Einbruchschutz bei Wohnungseingangstüren

Praxistipp: Widerstandsklassen

Während das Thema Haus- und Wohnungseinbruch in den Medien immer wieder ein gern genutztes Thema ist, spielt es leider in den Regularien der Baubranche eine eher untergeordnete Rolle. Warum ist das so?

Nehmen wir die Wohnungseingangstür: Im Vergleich zum Schallschutz, der in der DIN 4109 relativ klar geregelt ist, gibt es für den Einbruchschutz – weder bei Häusern, noch bei Wohnungen – klare DIN-Vorschriften. Die einzigen, die gewisse Vorschriften etablieren, sind die Versicherungen. Sie schreiben dem Versicherungsnehmer vor, wie der jeweilige Einbruchschutz – in Abhängigkeit zum besicherten Wert – zu gestalten ist.

Mit der Entwurfsfassung der DIN 18105 hat man zwar einen Versuch gestartet, die Qualitäten und Leistungsfaktoren von Wohnungsabschlusstüren zu vereinheitlichen. Leider finden diese aber nicht überall Anklang. Wenngleich die DIN EN 1627 als eine der ersten europäisch harmonisierten Normen verabschiedet wurde, hat sie in den wenigsten Fällen zwingenden Charakter. Diese Norm dient dazu, Anforderungen hinsichtlich Einbruchhemmung messbar zu machen. Hierzu hat man verschiedene Klassen sowie Anforderungen definiert, anhand derer Türelemente geprüft werden können.

Dabei stellt die Widerstandsklasse RC 1 eine Grundsicherung gegen Aufbruchsversuche durch körperliche Gewalt (Dagegenspringen, treten, etc.) dar. Eine Qualität, die nennenswert ist, auch wenn sie Aufbruchsversuchen mit Werkzeugen nicht standhält.

Die Widerstandsklasse RC 2 orientiert sich an dem Aufbruchsversuch eines Gelegenheitstäters (ca. 86 % aller Wohnungseinbrüche), der mit einfachen Werkzeugen (Schraubendreher, Keile) versucht, das verschlossene und verriegelte Bauteil aufzubrechen. Diese Widerstandsklasse stellt einen sinnvollen Kompromiss zwischen Einbruchschutz und Kosten dar und wird daher auch relativ häufig ausgeführt.

Alles was darüber hinaus geht (RC 3 – RC 6) ist mit höherem Aufwand und Kosten verbunden.

Neben den technischen Grundlagen gegen Einbruchsversuche weist die Polizei aber auch seit einigen Jahren auf die einfachste und wirkungsvollste Maßnahme hin: Türen verriegeln! Denn laut Schätzungen der Polizei werden bis zu 70 % der Wohnungseingangstüren beim Verlassen der Wohnung nicht verriegelt!


Karl Jungblut, Schulungsleiter von Jeld-Wen Deutschland in Oettingen. Er führt Montage- und Praxisschulungen im Bereich Türen und Zargen durch und hilft Handwerkern in allen Bereichen von Sonder- und Funktionstüren weiter.


SERIE

Der Praxistipp

Dieser Montage- und Praxistipp ist Teil der dds-Serie mit Schulungsprofi Kurt Jungblut rund um die Themen Innentür, Türzarge, Montage.

www.jeld-wen.de