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Typ 1 oder Typ 2?

Technik
Typ 1 oder Typ 2?

Dass die Vorschubapparate alle aus norditalienischer Produktion stammen, geht seit Jahren als hartnäckiges Gerücht umher. Anlass für Willi Brokbals und Rudolf Porzelt, Fachlehrer an der Meisterschule Ebern für das Schreinerhandwerk, sich mit dem Thema zu befassen. Sie fanden heraus, wo sie wirklich herkommen, und was der Markt zu bieten hat.

Schon vor Jahren sagte ein namhafter deutscher Maschinenhersteller: »Die Entwicklung und Produktion von Vorschubapparaten zahlt sich nicht aus, die Schreiner geben ihr Geld lieber für ein BAZ aus«. Diese Erfahrung machten auch die Schweizer Unfall-Versicherungs-Anstalten (Suva). Sie entwickelten vor wenigen Jahren einen ausgeklügelten Apparat, für den sich bis heute kein Hersteller fand.

Die einst in der Herstellung von Vorschubapparaten führenden Norditaliener befassen sich schon lange mit Lukrativerem. Etwa 90 Prozent der aktuellen Produktion von Vorschubapparaten stammen mittlerweile von einer taiwanischen Firma. Sie beliefert Maschinenbauer, tritt auf dem Maschinenmarkt jedoch nicht in Erscheinung. Die Produkte finden sich unter verschiedenen Namen in den Programmen der Tischlereimaschinenhersteller. Auf dem Markt für Vorschubapparate ohne CNC-Positionierung gibt es im wesentlichen nur noch zwei Modelle: Typ 1 mit einfachem Stativ hat drei oder vier Rollen und verschiedenen Drehzahlstufen; Typ 2, ebenfalls mit drei oder vier Rollen ausgestattet, verfügt über stufenlose Drehzahlregelung und ein komfortableres Stativ. Stellvertretend für alle Apparate hier ein Porträt des »VSA 48-L« und des »VSA 300« von Holzkraft.
Typ 1: VSA 48 L
Montage. Vorschubapparat und Stativ passen in zwei Kartons, die sich im normalen Pkw transportieren lassen. Die Hauptsäule ist vormontiert, lediglich das obere Führungsrohr mit Zahnstange und der Vorschub selbst müssen angebaut werden. Bevor die Gewinde in den Maschinentisch geschnitten werden, müssen wir den endgültigen Standort auf dem Maschinentisch festlegen. Je nach Länge des oberen Führungsrohres kann das Stativ unterschiedlich weit von der Tisch-Hinterkante entfernt sein. Wird an der Tischfräse überwiegend im Rechtslauf gearbeitet – und das ist in den meisten Fällen so – montiert man das Stativ auf der linken Tischseite. Der Grund ist naheliegend und nachvollziehbar: Versäumt es jemand, das Führungsrohr zu sichern, bewegt sich der Vorschub vom Werkzeug weg. Es wird wahrscheinlich nicht viel passieren. Installiert man ihn auf der rechten Tischseite und arbeitet die Frässpindel im Rechtslauf, fährt er bei nicht geschlossener Klemmung zum oder ins rotierende Werkzeug. Die Folgen können schwerwiegend sein. Mit einem Körner markieren wir die Befestigungspunkte für den gusseisernen Fuß, um die Bohrungen für die Gewindelöcher genau setzen zu können. Die mitgelieferte Anreißschablone ist dabei eine gute Hilfe. Vier Schrauben M12 x 30 verbinden das Stativ sicher mit dem Maschinentisch. Wir führen das obere Führungsrohr mit Zahnstange in das Kreuzgelenk und flanschen den Motor an. Je eine Bürste an der Ein- und Auslaufseite des Vorschubs wird noch angeschraubt, damit anfallende Späne vom Werkstück gefegt werden. Jetzt muss der Elektriker noch den Stecker montieren, dann ist die Maschine einsatzbereit (Bild 1 und 2).
