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Was bringt´s was kostet´s?

Technik
Was bringt´s was kostet´s?

Im ersten Teil ihres Beitrags (dds 4/04, S. 48) haben die Holztechniker Bernhard Lamprecht und Jörg Sieber gezeigt, dass sich für die Ladenbau Ganter GmbH die Anschaffung einer liegenden Plattensäge rechnet. Jetzt geht es um die Auswahl von Fabrikat und Modell.

Die Ladenbau Ganter GmbH ist ein Betrieb mit 55 Mitarbeitern. Im Zuschnitt wurde bisher mit stehender Plattensäge (Rohzuschnitt), Doppelendprofiler (Fertigschnitt) und zwei Formatkreissägen (Sonderschnitte) gearbeitet. Der detaillierte, nach fixen und variablen Kosten differenzierte Vergleich ergab, dass mit einer liegenden Plattenaufteilsäge rund 80000 Euro pro Jahr gespart werden könnten. Der Unternehmer hat daraufhin entschieden, eine solche Maschine anzuschaffen. Möglichst systematisch müssen jetzt Größe, Typ und Ausstattung der Säge konkretisiert werden, damit letztendlich die Entscheidung für ein bestimmtes Modell fallen kann.

Zunächst werden die wesentlichen technischen Anforderungen an die neue Maschine in einem Pflichtenheft (siehe Darstellung rechte Seite) zusammengefasst. Auf dieser Basis werden dann Angebote von vier verschiedenen Herstellern eingeholt.
Nun geht es darum herauszufinden, welches Angebot für den Betrieb am vorteilhaftesten ist. Dabei wird ein aus dem Maschinenbau kommendes Verfahren angewendet, das ursprünglich zum Vergleich von Konstruktionsentwürfen entwickelt wurde. Bei dieser in der VDI-Richtlinie 2225 beschriebenen Methode werden die Technische Wertigkeit und die Preisliche Wertigkeit der einzelnen Angebote bestimmt. Zwei der vier Angebote sind zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Rennen, da sie die „Muss“-Anforderung hinsichtlich der geforderten Schnittlänge nicht erfüllen.
Technische Wertigkeit. Typischerweise unterscheiden sich die Angebote bei Maschinen und Anlagen hinsichtlich ihres Lieferumfanges. Was bei dem einen Hersteller zum Standard gehört, ist bei einem anderen Sonderzubehör. Dafür bietet dieser aber womöglich eine andere Zusatzleistung usw. Deshalb müssen die Angebote zunächst auf einen einheitlichen Standard gebracht werden. Es wird also für jedes Kriterium wie z.B. Motorstärke, Zusatzausrüstung, Ersatzteile, Zahlungskonditionen usw. festgelegt, was „Standard“ ist. Abweichungen von diesem Standard werden positiv oder negativ berücksichtigt (vgl. Tab. 1). Der Übersichtlich halber empfiehlt es sich, die Kriterien analog zum Pflichtenheft in Gruppen zusammenzufassen.
Säge 2 erfüllt also unter technischen Aspekten die Anforderungen etwas besser als Säge 1. Sie kostet allerdings auch deutlich mehr. Die Frage ist nun: Rechnen sich diese Mehrkosten – ist die Säge zwar teurer, aber im Verhältnis zu dem, was sie bietet, „preiswerter“? Um dies festzustellen, wird die sogenannte Preisliche Wertigkeit ermittelt.
Preisliche Wertigkeit. Lt. VDI-Richtlinie wird die Preisliche Wertigkeit an Hand folgender Formel ermittelt:
Dabei ist Xg die gewichtete technische Wertigkeit der einzelnen Maschinen, Xgmax die Technische Wertigkeit der am besten abschneidenden Maschine. K sind die bereinigten Kosten, Kmin die Kosten des günstigsten Angebots.
Im Ergebnis (vgl. Tab. 2) erkennt man, dass Säge 1 etwas besser abschneidet. Der geringe Unterschied in der Preislichen Wertigkeit bedeutet, dass beide Sägen im Prinzip „ihr Geld wert“ sind. Bei Ganter entscheidet man sich auf Grund des geringeren erforderlichen Investitionsvolumens schließlich für die Anschaffung der Säge 1.
Die in diesem Beitrag aufgezeigte Vorgehensweise zur Vorbereitung von Investitionsentscheidungen ist auch auf andere Fertigungsbereiche oder andere Fertigungsanlagen übertragbar. Sie kann je nach Bedarf und verfügbarer Datenbasis weiter detailliert oder aber vereinfacht werden.

Die Autoren
Jörg Sieber und Bernhard Lamprecht haben die Fachschule für Holztechnik in Stuttgart besucht. Der vorliegende Beitrag ist die Zusammenfassung ihrer Technikerarbeit. Kontakt: Jörg Sieber,Tel.:( 07422) 979342, E-Mail: j.sieber@ganter-mail.de

Tabelle 1 Säge 1 Säge 2
Bewertungskriterien Gewichtung Bewertung Punkte Bewertung Punkte t
  • 1 Funktionserfüllung 3 3 9 3 9
  • 2 Programmierung 3 3 9 3 9
  • 3 Ergonomie 2 2 4 2 4
  • 4 Service / Wartung 2 2 4 3 6
  • 5 laufende Kosten 1 3 3 2 2
Gesamtpunktzahl 29 30
max. erreichbare Punkte 44 44
Technische Wertigkeit Xg (29/44) 0,66 (30/44) 0,68

Tabelle 2
Bewertungskriterium Säge 1 Säge 2
gewichtete Technische 0,66 0,68 Wertigkeit Xg
gewichtete Technische 0,68 Wertigkeit Xgmax
bereinigte Kosten K 137354,00 145167,00
minimale Kosten Kmin 137354,00
Preisliche Wertigkeit W 0,97 0,95 Kmin • Xg / Xgmax • K
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