Vernetzte Fertigung

Die digitale Schreinerei

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Ima präsentierte im Mai in Hannover auf seinem Lignastand eine vollvernetzte Produktionsstraße für den Möbelbau in Losgröße 1 Foto: Deutsche Messe/Ligna
Handwerk Holz und mehr – das war gestern oder genauer bis vor zwei Jahren auf der Ligna. Das neue Thema läuft unter vielen Namen: Industrie 4.0, die vernetzte Fertigung oder die digitale Schreinerei. Es ist für Handwerk und Industrie gleichermaßen spannend.

Alle Welt spricht davon, die Ligna 2017 in Hannover hat das Thema groß herausgestellt: die digitale Produktion. Ende Mai fand die Ligna, die weltweit größte Messe für Holztechnik zum ersten Mal ohne einen eigenen Bereich für das Handwerk statt. Vieles spricht dafür: Die Maschinenkonzerne scheuen den Aufwand für den zweiten Messestand und wollen ihre komplette Bandbreite an Lösungen nebeneinander präsentieren. Die Messe richtet sich außerdem an die ganze Welt, die nicht wie im deutschsprachigen Raum üblich, zwischen Handwerk und Industrie unterscheidet. Vor allem aber rücken Industrie und Handwerk in ihrer Arbeitsweise näher zusammen. Die Digitalisierung der Produktion macht es möglich. Während die Möbelindustrie früher mit Doppelendprofilern große Serien gefertigt hat, fährt sie heute mit flexiblen Fertigungszellen sogar Stückzahl 1, während Handwerker mit immer professionelleren Maschinen beispielsweise Kleinserien von Möbelkorpussen mit Nullfugen produzieren, die sich qualitativ nicht von den industriell gefertigten unterscheiden. Noch vor zwei Jahren war für das Handwerk die Lager-Säge-Kombination das große Automatisierungsthema. Viele Betriebe haben das inzwischen realisiert und richten jetzt ihre Aufmerksamkeit auf die Prozesse nach dem Zuschnitt.

Ziel ist es, Fertigungslose möglichst unkompliziert, direkt und ohne lange Wartezeiten durch die Produktion zu schleusen. Automatisierungspotenzial sehen die Tischler und Schreiner beim Beschicken und Entnehmen an den Anlagen, bei der Verdichtung von Arbeitsprozessen auf eine Maschine wie etwa beim Nesting sowie bei intelligenten Transport-, Puffer- und Sortiersystemen, die stets die Vollständigkeit der Fertigungslose im Blick haben.

Thema ist natürlich auch der durchgehende Datenfluss von der 3D-Konstruktionssoftware oder dem Onlineshop des Schreiners mit beispielsweise einem Schrankgenerator über die AV, die Materialwirtschaft und die Fertigungsplanung. Neu für die Handwerker sind Leitsysteme, die den Materialfluss durch die Werkstatt organisieren. Natürlich sind die Industrieanwender die Vorreiter bei Industrie 4.0, dennoch hat die Ligna viele interessante Lösungen gezeigt, die sich sogar für ganz kleine Betriebe eignen. Dazu zählen beispielsweise Nestingkonzepte wie der Schreinertraum von Grupp und SCM, der nestingtaugliche Schrankverbinder »Cabineo« von Lamello, Beschicksysteme, mit denen eine CNC für ein oder zwei Stunden mannlos arbeiten kann, Abstapel- und Rückführeinrichtungen an Kantenanleimmaschinen oder der kleine Sortierpuffer von Barbaric.

Maschinenhersteller wie Homag oder Weinig bieten ihren Kunden die cloudbasierte Möglichkeit, sich über eine App ständig und an jedem Ort über den Betriebszustand der Anlagen zu informieren.

Ein neuer Geist ist auch bei den Tischlereimaschinen eingekehrt. So bietet Hokubema beispielsweise die Möglichkeit, den Benutzer einer Tischfräse per Chip zu registrieren, seinen regelmäßigen Bedarf an Sicherheitsunterweisungen an der Maschine zu überwachen oder Maschinenstunden bestimmten Aufträgen zuzuordnen. –GM

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