Türmaße bestimmen

Praxistipp: Stumpf einschlagende Türen

Die Türmaße einer gefälzten Normtür, wie 86,0 oder 98,5 kann jeder Bautischler im Schlaf aufsagen. Doch wie sieht es bei stumpf einschlagenden Modellen aus? Karl Jungblut, Schulungsleiter des Türenherstellers Jeld-Wen nimmt Stellung zu häufig gestellten Fragen.

Erst seit 2014 sind stumpf einschlagende bzw. flächenbündige Türen auch normativ erfasst. In der DIN 18101 wurde auf Initiative der »RAL Gütegemeinschaft Innentüren aus Holz und Holzwerkstoffen« in Zusammenarbeit mit der Stahlzargenindustrie und dem Normenausschuss Bauwesen (NABau) die bisherige DIN 18101:1985–01 überarbeitet.

Die Erweiterung des Anwendungsbereiches auf gefälzte und stumpf einschlagende Elemente mit und ohne Oberblende bedeutet, dass weitestgehend die aus der Praxis bewährten Definitionen in die DIN-Norm übernommen wurden. Dies sind im Wesentlichen das Türblattaußenmaß und die Zargenfalztiefe.

Das Türblattaußenmaß einer stumpf einschlagenden Tür entspricht dem Falzmaß einer gefälzten Normtür.

Die Zargenfalztiefe für stumpf einschlagende Türen ist um ca. 2 mm tiefer festzulegen, als die Dicke des Türblattes. Somit liegt die Türoberfläche ca. 2 mm gegenüber dem Zargenspiegel zurück. Die Norm lässt auch zu, die Falztiefe so zu wählen, dass Türfläche und Zargenspiegel auf einer Ebene liegen.

Diese Toleranz, die die DIN der flächenbündigen Tür einräumt, resultiert aus den Eigenheiten und der Beschaffenheit des Materials. Holzwerkstoffe reagieren auf Umwelteinflüsse und können sich verziehen. Gäbe es die Toleranz nicht, so würde die Tür Gefahr laufen, bei Verzug überzustehen. Es ist also einfach praktischer, wenn die Tür um 2 mm zurückspringt, da eine 100%-ige Flächenbündigkeit nicht praktikabel ist. Die optische Wahrnehmung wird hierdurch nicht beeinträchtigt: eine flächenbündige Tür erscheint auch bei einem Versatz von 2 mm immer noch flächenbündig.

Sorgfältige Planung gehört dazu

Stumpf einschlagende Türen gewinnen in der modernen Bauweise und Gestaltung immer mehr an Beliebtheit. Derartige Türelemente bedürfen jedoch mehr Sorgfalt in der Planung, Angebotserstellung und vor allem in der Montage. Wichtig sind dabei 3D-verstellbare Bandsysteme, da die umlaufende Falzluft (zwischen Tür und Zarge) immer sichtbar ist.

Dabei ist noch ein weiterer Gesichtspunkt wichtig: »Wer bedient wie häufig mit welcher Motivation zum sorgfältigen Umgang die Tür?« Demgemäß sollte das Bandsystem gewählt werden und danach sollten sich auch die Wartungsintervalle zum erneuten Einstellen einer Tür festgelegt werden.


Karl Jungblut, Schulungsleiter von Jeld-Wen Deutschland in Oettingen. Er führt Montage- und Praxisschulungen im Bereich Türen und Zargen durch und hilft Handwerkern in allen Bereichen von Sonder- und Funktionstüren weiter. www.jeld-wen.de

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