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Wertschöpfung bleibt im Haus

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Wertschöpfung bleibt im Haus

Stahlwangentreppen sind angesagt. Damit ist der Holztreppenbauer auf den Schlosser angewiesen, muss werkstoffbedingte Maßtoleranzen hinnehmen und sich die Wertschöpfung teilen. Für Anton Ihle Grund genug, sich etwas anderes einfallen zu lassen.

Wir fertigen jegliche nur denkbare Holztreppe, auch mit Stahl- bzw. Flachwangen. Die Kombination von den dicken Stufen mit einer sehr dünnen Wange ist zurzeit angesagt«, sagt Anton Ihle. Seine Treppenbaufirma beschäftigt 22 Mitarbeiter und produziert jährlich 1200 bis 1600 Treppengeschosse. Daneben betreibt er noch die H+I Treppentechnik AG mit Sitz im lichtensteinischen Bendern. Diese Firma handelt mit Beschlägen und Zubehör für Treppen, und tritt außerdem als Lizenzgeber für Konstruktionen, wie Faltwerk- oder geländerhängende Treppen auf.

»Mit der Stahlwangentreppe haben wir allerdings schlechte Erfahrungen gemacht. Zum einen mussten wir einen großen Teil der Wertschöpfung dem Schlosser überlassen, zum anderen erfüllen Schlosser und geschweißte Stahlkonstruktionen nicht unsere Anforderungen an die Maßhaltigkeit«, beklagt sich Anton Ihle. Weiterhin könnten seine Monteure die Wangen nicht auf der Baustelle zusammenschweißen, sodass optisch unschöne Winkelverbindungen nicht zu vermeiden seien. Nicht zu unterschätzen sei auch das enorme Gewicht, das seine Monteure zu stemmen hätten. Außerdem müsse die Stahlkonstruktion auch noch einer aufwendigen Oberflächenbehandlung unterzogen werden. All diese Punkte sprachen gegen die Stahlwangentreppe.
Unattraktives Geschäft
Als Komplettanbieter von Holztreppen, konnte Anton Ihle die Stahlwangentreppe nicht einfach aus dem Programm schmeißen. Also galt es, sich etwas einfallen zu lassen: Gesucht war ein dünner, hochfester Werkstoff, der sich tischlermäßig bearbeiten lässt und die Stahlplatte ersetzt. Für Anton Ihle lag die Antwort schnell auf der Hand: »eine HPL-Vollkernplatte«. Gesagt, getan. Er entschied sich für eine 13 mm dicke Platte von Resopal, die es beidseitig mit allen Dekoren des Schichtstoffherstellers in Abmessungen von bis zu 5200 x 132 mm gibt. Aus diesem Format lassen sich für normale Treppen alle Wangen ohne Längsstoß herstellen.
HPL statt Stahl
Für Podesttreppen mit Wangenknick reichen die 5200 mm nicht. Anton Ihle musste also eine Lösung für einen Längststoß an der Knickstelle entwickeln. Außerdem bestand noch Entwicklungsbedarf für die Wangeneckverbindung und die Befestigung der Treppenstufen. Die Lösung war eigentlich gar nicht so kompliziert: Eine stirnseitige und mittige Bohrung mit einem Durchmesser von 5,5 mm kann eine M6-Maschinenschraube ohne vorheriges Gewindeschneiden aufnehmen. Versuche betätigten eine ausreichende Schraubenauszugsfestigkeit.
Die Eckverbindung führte Ihle überblattet aus und verschraubte die Wangen mit insgesamt vier 40 mm langen Senkkopfschrauben, jeweils zwei von der unteren in die obere Wange und umgekehrt. Für die Stufenbefestigung ließ er Winkel die sich in einem 4 mm breiten Schlitz verankern, anfertigen. Bei der ersten Mustertreppe fräste der diese Schlitze mit der Handfräsmaschine »Domino« von Festool. Es gibt einen Winkel für normale Stufen, einen für Innenecken und einen für Außenecken, und zwar in den Ausführungen verchromt, vernickelt und grau pulverlackiert.
Nachdem die Mustertreppe gebaut war und zum ersten statischen Test mit insgesamt 4,8 Tonnen Mauersteinen bepackt nicht einstürzte, beauftragte er Prof. Dr.-Ing. Achim Irle mit dem statischen Nachweis für die Konstruktion. Die HPL-Treppe gilt nämlich als nicht handwerkliche Konstruktion und bedarf daher einer baurechtlichen Zulassung. Das Verfahren kostete insgesamt gut 80 000 Euro. Seit Mitte Mai liegt der Nachweis für Treppen mit bis zu 16 Stufen vor. Ihle kann die HPL-Treppe jetzt zu einem 20 Prozent niedrigeren Preis anbieten als die Stahlwangentreppe.
Geschäftsmodelle
Ihle bietet seinen Schreinerkollegen die Treppe in drei verschiedenen Varianten an: 1. als komplett zugeliefertes Bauteil, 2. als fertig gefrästen und mit Winkeln bestückten Wangensatz und 3. über die Firma H+I Treppentechnik in Form einer Lizenz zum Nachbauen. GM

Service Kontaktadressen
Ihle GmbH 89155 Erbach-Ringingen Tel.: (07344) 92866, Fax: 928670 www.treppenbau-ihle.de H+I Treppentechnik AG FL 9487 Bendern Tel.: +423 (373) 9478, Fax: 9479 www.treppenbau-ihle.de
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