Altbaumodernisierung in München

Entkernt und neu belebt

Wohnen in der Stadt ist populärer den je. München liegt hierbei ganz vorn. Wie man gute Wohnqualität auch bei beengter Wohnfläche für fünf Leute zaubert, zeigt ein Modernisierungsbeispiel der Holzrausch GmbH – es liegt innenstadtnah im Viertel Au mitten in München.

Nirgends ist der Wohnraum in Deutschland so gefragt und teuer wie in München. Das bietet Handwerkern mit Planungs- und Ausbaugeschick ein nicht endendes Arbeitsfeld. Die Holzrausch GmbH, mit Planungsbüro und Musterraum in Münchner Citylage vertreten, hat sich darauf eingestellt. Ihre Werkstätten liegen im 30 km entfernten Forstern. Das von den beiden Schreinermeistern Tobias Petri und Sven Petzold gegründete Unternehmen hat sich einen Namen im gehobenen Innenausbau und im Renovierungssektor erarbeitet – inzwischen bundesweit und auch darüber hinaus. Die Basis dazu legten ihre Leidenschaft und ihre Kompetenzen für ausgefallene Küchenlösungen. Doch selten blieb es nur bei einer Küche, denn die korrespondiert doch immer auch mit dem Wohnraum drumherum. Heute beschäftigt Holzrausch über 70 Schreinergesellen, Meister, Innenarchitekten und andere Mitarbeiter, darunter Besessene, Detailverliebte, Ästheten, Experimentierfreudige, Material-Verrückte – und auf dem Boden gebliebene.

Das hier vorgestellte Objekt liegt innenstadtnah im Münchner Stadtviertel Au zwischen Nockherberg und den Isarauen. Eine für das Viertel typische Wohnung, in einem um 1900 erbauten Mehrfamilienhaus, sollte an die Bedürfnisse einer fünfköpfigen Familie angepasst werden. Wichtig war es, eine gerechte Aufteilung für die drei Kinder und das Bauherrenpaar auf den vorhandenen 130 m² Wohnfläche zu finden.

Klar strukturierte Neuordnung

Auch wenn die Bilder auf den ersten Blick anderes vermitteln, war die Entkernung sehr behutsam. Nachdem zuvor einzelne Räume nur über angrenzende Durchgangszimmer erreichbar waren, gelingt nun die Erschließung aller Bereiche über die zentral platzierte Wohnküche, die zugleich Treffpunkt für die Bewohner und ihrer Gäste ist. Entfernt wurde dafür die Wand zwischen Eingangsbereich und ehemaligem Arbeitszimmer. Der weitere Abbruch von Wänden der ehemaligen Abstellkammer schuf einen direkten Zugang in das Wohnzimmer. Das vormalige Esszimmer ist nun Kinderzimmer mit gleichberechtigtem Zuschnitt wie die beiden anderen Zimmer für die Kinder. Im ehemaligen Arbeitszimmer wurde das eichene Fischgrätparkett vorsichtig entnommen und nach Entfernen von Kaminen und Öfen in den anderen Parketträumen Schlafen, Wohnen und Kinder ergänzend eingebaut. Der über 100 Jahre alte Eichenparkett »erzählt« wohltuend knarrend von der Reife des gealterten Gebäudes – etwas, das ein noch so perfekter Fertigparkett nie erreichen wird. Schallentkoppelt liegt in der Küche ein neuer Bodenaufbau in »CemFlow«, einem für die Altbausanierung entwickelten Fließestrich mit Weißanteil. Er nimmt mit der Zeit Patina an und bietet einen Kontrast zum Parkett.

Trockenbau für schwere Lasten

Der Einsatz von »echten« Materialien, wie die Wasch- und Spültische vom Steinmetz aus Vollmaterial gehauen und bis 300 kg schwer, verlangten durchdachte Wandkonstruktionen mit IPE-Stahlträgern, die die Lasten aufnehmen. Sie sind Teil der neuen Wände zwischen Bädern und Bad/Küche.

Wenn Kunden das Besondere würdigen und bereit sind, für diese Haltung auch mehr zu investieren, ist das Holzrausch-Team in seinem Element. So brachten die Bauherren aus Marrakesch einen Speier mit Löwenkopfmotiv mit. Der ziert nun das dafür extra entworfene und gebaute Waschtischelement im Gäste-WC. Siphon und Armaturen aus Messing, Fenster- und Türgriffe aus Bronzeguss vom Kunstschlosser aus dem Holzrausch-Netzwerk sind weitere individuelle Anfertigungen, die zur besonderen Atmosphäre in der neu aufgeteilten Wohnung beitragen. »Je reduzierter die Formensprache des Innenausbaus und der Möblierung wird, desto überzeugender muss jedes Detail sein«, ist ein Credo von Sven Petzold, der das Projekt in der Au intensiv begleitete.

Ein Altbau ist ein Altbau

Ein gutes Gespür aller Beteiligter für die Eingriffe ist notwendig. So soll nach einer erfolgreichen Renovierung ablesbar sein, was verändert wurde und was die Originalsubstanz eines Gebäudes ist. Beispielsweise läuft der Stuck an der Decke des alten Arbeitszimmers nur bis zur entfernten Wand mittig in der Küche. Der dem Eingang zugeordnete Deckenteil blieb ohne Stuck. Klare Trennkanten zwischen in den Wänden eingebautem Stauraum und den deckenanschließenden Stahlträgerverkleidungen sind in diesem Bewusstsein geschaffen. Zum Altbau gehört aber noch mehr als ein gestalterisch und konstruktiv geschärftes Gespür für Materialien und Architektur. Die Umbauzeit bis zum finalen Einbau der letzten Möbelteile betrug fünf Monate. In einem von vielen Parteien bewohnten Gebäude ist so ein Projekt nur mit guter Kommunikation mit den Bewohnern und perfektem Schutz des Treppenhauses, generell mit sauberer, professioneller Arbeit, machbar.

Wie kommt man eigentlich an interessante und auch lukrative Aufträge im Altbau? Die Antwort von Sven Petzold: »Planungskompetenz und überzeugende Ausstellungsräume helfen dabei, aber letztlich zählt nur eins: Referenzen, Referenzen, Referenzen!«

Lebens- und Erschließungsraum ist die Zentralküche, geschaffen aus Foyer und ehemaligem Arbeitszimmer. Das Wohnzimmer war zuvor nur über das Esszimmer, jetzt Kind 1, zugänglich
Zeichnung: Holzrausch

dds-Redakteur Hubert Neumann hat
Sven Petzold im Holzrausch-Planungszentrum
in der Münchner Corneliusstraße getroffen.
Die ausgestellte Materialwelt dort macht die Philosophie von Holzrausch schnell erahnbar.


Steckbrief

Entwurf und Planung:
Holzrausch Planung GmbH, München, Corneliusstr. 2, www.holzrausch.de

Schreinerarbeiten und Projektierung:
Holzrausch GmbH, 85659 Forstern, www.holzrausch.de

Lichtplanung: Holzrausch Planung GmbH,
München, www.holzrausch.de

Steinmetzarbeiten: Konrad Oppenrieder,
Steinmetz und Bildhauer, München


Sven PetzoldHolzrausch GmbH

»Ein Altbau ist ein Altbau – dazu gehören für mich Materialien, die in Würde altern«