Risiken des Smarthomes

Home smart home

Wer wollte etwa nicht clever und smart sein, intelligent und seinen Mitmenschen einen entscheidenden Schritt voraus in die Zukunft? Das Forum »lets be smart« auf der IMM Cologne hat für unseren Autor Roger Mandl dennoch einige Fragen aufgeworfen.

Der Zukunft des intelligenten Heims hatten die Messemacher der IMM Cologne 2018 ein Forum im Bereich Pure Architects gewidmet. Insbesondere die Architekten und Planer sollen dort zu allen Bereichen des Interieurs Anregungen finden. Folgerichtig war das Forum »lets be smart, future of intelligent homes« hier verortet. Die Zukunft ist demnach smart – auch wenn das nicht alle rosig finden werden. Via WIFI, zu deutsch WLAN und anderer Funknetze wartet künftig in jedem Raum eine Box namens Alexa oder Siri auf Befehle: Alexa! Rollo auf 40 Prozent! Licht dimmen auf 25 Prozent! Wer seine Anweisungen forsch in den Raum spricht, erhält nach Eintreten des gewünschten Ereignisses die Bestätigung seines Sklaven mit einem emotionslosen OK. Selbstverständlich ist auch der Fernseher ansprechbar: Er zeigt im Stand-by-Modus keine gähnend leere schwarze Fläche mehr, sondern hängt als gerahmtes Bild mit digitalem Wunschmotiv an der Wand. In der Küche sprechen wir mit dem Wasserhahn, und das Kochrezept wird per Beamer an die Wand oder auf die Küchenarbeitsfläche projiziert. »Handfree« nennt sich das, teigverschmierte Hände am Kochbuch sind out – gesehen bei Nolte-Küchen. Selbstverständlich lässt sich zum Frühstück auch die Digitalausgabe der Tageszeitung an die Wand werfen und zum Abendessen die Tagesschau!

Das Homeoffice wird bei Bedarf zu einem virtuellen Konferenzraum für Meetings. Der smart sense ist ein Schalter, der unter jede beliebige Möbeloberfläche eingebaut werden kann und es dann ermöglicht, mit routiniert ausgeführten Wischbewegungen Leuchten ein und auszuschalten, zu dimmen, Türen zu öffnen, und so weiter – was dieser smarte Sensor noch alles regeln könnte, bleibt der Phantasie überlassen.

Smartphone als Fernbedienung

Neue Apps wie die miele@mobileApp informieren uns unabhängig vom Aufenthaltsort via Smartphone über unsere Hausgeräte – wann die Wäsche fertig ist, welche Temperatur der Kühlschrank hat. Hightech wird zur »Hidetech«, denn sehen kann und soll man all die schöne Technik nicht mehr. Das war ein Ideal des vergangenen Jahrhunderts, als die Dinge noch analog, mechanisch und verständlich waren.

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen auf der Hand: Erstens hat der homo oeconomicus gelernt, im Zuge der Selbstoptimierung seine private Umgebung ebenso zu automatisieren wie die Arbeitsumgebung, um seinen privaten Tag immer effizienter zu nutzen. Zweitens suchen Hersteller elektronischer Bauteile beständig nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für ihre Großserienprodukte. Drittens bestimmt ein gesteigertes oder übersteigertes Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen die technische Gebäudeausrüstung: die vernetzten Bewegungsmelder, Videokameras und Videozugangskontrollen sollen die private Sicherheit lückenlos gewährleisten und kontrollieren. Dabei ist das Smartphone die unentbehrliche Fernbedienung des Smarthomes – auch aus dem Urlaubsdomizil sind die digital assistants zur Stelle. Zum guten Schluss lacht das Herz jedes technikaffinen Bastlers, wenn es gelungen ist, eine Tätigkeit wegzurationalisieren.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lässt sich sagen, dass ein einfacher Stromausfall alle diese Funktionen lahm legt, sofern es kein Notstromaggregat gibt. In Zeiten neuer Aufbereitung und Ausweitung atomarer Waffen ist das durchaus wieder ein Thema: Gezielte Atomschläge zur Schädigung der Energieversorgung anderer Staaten sind ein wahrscheinliches Szenario in militärischen Planspielen. Den Verlust elektrischer und elektronischer Funktionen würden uns sofort in unseren alltäglichen Gewohnheiten einschränken: Pumpen, Heizungen, Flugradar und Eisenbahnen versagen ohne Strom ihren Dienst, Mobiltelefone könnten nicht mehr aufgeladen werden, es wird dunkel. Das Licht ist aus.

Angriffe auf die Privatsphäre

Noch wesentlich unangenehmer könnten die Folgen gehackter smarter Kühlschränke, Badezimmermöbel oder TV-Geräte aufschlagen. In seinem Artikel »Herr im Haus«, erschienen in der Süddeutschen Zeitung, erwähnt Adrian Lobe, wie die CIA etwa Fernseher der Marke Samsung so manipuliert hat, dass diese selbst im scheinbar ausgeschalteten Zustand mitlauschten. Privatsphäre ade! Weiter berichtet er, wie im Oktober des Jahres 2016 Hacker die Kontrolle über mehr als 100 000 elektronische Geräte übernahmen und von diesen aus entsprechende Internetseiten angriffen. Das Szenario, das sich hier wie eine gut gemachte Science-Fiction aufbaut, ist klar: Das Smarthome wird zur intelligenten Waffe und keiner merkt zunächst etwas davon. Denn Hand aufs Herz: Installieren und updaten wir regelmäßig den Computer-Virenschutz oder setzen uns bewusst mit Gefahren auseinander, die von der Digitalisierung ausgehen könnten?

Offensichtlich ist die fortschreitende Entwicklung zum vernetzten Heim ein weiterer unaufhaltsamer Schritt zu einer wunderbar bequemen »Neuen Welt«. Die Frage ist dabei, wie blauäugig wir smarten User diesen Weg mitgehen wollen, mitgehen werden und mitgehen müssen. Digital vernetzte und abgelesene Stromzähler stehen zur Diskussion, Datensammler für die Erfassung von Heizkosten werden bereits in vielen Wohnungen eingesetzt – eine weitere offene Tür. Die Praktiken der Betreiber sozialer Netzwerke offenbaren, dass Datenschutz, Datensicherheit und Persönlichkeitsrechte nicht von allen gleichermaßen wertgeschätzt werden. Brave New World!


Roger Mandl ist Innenarchitekt und Dozent an der Fachakademie für Raum- und Objektdesign der Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen. Seine Haustüre öffnet er analog mit einem Schlüssel.