Die Tür in Zeiten knappen Wohnraums

Was dem Raum dient

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Simi-Lar-Zarge: Ein Gipskartonwinkel kann maßgenau mitgeliefert werden Foto: Erol Gurian für dds
Bei explodierenden Preisen für den Quadratmeter Wohnfläche gewinnt die intelligente Erschließung von Räumen über die Anordnung von Wand, Tür und Zarge stark an Bedeutung. Dabei verschwimmen zunehmend die Grenzen zum Nachbargewerk Trockenbau.

Ein Türblatt wird inzwischen bei Hornbach für 24,50 Euro angeboten, die Zarge gibt es für 58 Euro dazu und die Edelstahlgarnitur für 6,95 Euro. Auf den Immobilienseiten im Raum München kostet eine 100-m²-Wohnung dagegen zwischen 800 000 Euro oder auch 1,6 Millionen Euro. Rund 10 000 Euro und mehr pro m² Wohnfläche; und das ohne vergoldete Wasserhähne – paradoxe Welt! Was heißt das für den Handwerker, der dem Bauherren ein Angebot für Tür, Zarge oder auch gleich die ganze Trockenbauwand mit integriertem Türelement macht? Weniger ist mehr – aber nicht auf den Preis bezogen, sondern den Umgang mit knapper Wohnfläche. Hier können ein in die Trockenbauwand integriertes Schiebetürelement oder flächenbündige Zargen, auch als »Tapetentür« bezeichnet, wirkliche Probleme lösen!

Ein intelligenter Einsatz von Türen kann in der Raumgestaltung gleichermaßen Wohnfläche sparen und zugleich ein großzügiges Wohngefühl vermitteln. Wird die vorhandene Wandscheibe nicht formal durch dominante Türzargen zerstückelt, gewinnt der Raum bereits an Großzügigkeit. Insbesondere in kleinen Räumen kann es sinnvoll sein, ganz auf Drehtüren zu verzichten, um die ohnehin knappe Wohnfläche nicht auch noch um die benötigte Verkehrsfläche des Türblattes beim Öffnen zu reduzieren. Bewegen sich in den zargenlosen Türöffnungen der Wandscheiben stattdessen Schiebetüren, sind schnell 10 m² Fläche eingespart – bezogen auf die Münchener Preise eine hohe fünfstellige Summe! Ob ein Türelement dann mit 500 oder 1400 Euro zu Buche schlägt, spielt keine Rolle mehr. Es zählen die Wertigkeit und die Funktion im Rahmen eines großzügig wirkenden Raumes.

Besser wertig und clever

Wenn Investor, Architekt, Kunde oder Innenausbauer die grundsätzliche Entscheidung getroffen hat, bleibt noch die Wahl des passenden Systems. Waren es über Jahre hinweg bei »unsichtbaren« Zargensystemen oft handgeschnitzte Kombinationen aus Schreiner- und Gipserhand und nur wenige Systemanbieter, werden inzwischen viele professionelle Systeme angeboten, wie die Beispiele auf den nächsten Seiten zeigen. Das ist gut für Innenausbauer, die sich jeweils nach Bedarf einen passenden Systempartner suchen können.

Das Beispiel der Fa. Simi-lar zeigt, wie das in der Praxis aussehen kann: Nach den Vorgaben des Schreiners wird bei Bedarf innerhalb von 48 Stunden in Losgröße 1 eine Zarge angefertigt. Eine CNC fräst die vom Auftraggeber gewünschten Beschläge akkurat in die Aluprofile der konfigurierten Zargenelemente. Und damit keine Abhängigkeit vom Trockenbauer entsteht, werden auf Wunsch maßgenau angefertigte Winkelstücke auf Gipskarton- oder Gipsfaserbasis Teil des gelieferten Bausatzes. Das Türblatt fertigt der Innenausbauer dabei selbst oder ordert es gleich mit – ein Kollege mit Lizenz baut es dann entsprechend der Brand-, Schallschutz und Komfortansprüche des Kunden. Und damit das Ganze richtig rund, respektive flächig an der Wand wird, gibt es ein flächenbündiges Sockelsystem aus einem Guss dazu. So bewahren sich Tischler und Schreiner ein hochaktuelles Geschäftsfeld. -HN

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