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Willi Brokbals: Maschinenwartung mit System, Teil 1 die Abrichte.

Maschinenwartung mit System
Kur für die Abrichte

Ein bisschen Pflege tut uns allen gut und erhält unsere Leistungsfähigkeit. Das gilt nicht nur für Menschen. Fachlehrer Willi Brokbals stellt in einer Artikelserie Verjüngungskuren für Tischlereimaschinen vor: Teil 1 die Abrichte.

Der Mensch gewöhnt sich an vieles – auch an fehlende oder defekte Sicherheitseinrichtungen. Bewusstes Hinschauen und Wahrnehmen und entsprechendes Handeln sind hier besonders wichtig, damit Unfälle vermieden werden.

Sicherheit. Fehlen einzelne Elemente des Klappen- oder Schwenkschutzes oder sind sie beschädigt, müssen sie ersetzt werden. Nicht zu vergessen: Auch der Hobelwellenbereich hinter dem Fügeanschlag muss stets verdeckt sein. Wird ausschließlich ein Klappenschutz benutzt, muss zusätzlich eine intakte Fügeleiste verwendet werden. Vielleicht ist es sinnvoll, einen modernen Brückenschutz zu installieren, der bei richtiger Verwendung die Berührung der Hände mit der rotierenden Messerwelle nahezu unmöglich macht. Neben der Sicherheit sind die obersten Auswahlkriterien einfache und dauerhaft sichere Funktion der Einrichtung. Diese Forderungen erfüllen nur sehr wenige. Ausgereift und gut nachrüstbar ist der in der Schweiz entwickelte Suvamatic-Brückenschutz. Verglichen mit einem verletzten, für mehrere Wochen ausgefallenen Mitarbeiter erscheinen die etwa 1300 Euro Anschaffungspreis erträglich. Der Schwingschutz wird noch von der Fa. Fried vertrieben und kostet etwa 400 Euro (Bild 2 und 3).

Sicherheit in Greifnähe

Auch ein Hilfsanschlag für schmale Werkstücke darf nicht fehlen. Entweder man entscheidet sich für die edle und sehr praktische Variante der Fa. Aigner oder man fertigt ein Winkelbrett, das so lang ist wie der Fügeanschlag und je 100 mm Schenkellänge hat. Kurze Werkstücke bewegt man sicher mit einer Zuführlade über die Messerwelle: Es muss also eine in Greifnähe sein, sonst sind die Mitarbeiter versucht, das Risiko einzugehen und freihändig zu schieben. Analog zur Zuführlade wird beim Einsatz des Brückenschutzes ein Nachschiebeholz verwendet (Bild 4, 5 und 6).

Hobelergebnisse. Grundsätzlich sollten die abgerichteten Werkstücke gerade und die Schmalflächen zudem rechtwinklig sein. Einschläge und Markierungen am Brettanfang und/oder -ende sind unerwünscht. Bei Bedarf sind folgende Punkte zu prüfen:

Höhe des Abnahmetisches. Wer Streifenhobelmesser verwendet, muss wissen, wie der Abnahmetisch schnell und genau auf den Messerflugkreis eingestellt wird. Der Einsatz von Fliehkraftspannsystemen, fest verschraubten Hobelmessern und richtig installierten Wendemessern erfordert, wenn überhaupt, nur sehr selten die Justierung des Abnahmetisches. Sind die Hobelmesser richtig eingesetzt und ist trotzdem ein Absatz am Brettanfang sichtbar, steht der Abnahmetisch zu hoch, ist er am Werkstückende, steht er zu tief.

So wird die Höhe des Abnahmetisches geprüft: Sorgen Sie zuerst dafür, dass der Hauptschalter ausgeschaltet ist oder das Anlaufen der Welle anderweitig sicher verhindert wird. Zur Prüfung benötigen Sie lediglich eine Leiste mit gerade gefügter Schmalseite und einen Bleistift. Machen Sie ein paar Zentimeter vor einem Ende einen Riss auf die breite Leistenseite und positionieren diesen genau an der Tischkante des Abnahmetisches, die zur Hobelwelle zeigt. Drücken Sie die Leiste leicht auf den Abnahmetisch. Der Andruck soll gerade so stark sein, dass die Leiste sicher plan aufliegt.

So stellen Sie die Tischhöhe ein

Beim Drehen der Messerwelle mit der Hand in Richtung Aufgabetisch darf die Leiste etwa fünf Millimeter von der Messerschneide mitgezogen werden. Bewegt sie sich wesentlich mehr in Richtung Aufgabetisch, steht der Abnahmetisch zu niedrig. Streift keines der Messer die Leiste, steht der Abnahmetisch zu hoch. Diese Prüfung sollten Sie bei jedem Messer am Anfang, Ende und in der Mitte durchführen. So können Sie gut feststellen, wie genau jedes einzelne Messer montiert wurde: Oft variiert der Überstand zwischen linker und rechter Messerseite und auch von Messer zu Messer. Statt vier, schneiden dann nur ein oder zwei Messer (Bild 7 und 8)

Hohl- und Spitzfuge. Sind die Werkstücke nach dem Hobeln nicht gerade, sondern hohl oder ballig, spricht man von einer Hohl- oder Spitzfuge. Ursache ist die Einstellung bzw. Ausrichtung des Aufgabe- und Abnahmetisches zueinander. Gerade wird ein Werkstück dann, wenn die Auflageflächen beider Tische horizontal gerade und in einer, wenn auch beim Aufgabetisch nach unten versetzten Linie zueinander verlaufen. Stellt man den Aufgabetisch auf das Niveau des Abnahmetisches, sollte ein Richtscheit auf der gesamten Länge aufliegen.