Die Gussteile sind in der Standardausführung »eisengrau« und das Gehäuse »lichtgrau« lackiert: Angenehm dezente Farben, die sich gut in den Maschinenpark einfügen. Auf Wunsch können jedoch auch andere Farben geliefert werden.
Einrichten. Sicherlich, die Hebel sollen keine Handschmeichler sein, doch sind bessere Lösungen als die immer noch vorhandenen Rundstähle wünschenswert. Griffiger und zur erforderlichen Kraftübertragung besser geeignet, sind Kugelgriffe, die eine größere Anlagefläche in der Hand ausfüllen. Die Kräfte wirken dann nicht punktuell, sondern werden auf eine größere Fläche verteilt. Schon vor Jahren haben wir die Hebelenden eines Vorschubapparates an der Meisterschule Ebern mit Kugeln angenehm greifbar gemacht (Bild 3).
Wie eh und je erfolgt die Höhenverstellung mittels Kurbelgriff am oberen Ende der senkrechten Führungssäule: Kleinen und nicht kräftigen Personen bleibt der Gang neben den Frästisch nicht erspart, um die erforderlichen Kräfte übertragen zu können. Verbesserte Gleiteigenschaften und dadurch weniger Kraftaufwand beim Verstellen konnten wir durch leichtes Anheben des Vorschubs erreichen. Ähnliches gilt für das Verstellen des oberen Führungsrohres: Das Handrad ist auf der rechten Stativseite angebracht und mit langen Armen gut von der Maschinen-Vorderseite zu erreichen.
Ein Drehgelenk zwischen Motor und Gehäuse ermöglicht das Schrägstellen des Vorschubs, damit die Transportrollen das Werkstück während der Bearbeitung gegen die Anschläge drücken. Zum Sichern der Einstellung gibt es einen Klemmhebel, der groß genug und angenehm griffig ist.
Spannend wird es, wenn der Vorschub so geschwenkt werden muss, dass die Rollen nicht in Richtung Frästisch, sondern gegen den Anschlag drücken. Wir schwenkten den Apparat in den Bereich außerhalb des Frästisches und lösten die beiden Konusse, die dann horizontales und vertikales Drehen ermöglichten. Es ging erstaunlich schnell, die richtige Position zu finden. Mehr Zeit benötigen wir, die Normalstellung wieder einzurichten. Da keine Rasterungen vorhanden sind, ist das parallele Einstellen der Rollen zur Tischfläche aufwändig.
Betrieb. Elektrisch und über ein mechanisches Getriebe lassen sich vier Vorschub-Geschwindigkeiten einstellen (2; 4; 7; 13 m/min). Steckt man die Zahnräder hinter der Kettenabdeckung, die lediglich mit zwei Sternschrauben befestigt ist, um, erzielt man vier weitere Geschwindigkeiten (5,5; 11; 16,5; 33 m/min) (Bild 4).
Warum der Ein-/Ausschalter, der gleichzeitig Wahlschalter für zwei Geschwindigkeitsstufen und die Drehrichtung der Vorschubrollen ist, an der vom Bediener abgewandten Seite des Motors montiert wurde, war für uns nicht nachvollziehbar. Das macht nur Sinn, wenn der Vorschub überwiegend bei links drehender Spindel eingesetzt wird. Das ist aber eher ein Ausnahmefall! Doch selbst dann ist er schlecht zu greifen, da er in einer Vertiefung und mit etwa 1350 mm für die meisten Bediener zu hoch angebracht ist (Bild 5).
Immer wieder störte die Zuleitung. Unser Wunsch: Das Kabel durch das obere Führungsrohr verlegen. So ist es nicht im Weg und gut geschützt.
