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Kabel oder Akku?

Kabelfreie Baustelle vs. klassische Netzwerkzeuge
Das Kabel ist tot! Wirklich?

Nach Jahren großer Entwicklungssprünge in der Leistungsfähigkeit von Elektrowerkzeugen und Akkus ist aktuell eher eine Phase der Konsolidierung. Die kabelfreie Baustelle funktioniert – doch will sie auch jeder? Dazu bleibt das Lieferkettenthema – neue Produkte, doch wie bauen?

Nachdem 2015 Metabo-Chef Horst Garbrecht seine Vision von der kabelfreien Baustelle mit der Einführung der Hochleistungsakkus LiHD als klare Botschaft formulierte – steht dieser Begriff in der Welt. Der Anspruch bewegte das Handwerk, die Industrie und uns als Fachpresse.

Zwei Jahre später verkündete Garbrecht im großen dds-Interview: »Die kabellose Baustelle ist da!« Mit Dauerleistungen von 2400 W aus den hochstromfesten Zellen der Akkus kann jede Bauaufgabe von einem Akku-Werkzeug erledigt werden – in Kombination mit den bürstenlosen Motoren teilweise noch leistungseffizienter als die Werkzeuge mit Netzkabel.

Seitdem werden wir regelmäßig mit neuen Superlativen zur Erfolgstory der Akkus von den Marketingabteilungen der E-Werkzeughersteller informiert. Die Akku-Quote bei Neuwerkzeugen steigt je nach Hersteller auf 50, 60 ja über 70 Prozent. Die Akku-Allianzen wachsen, bei Metabo/CAS kooperieren aktuell 34 Hersteller im 18-V-Segment mit über 300 Werkzeugen für einen Akku – und die Ausweitung auf Partner Nummer 50 ist fest im Zielplan.

Bosch Power Tools wächst mit seinen Akku-Allianz-Partnern auch nach Plan. Es geht um die Hoheit über die Akku-Schnittstelle beim jeweiligen Handwerker. Passen alle seine benötigten Akku-Werkzeuge auf einen Akku, kann er eine Menge Geld und Ressourcen sparen, wenn etwa zehn Akkus für 60 unterschiedliche Werkzeuge im Montagekombi ausreichen.

Aus Sicht der Hersteller haben sie den Kunden dann fix an sich gebunden. Für die beteiligten kleineren Hersteller einer Allianz bietet die Auslagerung von Akku-Kompetenz an den Partner viel Einsparpotenzial durch gemeinsame Entwicklung und Einkauf – zugleich erzeugt es aber Abhängigkeiten und nimmt Entscheidungsspielräume.

Akku-Allianz vs. Unabhängigkeit

Solche Abhängigkeiten sind ein Grund, dass beispielsweise Festool ganz bewusst bei seiner eigenständigen Akku-Entwicklungskompetenz bleibt – siehe Interview. Festool hat den Vorteil, als ganz stark auf das Tischlergewerk fokussierter Anbieter nahezu allumfänglich jedes Produkt für sein Gewerk anbieten zu können. Der Handwerker kann sich komplett im Festool-Kosmos bewegen. Ob per Akku oder klassisch mit netzgebundenen Werkzeugen, sprich Kabel.

Die Übergangsphase

Im Rückblick auf das erste Halbjahr und die »Holz-Handwerk-Summer-Edition« ist es eine etwas diffuse Zwischenzeit, in der sich einzelne Hersteller (hoffentlich) sortieren. Manche waren gar nicht auf der Nürnberger Messe (Festool, Metabo, DeWalt, Hilti, Würth). Andere wie Bosch Power Tools haben kurzerhand bei der Sommermesse ihren Roadshowtruck am Hallenrand geparkt ohne aufwendigen Messebau – durchaus professionell!

Neue Player wie Universal Robots aus Dänemark zeigten spannende Lösungen mit ihren Cobots (kollaborative Roboter), mit denen der Handwerker ohne Schutzeinrichtungen Hand in Hand arbeiten kann. Stupide Stapelarbeiten, monotone Schleifarbeiten und anderes wird der mechanische Kollege übernehmen können.

Ungewohnt präsent zeigte sich Flex in Nürnberg: Die Werkzeugmacher aus Steinheim nördlich von Stuttgart investieren umfangreich in die Werkzeuge für Holzbau, Schreiner und Tischler. Zwei Akku-Handkreissägen, Akku-Kappsäge, verschiedene Akku-Schleifer – im hundertjährigen Firmenjubiläum scheinen sie richtig Lust auf Holzverarbeiter zu haben.

Es liegt ganz viel Spekulation in der Luft, was da im Oktober so alles an Neuheiten kommen kann. Zuerst laufen schon mal die großen Roadshows bei Bosch und Festool. Die Kunden können dort in ihrer Region die neuesten Werkzeuge der Hersteller ausprobieren – anders als auf den Messen dann nur die Werkzeuge des einen Herstellers, dafür gut betreut.

Den Blick auf Oktober fokussiert

Im Festool-Interview wurde deutlich, dass es sich lohnt, zur Berichterstattung aus Wendlingen und Weilheim/Teck im Kalender Platz zu lassen. Von Festool/TTS wird viel Spannendes aus den Entwicklungshallen offiziell als Herbstoffensive verkündet werden. Auch bei Metabo klingt es danach, dass im Herbst viel Neues vom Stapel gelassen wird. Bosch ist wie immer sehr staatstragend zurückhaltend mit Ankündigungen – anders einzelne Partner aus der Bosch-Akku-Allianz, die es kaum erwarten können, endlich die Welt an den gemeinsamen Neuentwicklungen teilhaben zu lassen.

Einzelne Hersteller wie DeWalt haben im Frühjahr bei den Pressetagen große Erwartungshorizonte skizziert – doch aktuell bleibt es stumm. Hatte sich DeWalt in den letzten Jahren mit seinen vielzelligen Großtankakkus mit 54-V-Flextechnik seinen Platz auf der Bühne gesichert, war der Fokus der März-Präsentationen der Gelben auf den Stapelakkus mit Pouchzellen, so wie man sie aus den Smartphones kennt. Superleicht, superkompakt – aber mit welchem Vorteil? Zum erhofften Gamechanger in der Akku-Welt herrscht seit vier Monaten leider Sendepause.

Zurück zum Thema Akku vs. Kabel. Verstärkt durch die Statements der Festool-Macher und dem Bekenntnis zum Kundenwunsch, der entscheidet wie lange es kabelgebunden Werkzeuge geben wird. Akku-Vorreiter Metabo präsentiert zehn neue Bohrhämmer, sechs davon mit Kabel. Rationeller gearbeitet wird mit den Akku-Lösungen ohne zeitraubendes Kabelverlegen. Ökologischer wird immer das Kabelwerkzeug sein – ohne alternde Zellchemie ein Werkzeug in 30 Jahren wie heute nutzen zu können, ist eine Benchmark, die nicht so einfach zu toppen ist.

Standpunkt: Mir macht es nach wie vor richtig Freude, kompakte, ergonomische, hochleistungsfähige Akku-Werkzeuge kabelbefreit anzuwenden, ohne irgendeinen Gedanken darauf verschwenden zu müssen, woher eine Kabeltrommel den Strom liefern könnte. Kabeltrommel – was war das noch mal? -HN


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