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Laura Kampf begeistert junge Menschen vom Handwerk

Laura Kampf begeistert junge Menschen vom Handwerk
Maker – einfach machen!

Ohne Schere im Kopf mutig loslegen: Laura Kampf, Kommunikationsdesignerin, Makerin, Improvisationskünstlerin und YouTuberin begeistert Hunderttausende mit kreativen Arbeiten vor der Kamera – und motiviert nebenbei Kinder, Handwerkerinnen werden zu wollen.

»Hi! I am Laura – I make Videos about making!« So begrüßt einen Laura Kampf auf ihrem YouTube-Kanal und begeistert damit über 620 000 Abonnenten auf dem Bewegtbildkanal. Auf Instagram folgen ihr auch über 115 000 Fans.

Videos über kreatives handwerkliches Machen sind ihr Erfolgskonzept. Wie gelingt das Motivieren und Begeistern von jungen Menschen für handwerkliches Tun? Dies beleuchten wir aktuell in unserer dds-Rubrik »120 Jahre dds – Blick nach vorn«. Wir schauen, wie es etwa über Social Media gelingen kann, Menschen und vor allem Kinder und Jugendliche von handwerklichen Projekten zu begeistern. Dass das gar nicht so einfach ist, wissen alle, die sich um den Nachwuchs für handwerkliche Berufe bemühen. Es gibt viele Varianten und Modelle – mal mehr mal weniger erfolgreich –, mit denen wir als Fachmagazin im Laufe der Jahrzehnte versuchten, mit Projekten junge Menschen für das Tischlern und Schreinern zu begeistern: »dds macht Schule«, »dds-Spreissel – das Jugendmagazin« oder aktuell über Facebook und Instagram. Ähnliches bei den Fachverbänden auf Bundes-, Landes- und Innungsebene mit Projekten und Kampagnen wie »Born2BTischler«, »Born2BSchreiner«, »TSD-Blog« und manches mehr. Das Spannende und zugleich manchmal auch Frustrierende an den digitalen Medien mit ihren Analysetools sind die Klickzahlen, die detailliert ausgelesen werden können. Die Schwierigkeit bleibt, in den gewünschten Zielgruppen auf Social Media erfolgreich zu werden. Während die Fachverbände und ihre Betriebe super im Konkreten sind, wie bei Tagen der offenen Tür oder in Kooperationen mit Schulen und auch Kindergärten, schaffen es Makerinnen wie Laura Kampf , Leute über das Internet zu faszinieren.

Das Machen erzeugt die Freude

Für Laura ist Handwerkern nichts Bierernstes. Ohne Freude ist alles nichts. Und diese Freude am Machen springt über bei all ihren Videos, ob bei Instagram, Facebook, YouTube oder auch bei ihren »Machgeschichten« für die Sendung mit der Maus.

Nach dem Abitur begann Laura eine Ausbildung zur Mediengestalterin. Kurz vor dem Abschluss brach sie ab und wechselte zur Hochschule Düsseldorf. Dort studierte sie Kommunikationsdesign. Beim Studieren erkannte sie, dass es ihr viel mehr Spaß macht, Ideen und Entwürfe als echte Mock-ups (Anschauungsmodelle) zu schreinern oder zu schweißen, denn am Rechner digital zu erzeugen.

Angeeignet hat sie sich die Fähigkeiten dazu als Autodidaktin und über YouTube und Google. Bis heute ist ihre Vorgehensweise eine Kombination aus »Do it yourself« und »Trial and error – Versuch und Irrtum«. Wenn etwas nicht funktioniert, findet sie heraus warum – und beim nächsten Mal klappt es dann besser. So füllt sie mit jedem Projekt ihren Werkzeugkasten an Improvisationskompetenz.

Sie landete bei den sie wirklich faszinierenden Tutorials auf YouTube immer wieder bei den gleichen Protagonisten der »Maker-Szene«. Der New Yorker Jimmy DiResta ist einer der prägenden für Laura, mit dem sie inzwischen auch einige gemeinsame Projekte realisierte. Als sie zu Beginn erkannte, dass seine millionenfach geklickten Produktionen mit einer einfachen Kamera durch ihn selbst entstanden, hatte sie den Mut, es ihm nach zu tun. Während des Studiums richtete sie sich eine erste kleine Werkstatt ein, entwickelte Ideen für Videos und startete ihren eigenen Kanal auf YouTube. Im Vordergrund stand und steht bis heute das Machen, also der Prozess, wie etwas entsteht. Nicht das Endprodukt als Ziel, sondern den Weg dort hin. Bestand anfangs ihre Basis nur aus einer Stichsäge und einem Lötkolben, ist ihre heutige Werkstatt nach sechs Jahren mit hochprofessionellem Equipment an Werkzeugen bestückt. Mit an Bord ist nun auch eine angestellte Mitarbeiterin, die das Büromanagement, Merchandising aber auch die Produktionsleitung für die Machgeschichten übernimmt.