Vorschubrollen. In der Standardausführung ist die Gummierung auf den Aluminium-Tragkörper vulkanisiert. Zum Wechsel werden vier Schrauben entfernt, die Rolle abgezogen und die neue montiert. Eine konische Vertiefung der Rückseite zentriert die Rolle und sorgt durch diese Passung für guten Rundlauf (Bild 6). Sonderarbeiten machen manchmal den Einsatz nur einer Rolle sinnvoll, die dann gegenüber dem Getriebekasten vorstehen sollte. Die dazu erforderliche Verlängerung der Achse ist nicht erhältlich. Dieser einfache Vorschub kostet etwa 850 Euro, mit nur drei Rollen etwa 780 Euro.
Typ 2: VSA 300
Einrichten. Der Aufbau scheint auf den ersten Blick grundsätzlich der gleiche zu sein, wie bei fast jedem anderen VSA: Eine massive senkrecht stehende Säule trägt an einem Kreuzgelenk den oberen Auslegerarm. Daran befestigt ist der Motor mit Getriebekasten. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass die Höhenverstellung nicht wie üblich an der senkrechten Säule angebracht ist, sondern »nur« vorn, direkt am Getriebekasten. Dieser Vorschub wird mit einer wegklappbaren Handkurbel mittels Zahnrad und Zahnstange in die richtige Höhenposition gebracht (größtes Durchlassmaß ist 195 mm). Wir konnten die Mechanik mühelos vor der Maschine stehend bedienen. Auffallend sind auch die großen, gut zu greifenden Hebel, mit denen die erforderlichen Kräfte einfach zu übertragen sind.
Besonders beeindruckend: Der Vorschub ist mit einem Mechanismus ausgestattet, der es ermöglicht, eine einmal vorgenommene Schwenkeinstellung genau zu reproduzieren. Das Stativ hat dazu einen gusseisernen Ring mit gefederten Bolzen, die durch einen Nocken am Hebel der Schwenkklemmung betätigt werden. Beinahe als Nebeneffekt. Wir konnten den Vorschub immer wieder schnell in eine Standardposition schwenken, in der er selbsttätig einrastete. Zur Sicherung der erreichten Position muss der Mechanismus mittels Klemmhebel am hinteren Stativ geklemmt werden. Hier sollte der Hersteller noch nachbessern und eine griffgünstigere Lage finden (Bild 7, 8, 9).
Liebhaberei ist das Umschwenken des Vorschubs vom Andruck gegen den Tisch auf Andruck gegen die Anschlagbacken. Der Vorschub wird in »den freien Raum« neben der Maschine geschwenkt, ein sehr gut erreichbarer Klemmhebel gelöst und das Schwenkgelenk mittels Rastbolzen entsichert. Jetzt dreht der Apparat fast allein in die richtige Position. Der Rastbolzen beendet die Drehung beim Erreichen der vorgesehenen Bohrung. Nun wird nur noch der Klemmhebel angezogen und das Umstellen ist beendet. Wir haben die Einstellung mit einem Winkel geprüft: Exakt 90°. Und das in etwa zehn Sekunden (Bild 10 + 11)!
Betrieb. Das Zusammenwirken von Werkstoff und Werkzeug erfordert einfaches Anpassen der Werkzeugdrehzahl aber auch der Vorschubgeschwindigkeit. Letzteres wird beim VSA 300 über einen Kegelscheiben-Antrieb erreicht. Mit dem griffigen, sinnvoll positionierten Stellrad können Vorschubgeschwindigkeiten von drei bis 23 m/min feinfühlig stufenlos eingestellt werden.
