies nicht mehr der Fall sein). Es sind dann keine bequemen Änderungen über das Aktivieren der Intelligenz mehr möglich. Deshalb sollte Schneiden immer der letzte Bearbeitungsschritt sein. www.palettecad.com
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