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Interview mit Blum-Verkaufleiter Markus Blaser

Interview mit Blum-Verkaufsleiter Deutschland Markus Blaser
Die Technologie der Bewegung

Blum bringt Bewegung ins Möbel. Dazu beschäftigen sich die Entwickler im österreichischen Höchst nicht nur mit der technischen Konstruktion, sondern betrachten auch die Wege der Nutzerinnen und Nutzer sowie die Abläufe von der Planung und Produktion bis zur Montage. Ein Interview mit Blum-Verkaufleiter Markus Blaser.

Das Interview mit Blum führte Christian Gahle, dds-Chefredakteur

Im Juni besuchte dds-Chefredakteur Christian Gahle den Showroom in der Blum Zentrale in Höchst. Insgesamt unterhält das Unternehmen acht Produktionsstandorte in Österreich (Bregenz, Dornbirn, Fußach, Gaißau und Höchst) sowie Werke in den USA, Brasilien, Polen und China.

In Deutschland gibt es einen Schauraum in Herford. Durch den Standort Höchst führte Markus Blaser, marktverantwortlich für das Handwerk und den Beschlagfachhandel in Deutschland.

Blum betrachtet nicht nur das Möbel sondern auch die Menschen, die es benutzen – und sogar die, die es herstellen und montieren. Warum ist das notwendig?

Unsere Beschläge finden Sie sehr oft in der Küche und in allen anderen Wohnbereichen bei Privatleuten sowie in gewerblichen Objekten. Wir beliefern die Industrie und über den Fachhandel das Handwerk. Jede dieser Personengruppen hat unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse – an die Technik und an den Service drum herum. Nur, wenn wir all diese Aspekte kennen und berücksichtigen, haben wir unseren Job gut gemacht.

Unter dem Schlagwort »Bedürfnisforschung« analysiert Blum seit den 1990er-Jahren sehr genau, wie insbesondere Familien die Küche nutzen, und welche Gestaltungsbesonderheiten daraus resultieren. Wie kann der Tischler davon profitieren?

Durch Live-Beobachtungen und Kameraaufzeichnungen erhalten wir sehr genaue Einblicke in die Nutzung von Möbeln. Zudem wird das Wohn- und Einkaufsverhalten bis hin zur Bevorratung unserer Beobachtungsgruppen deutlich. Auf Messen und in unseren weltweiten Schauräumen zeigen wir die Neuheiten und Weiterentwicklungen der Beschläge in typischen Anwendungssituationen in Wohn- und Arbeitsbereichen.

Hier kann sich auch der Handwerker umschauen. Noch einfacher geht es über »Blum Inspirations«. Im Magazin oder auf der zugehörigen Website sowie in einem Magazin zeigen wir tolle Umsetzungsideen und stellen die Baupläne direkt zum Download bereit.

Wie unterstützt Blum die Arbeitsprozesse der Tischler/Schreiner?

Der Tischler übernimmt viele Aufgaben in einer Person: von der Beratung über die Planung bis zur Fertigung und Montage. Für alle Belange bieten wir Unterstützung: Mit 23 Außendienstmitarbeitern in Deutschland haben wir immer einen persönlichen Ansprechpartner in der Nähe. Handwerker lieben es haptisch! Darum haben wir trotz umfangreicher Online-Informationen wieder den dicken Katalog in einer Auflage von 18 000 Stück gedruckt.

Der browserbasierte »Korpuskonfigurator« führt den Handwerker dann von der Planung bis zur Fertigung. Wir bieten auch Maschinen und Verarbeitungshilfen, um unsere Beschläge effizient und präzise einzubringen. Kommt der Handwerker bei der Montage vor Ort nicht weiter, hilft ihm unsere »Easy Assembly«-App mit zahlreichen Videos. In besonders kniffeligen Situationen steht unser Live-Chat als Technik-Support zur Verfügung. Insbesondere bei der Einführung neuer Produkte wird dieser Weg häufig in Anspruch genommen, bis später die gewohnte Routine da ist.

Im letzten Interview mit Blum sprach Geschäftsführer Philipp Blum vom Ausbau der Vertriebsnetze und kontinuierlicher Innovation. Wie hat Blum diese Bereiche entwickelt?

Die vergangenen zwei Jahre waren – und sind – extrem fordernd für unser gesamtes Team, immerhin knapp 9500 Menschen arbeiten bei Blum. Anfangs mussten wir coronabedingt unseren Betrieb für zwei Wochen einschränken. Dann gab es die enorm hohe Nachfrage. Jetzt beschäftigen uns Engpässe und massive Preissteigerungen bei der Rohstoffversorgung und der Krieg zwischen Russland und der Ukraine.

Wir haben Mitarbeitende in (und aus) beiden Nationen. Trotz allem konnten wir unser weltweites Geschäft und Vertriebsnetzwerk kontinuierlich ausbauen. Rund 2100 Patenten sichern uns und unseren Kunden eine Exklusivität auf Details, die es so nur bei Blum gibt. Unsere Kreativität wird ebenso in der Kommunikation deutlich: Für »Blum Connects« zur Interzum 2021 haben wir den »German Brand Award« erhalten.

Welche Neuheiten haben Sie auf der »Holz-Handwerk« präsentiert?

Eines unserer Highlights ist das neue Pocketsystem »Revego«: Großformatige Möbelfronten verschwinden seitlich in einem Element, das an einen schmalen Hochschrank erinnert. So lassen sich Küchenzeilen, Arbeitsbereiche oder die Hausbar elegant in den Wohnraum integrieren und bei Bedarf unauffällig verschließen. Dies ermöglichen völlig neue Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten, besonders um multifunktionale Räume zu schaffen. Das ganze System arbeitet rein mechanisch, also ohne elektrische Antriebsmotoren.

Neues gibt es auch bei den Schubkästen: Mit dem »Merivobox«-Systems lassen sich metallische Auszüge variabel gestalten – bei gleichbleibender Verarbeitung und Montage. Der Korpus wird immer gleich gebohrt und erst später kann sich der Kunde entscheiden, welche Lösung er gerne hätte. Darüber hinaus möchten wir mit eleganten, schmalen Zargen und den vielen Gestaltungsmöglichkeiten der »Legrabox« vor allem Kunden mit höchsten Ansprüchen an das Design bedienen.

Gerade im Bereich der Automatisierung von Beschlägen ist Blum weit vorne. In welchem Maße ordern Handwerker diese Produkte?

Die Bewegungstechnologie »Servo-Drive« macht das Öffnen von Möbeltüren, Schubkästen und Klappen einfacher: Leichtes Antippen genügt und schon öffnen sich Auszüge und inzwischen sogar Kühlgeräte wie von selbst. Diesen Komfort erwarten Kunden heute auch, wenn sie eine maßgefertigte Küche beim Tischler beauftragen. Allerdings wird diese elektronische Unterstützung oft nur punktuell eingesetzt.

Ein typisches Beispiel ist nach wie vor der Auszug mit den Mülleimern, den man ungern mit beschmutzten oder beladenen Händen bedient. Im derzeitigen Trend zu komplett grifflosen Möbelfronten kommen insgesamt deutlich mehr elektronische Öffnungssysteme zum Einsatz.


Steckbrief

Möbelideen für jeden Wohnbereich und kreative Raumlösungen sowie Tipps zu Ergonomie, Stauraum, Bewegung und Design hat Blum auf einer eigenen Website abgelegt. Hier gibt es auch direkt die Pläne zum Nachbauen.

Julius Blum GmbH
Industriestrasse 1
AT-6973 Höchst
www.blum-inspirations.com


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