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Niemals ohne Leidenschaft: Wie Tischlermeister Jonas Winkler Social Media nutzt

Jonas Winkler, Tischlermeister, erreicht Hundertausende als YouTuber und Influencer
Niemals ohne Leidenschaft

Jonas Winkler, Produktdesigner und Tischlermeister entwirft und baut erfolgreich Möbel und Innenausbauten. Überregional und International ist er als Influencer ein bekanntes Gesicht der Holzszene. Seine Netzpräsenz zeigt, welche Möglichkeiten Social Media bieten kann.

Nur das Tun – von dem man durch und durch überzeugt ist – eine Haltung, die nicht immer bequem ist. Der 29 jährige Jonas Winkler hat vieles ausprobiert, bevor er das wurde, was er heute ist. Gefragt ist er als Produktdesigner – und als »Tischlermeister und YouTube-Star« (Titel eines NDR-Beitrags über ihn). Er ist einer der wenigen erfolgreichen deutschen Woodworker in den sozialen Medien. Mit rund 170 000 Followern auf YouTube und über 112 000 Abonnenten auf Instagram wurden seine Videos über 30 Millionen mal aufgerufen. Mit dem damit verknüpften Sponsoring durch Hersteller, Werbeeinblendungen und den Verlinkungen zu Amazon-Produktangeboten auf seinen YouTube-Kanälen funktioniert dies alles sehr gut als Businessmodell – neben seinem eigentlichen Beruf als Produktdesigner und Tischlerunternehmer.

Unabhängig sein als Autodidakt

Wie gelingt es ihm, sich als Influencer der Holzbranche erfolgreich auf Social Media aufzustellen? Etwa unter dem Label »Tischlerwissen direkt vom Meister«? Vorneweg, Jonas ist gar nicht Tischler (Geselle), aber er ist Tischlermeister. Der Einstieg in die berufliche Bildung begann bei ihm über den Start einer Ausbildung zum Erzieher. Fasziniert von guter Gestaltung und dem Material Holz wollte er dann lieber Möbel entwickeln. Produktdesign studieren in Köln war seine Lösung. Ohne Abitur? Das Schöne an kreativen Studiengängen ist die Möglichkeit, mit Talent ausgestattet den Weg über Aufnahmeprüfungen zu gehen. Einfach war es nicht in den Studienjahren für den eher unkonventionellen Autodidakten Jonas. Beispielsweise waren die vorgegebenen Materialien Papier, Pappe und Klebstoff zum Modellbau nicht sein Ding. Er wollte Möbel aus Holz bauen und deshalb war auch Holz sein Werkstoff für den Modellbau. Dass er mit seiner Haltung auf dem Campus auch aneckte, vieles als furchtbar empfand und ab und an ein Projekt aus Sicht der Dozenten in den Sand setzte, verbuchte er für sich als gut investiertes Lehrgeld. Wie geht was und weshalb – das sind die Kernfragen, die ihn bewegen. Zu der Zeit versuchte er viel über Erklärvideos auf YouTube zu lernen.

Jonas´ Gabe, selbstsicher seine Projekte klar und dabei unterhaltsam zu präsentieren, ein »Hingucker« zu sein, ob im Studium oder vor der Kamera, verhalfen ihm zu Auszeichnungen – und diese wiederum zu mehr Aufmerksamkeit. Viele seiner Stuhlentwürfe wurden aufgekauft und werden in der Türkei produziert. Auf Anraten von befreundeten Tischlern bewarb er sich initiativ für die Tischlermeister-Ausbildung in Niedersachsen und wurde zugelassen.

Parallel zum Meisterkurs baute er seine erste eigene Werkstatt auf, immer begleitet von der Kamera. Ob Werkstattumbau, Werkzeugtests oder Möbelprojektversuch, alles landete auf YouTube mit dem Ziel,so nebenbei die Meisterausbildung zu finanzieren. Mit seiner Frau Hannah bildet er ein kongeniales Produktionsteam. Die gelernte Videojournalistin dreht und schneidet seine kreativen Projekt- und Videoideen höchst professionell.

Edutainment – Wissen und Show

Auch die eine Hälfte seines Meisterprojekts, ein Loungesessel (Seite 23) mit gebogener Doppelrückenlehne in Esche und blauem Gurtband, fand den Weg in die Serienproduktion bei einem Hersteller.

Dreimal die Woche geht ein YouTube-Video auf Sendung. Dazu weitere Clips und Teaser auf Instagram und anderen Kanälen. Ohne hohe Frequenz an neuen Clips strafen einen die Social-Media-Algorithmen schnell ab. Doch Themen gehen ihm nicht aus.

Welches ist das richtige Projekt, damit das über 200 000 aus der Community anklicken. Es ist eine Mischung aus Wissensvermittlung und Unterhaltung – Education und Entertainment. Vieles ist Basiswissen für erfahrene Profis – aber auch die finden neue Aspekte. Wer kennt sich schon aus bei sündhaft teuren Japanhobeln oder japanischen Stemmeisen im Vergleich zum deutschen Klassiker »Kirschen«? So ein Thema interessiert Hobbyisten wie Profitischler.

Oder Projekte mit der Origin von Shaper Tools. Wenige Maker (Bastler) leisten sich vermutlich die handgeführte CNC Origin. Aber es fasziniert, was daraus entstehen kann, zumal man sich aus der Shaper-Cloud »Shaper-Hub« komplette Datensätze von Jonas´ Projekten herunterladen kann. Interessierte schenken sich so das Erarbeiten und Programmieren der Konstruktion. Dass eine hohe Produktionsfrequenz und Wissensvermittlung auch manch bösen Shitstorm in Internetforen auslöst, ist die unschönere Seite der Medienprominenz. Ob zu »oberflächlich«, »langweilig«, »unprofessionell«, »diese Tattoos« – in der Internetblase braucht es ein dickes Fell.

Damit große Innenausbauprojekte möglich sind, hat Jonas inzwischen einen Tischlermeister angestellt. Und weitere Mitarbeiter in einem weiteren Unternehmen – aber das ist ein eigenes Thema für demnächst.


dds-Redakteur Hubert Neumann stellt in der 120-Jahre-dds-Serie Kollegen und Mediaprofis vor, die zukunftsmotivierende Projekte machen und dabei Tischler-Motivatoren für junge Leute sind, welche wir klassisch nie erreichen würden.


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