Ein Blick ins Innere des Getriebekastens zeigt die Funktionsweise und macht deutlich, warum die Geschwindigkeit nur während des Laufes verstellt werden darf: Zwischen die, unter Federdruck stehende, geteilte Motor-Riemenscheibe ist ein Antriebsriemen geklemmt, der auch um die ebenfalls geteilte Riemenscheibe der Antriebswelle verläuft. Die somit vier halben Riemenscheiben sind von ihren Zentren aus kegelförmig nach außen verjüngt. Daher der Name Kegelscheibengetriebe. Die getriebeseitige Kegelscheibe ist starr auf der Welle befestigt und die ihr gegenüber liegende am Stellrad. Wird diese durch Drehen am Stellrad in Richtung Getriebe gedrückt, verändert sich der Abstand zwischen den Kegelscheiben. Der Antriebsriemen weicht an der Getriebeseite in Richtung größerer Durchmesser aus und wandert gleichzeitig an den Motor-Kegelscheiben in Richtung kleinere Durchmesser. Das wird möglich, da die vordere, unter Federdruck stehende Kegelscheibe von der fest auf der Welle positionierten weg gedrückt werden kann. Die Vorschubgeschwindigkeit wird reduziert (Bild 12).
Ebenfalls auf der Vorderseite positioniert ist der Ein-/Ausschalter, mit dem gleichzeitig die Laufrichtung der Rollen umgeschaltet wird. Auch bei geschwenktem Vorschub bleibt er sehr gut erreichbar.
Vorschubrollen. Auch beim Betrachten der Vorschubrollen lohnt ein zweiter, genauer Blick: Der VSA 300 hat nicht drei, sondern sechs Rollen. Zwischen den geteilten, 25 mm breiten Rollen ist neun Millimeter Abstand. So kann der Vorschub auch zum Auftrennen an der Kreissäge genutzt werden, denn das Sägeblatt hat Platz im Zwischenraum. Ein weiterer Vorteil: Ist eine Rolle beschädigt, können nach dem Lösen nur einer Schraube die Rollen abgezogen und getauscht werden (Bild 13).
Komfort muss auch bezahlt werden: Der Listenpreis für den VSA 300 (drei Rollen) etwa 1600 Euro, VSA 400 (vier Rollen) 1950 Euro.
Wartung und Pflege. Regelmäßige Pflege erhöht die Lebensdauer und erleichtert das Arbeiten mit den Vorschubapparaten. Auf beiden sind Aufkleber angebracht, die über die Abschmierintervalle aufklären: Nach 200 Betriebsstunden oder nach 30 Tagen mehrere Hübe mit der Fettpresse in die fünf Schmierstellen und nach 1000 Betriebsstunden oder einem halben Jahr ist ein Ölwechsel fällig. Dazu entfernten wir die vordere Verkleidung und die dahinter liegende Verschlussschraube des Getriebes. Aus der Öffnung kann das alte Öl in einen Behälter laufen und anschließend werden 160 ml nachgefüllt. Sämtliche »blanken« Metallteile sollten sehr dünn mit einem nicht harzenden Öl eingerieben werden. Das schützt vor Korrosion und verbessert die Gleiteigenschaften.
Und was es sonst noch gibt
Wer seinen Fräsanschlag schonen möchte, kann Abstandhalter (Firma Aigner) am Getriebekasten montieren. Sie verhindern, dass die Vorschubrollen die Anschlagbacken berühren und die Flächen beschädigen. Wenn Sie den Vorschub häufiger demontieren müssen, um den Frästisch für besondere Arbeiten ganz frei zu haben, lohnt es sich, über Wegschwenk-Vorrichtungen nachzudenken. Es werden verschiedene Lösungen angeboten: Vorrichtungen, mit denen sich der Vorschub nach hinten oder zur Seite unterhalb des Maschinentisches klappen lässt oder Auslegerarme die den Vorschub neben oder hinter die Maschine schwenken. Spätestens jetzt sollte man auch darüber nachdenken, ob das lange oder das kurze Führungsrohr sinnvoll ist (Bild 14).
Willi Brokbals und Rudolf Porzelt
»Beim VSA 48 L stören unhandliche Hebel. In der Schulwerkstatt haben wir Kugeln angebracht.«
Willi Brokbals
»Der VSA 300 ist komfortabler und handlicher. Die Geschwindigkeit lässt sich feinfühlig einstellen.«
Rudolf Porzelt
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