Fit für Hohl- oder Spitzfugen

Erzielt man eine Hohlfuge, ist das Ende des Abnahmetisches oder der Anfang des Aufgabetisches leicht nach unten geneigt. Beim Hobeln einer Spitzfuge sind sie leicht nach oben geneigt. In der Regel ist weder die Hohl- noch die Spitzfuge gewünscht, doch erst die Möglichkeit dieser Verstellung erlaubt die Korrektur hin zu plan gehobelten Flächen: Wird die gehobelte Fläche des Werkstücks hohl, ändert man die Einstellung in Richtung Spitzfuge, damit eine gerade Seite entsteht. Zur Korrektur einer Spitzfuge zu einer ebenen Fuge verfährt man genau andersherum.

Tischlippen. Geschlitzte Tischlippen brechen die in den Spanlücken der Keilleiste transportierte Luft beim Ein- und Austritt der Messerwelle in den Spalt zwischen Tischlippe und Schneide und reduzieren dadurch den Lärm. Sie sind aus zähem Stahl, da spröder Grauguss beim Auftreffen und Verkeilen von Holzsplittern und Ästen brechen könnte. Im Laufe der Jahre werden sie meist beschädigt. Die entstandenen Grate und Verformungen, die über das Tischniveau hinausgehen, sollten unbedingt entfernt werden, da sie unerwünschte Spuren auf der Werkstückunterseite hinterlassen (Bild 9).

Fügeanschlag. Ist der Fügeanschlag neigbar, muss die Möglichkeit bestehen, ihn schnell wieder ins Lot zu stellen. In den meisten Fällen geschieht das über einen Hebel der, nach vorne oder hinten gedrückt, einen bestimmten Anschlagpunkt der Anschlagrückseite gegen ein Widerlager bewegt. Das System ist so konstruiert, dass sich dabei die Unterkante des Anschlags wenige Millimeter vom Abnahmetisch abhebt. Dieser Abstand ist nötig, damit sich Späne und Splitter nicht zwischen Werkstück und Anschlag schieben und das Hobelergebnis beeinträchtigen. Gibt es beim Zurückschwenken Abweichungen zum rechten Winkel, muss nachjustiert werden. Entweder der Anschlagpunkt oder das Widerlager lässt sich verstellen und durch eine Kontermutter dauerhaft sichern. Der einmalige Aufwand, für den Feingefühl und Geduld erforderlich sind, lohnt sich (Bild 11 und 12 ).

Der Anschlagwinkel darf nicht fehlen

Das Überprüfen des rechten Winkels erfordert ein Werkzeug, das stets griffbereit an der Maschine zur Verfügung steht. Bestens geeignet ist ein Stahlanschlagwinkel, 150 x 100 mm mit der Genauigkeit 2 (etwa 15 Euro). Verwenden Sie einen in der Schreinerei üblichen Anschlagwinkel (etwa 40 Euro), findet dieser schnell einen neuen Abnehmer. Ein Stahlwinkel ist bei den meisten Schreinern und Tischlern so unbeliebt, dass er an der Maschine verbleibt (Bild 13).

Neben dem Winkel sollten auch das Nachschiebeholz und Gleitmittel samt Auftragslappen stets griffbereit sein. Ein Ablagebrett mit entsprechend zugewiesenen Plätzen schafft Abhilfe. Es sollte leicht geneigt angebracht und mit Durchbrüchen und Schlitzen versehen sein, damit sich keine störenden Späne sammeln. Gleitmittel in Sprühflaschen und der zum Verteilen erforderliche Lappen lassen sich auch sehr gut an spezielle Magnete (Felder, zwei Stück etwa 15 Euro) hängen, die überall am Maschinenständer platziert werden können (Bild 10 und 14).

Reinigung. Mit der Zeit verschmutzen Maschinentische, Anschlag und Hobelwelle durch Harz und Leimreste. Ab und zu sollten Sie die Maschine mit Harzlöser und Rostentferner pflegen. Abschließend werden alle Teile mit Korrosionsschutz oder Gleitmittel eingerieben, wobei Sie grundsätzlich darauf achten sollten, dass keines dieser Mittel Silikon enthält. Denn sonst sind Probleme bei der Oberflächenbehandlung vorprogrammiert.

Noch was. Wenn Sie sich gerade so intensiv mit Ihrer Abrichte beschäftigen, passen Sie auch gleich die Arbeitshöhe an die Länge Ihrer Mitarbeiter an. Legen Sie bei Bedarf entsprechende Hölzer unter die Maschine. Für diese Aktion bedankt sich der jeweilige Rücken Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach der Generalüberholung Ihrer Maschine ist die Aussicht, für lange Zeit wieder gute Ergebnisse zu erzielen, sichergestellt. Ganz zu schweigen von der Motivation Ihrer Mitarbeiter, die die Pflegemaßnahmen sicherlich zu schätzen wissen.


Willi Brokbals, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern, berichtet in dds immer wieder über Technik für Tischler und Schreiner. Ungepflegte Maschinen nerven ihn. Also hat er die Initiative ergriffen und diesen Beitrag geschrieben.

»Ungepflegte Maschinen bremsen den Betrieb aus!«


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