Sponsoren tragen die Idee

Laura kann aktuell ganz gut von den Einnahmen aus ihrem Maker-Dasein leben. Unabhängigkeit entsteht für sie durch ein Grundeinkommen durch den Social-Payment-Service »Patreon«. Rund 800 Förderer unterstützen mit einem selbstbestimmten Geldbetrag ihr kreatives Tun. Die Reichweite auf YouTube mit den daran gekoppelten Werbeeinnahmen ist eine weitere Quelle. Auch ihr Onlineshop www.laurakampf.shop wächst. Wichtig sind neben der Ausstattung mit Profiwerkzeugen die finanzielle Unterstützung von Sponsoren wie Leatherman, Shaper Tools, Schweißgerätehersteller Lincoln Electric oder die Schreinermarke Festool. Für Laura ist das alles Herzblutwerkzeug, mit dem sie auch ohne Partnerschaft arbeiten würde. Es gibt keine marktschreierischen Hinweise auf die Werkzeuge – sie nutzt sie einfach bei ihren Projekten. Wie jeder andere Betrachter aus ihrer Community sehen die Sponsoren erst die fertigen Videoclips auf YouTube und Instagram und haben keinen Einfluss darauf. Diese Unabhängigkeit ist Laura wichtig.

Was aus den ersten Stunden ihres Maker-Tuns geblieben ist, ist der Anspruch, möglichst alles aus vorhandenem, gebrauchtem Material zu bauen. Eine wichtige Materialquelle ist der Schrotthändler von nebenan. Aus einem alten Scheibenwischermotor wird eine elektrische Kaffeemühle oder aus anderen Schrottteilen eine Tattoomaschine. Alte Gasflaschen werden zu BBQ-Grills umgeflext und geschweißt oder aus einer Sackkarre und einem BMX-Rad entsteht ein Biertransporter – über sechsmillionenfach auf YouTube betrachtet. Mit Worten erklärt sie wenig – die Bilder erzählen die Story aus sich heraus. So funktioniert ihr YouTube-Format weltweit. Die wenigen Worte oder eingeblendeten Texte sind auf Englisch.

Kein Kinderkram für Kinder

Experimentieren können und dürfen, ohne TÜV im Kopf, ob das jetzt alles nun normgerecht ist, was sie da Kreatives macht – das inspiriert und motiviert sie selbst und ihre Betrachter. Jede Woche geht in der Regel ein abgeschlossenes Projekt online. Wobei der Regieaufbau, das Filmen und das Schneiden mehr Zeit in Anspruch nimmt als das eigentliche Bauen.

Auch ihre Machgeschichten für die Sendung mit der Maus kann sie inzwischen eigenverantwortlich mit ihrem eigenen Produktionsteam für den WDR erstellen. No Education – Mut zur Dokumentation des Machens ist ihr Motto und Erfolgsrezept. Fasziniert ist ein fünfjähriger Fußballfan normalerweise nicht von den Fußballkünsten seines Kindergartenfreundes sondern eher von den Echten, wie Messi, Neymar oder Manuel Neuer. Deshalb bevorzugt Laura für ihre Storys auch das Schweißgerät oder die Tauchkreissäge gegenüber der Kinderschere oder dem Pritt-Klebestift. Die positive Resonanz der Kinder, die Handwerkerinnen werden wollen, gibt ihr Recht.


»Eine gute Idee zu haben, ist eine Sache, aber etwas richtig durchzuziehen mit viel Spaß an der Arbeit und kreativen Improvisationen, das inspiriert dauerhaft!«

Laura Kampf, Makerin


dds-Redakteur Hubert Neumann stellt in der 120-Jahre-dds-Serie Kollegen und Mediaprofis vor, die zukunftsmotivierende Projekte machen und dabei Tischler-Motivatoren für junge Leute sind, welche wir klassisch nie erreichen würden.


Steckbrief

Laura Kampf, Makerin, Köln
info@laurakampf.com

www.laurakampf.shop

www.instagram.com/laura_kampf/

www.youtube.com/LauraKampf

Ein umfangreiches Interview steht im Blog von Sponsor Festool:
www.festool.de/blog/work/interview-laura-kampf

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