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Trennen mit System

Technik
Trennen mit System

Für Trennwandsysteme gibt es kompetente Systemgeber. Der erste Teil unserer Übersicht stellt sieben große deutsche Anbieter mit ihren Partnermodellen und Wandkonzepten vor.

Im zweiten Teil unserer Übersicht (dds 4/2009) stellen wir ausgewählte Konstruktionen im Detail vor.

Systemtrennwände gehören zu den technisch aufwendigsten Produkten im Innenausbau. Die Kosten für Entwicklung und bauaufsichtliche Zulassungen sind hoch. Wer an anspruchsvollen Ausschreibungen teilnehmen will, stößt mit Eigenentwicklungen schnell an Grenzen. Sogenannte Systempartnerschaften versprechen Abhilfe. Die Systemgeber eröffnen Tischlern und Schreinern die Möglichkeit, als Partnerbetrieb auch schall- und brandschutzgeprüfte Konstruktionen selbst anzubieten und zu fertigen.
Um dem Bauherrn eine maßgeschneiderte Lösung zu verkaufen, wird vom Partner viel Erfahrung und Wissen verlangt – von der Beratung bis zur Montage. Daher überrascht es nicht, dass die Hersteller bei der Auswahl ihrer Partner so präzise sind wie ihr Produkt. Nur motivierte und kompetente Partnerbetriebe machen aus einem guten System eine gute Lösung. Der Systemgeber wird also Partner suchen, mit denen er nicht nur seinen Umsatz, sondern auch sein Ansehen mehren kann. Erst die regionalen Kenntnisse seiner Systemnehmer hinsichtlich Marktsituation und Bauvorschriften sowie ihre Nähe zum Kunden ermöglichen ihm den Eintritt in standortferne Märkte und Objekte.
Zwei in einem Boot
Demgegenüber stehen die Interessen der Systemnehmer. Sie wollen einen möglichst großen Teil der Wertschöpfung selbst realisieren – dies umso mehr, je leistungsfähiger sie insbesondere in Produktion, Logistik und Montage sind. Doch die Grenzen zwischen einer echten System- und einer bloßen Vertriebspartnerschaft sind fließend. Während den Systemnehmern in fast allen Modellen die Akquise, Beratung, Montage und Kundenbetreuung zukommt, wird ihnen nicht selbstverständlich auch die Produktion überlassen. Hier fällt oft das Argument »Qualitätssicherung«. Man darf aber auch unter Systemgebern ein durchaus ungetrübtes Verhältnis zur Wertschöpfung vermuten. Schließlich treten fast alle hier vorgestellten Anbieter selbst auch als Objekteinrichter auf – und somit als mögliche Wettbewerber ihrer Partner. Hier liegt Potenzial für Konflikte. Ein Interessenabgleich und klare Vereinbarungen zu Beginn einer Partnerschaft sind unverzichtbar. Beim Vergleich der Hersteller stehen deshalb nicht nur Rahmenbreiten und Schallschutzwerte im Vordergrund, sondern auch die Flexibilität, mit der die Anbieter auf die Leistungsfähigkeit und den Ehrgeiz ihrer Partner eingehen.
Viele Gemeinsamkeiten …
Alle Systeme – Nurglas-Konstruktionen ausgenommen – besitzen eine Metallskelett-Unterkonstruktion, mit der entweder Glaselemente oder Vollwandschalen aus 19 Millimeter starken Spanplatten verbunden werden. Die Vollwände haben in der Standardausführung eine Melaminharz-Beschichtung. Die Glasrahmen bestehen aus eloxierten Aluminium-Strangpressprofilen, die U-Stahlprofile zum Anschluss an Boden, Wand und Decke sind stets pulverbeschichtet. Die Wandstärken liegen im Standard zwischen 100 und 125 Millimetern. Mit wenigen Ausnahmen gründet jeder Hersteller seine Wandtypen auf derselben Unterkonstruktion bei gleicher Wandstärke. So gibt es keine gestalterischen Brüche, wenn unterschiedliche Anforderungen im Projekt mit der jeweils wirtschaftlichsten Konstruktion gelöst werden sollen. Eine durchgängige Kompatibilität aller Wandtypen ist allen Systemgebern ein hohes Gut. Die Zubehörprogramme machen die Wand zum Funktionsträger: Sie bieten Beschläge zur Wandorganisation, zunehmend aber auch integrierte Beleuchtung, Überström- und Akustikelemente. Schrankwände sind schon seit den 70er-Jahren fester Bestandteil der Lieferprogramme. Diese Systemerweiterungen werden in dieser Marktübersicht jedoch nicht ausführlicher betrachtet.
… interessante Unterschiede
Wesentliche Unterschiede zwischen den Systemen finden sich im Material der Wandständer, in der Verbindung von Ständer und Wandelementen sowie im Vorfertigungsgrad der Glaselemente. Die Mehrzahl der Systemgeber stellt die Verbindung von Ständer und Wandelementen mittels Stahlhaken her. Diese werden rückseitig auf Paneele und Glasrahmen aufgebracht. Auf der Baustelle wird jede Wandseite einzeln in die Wandständer eingehängt und punktuell mit ihnen verbunden. Die Einhängeverbindung setzt voraus, dass auch die Glaselemente in zwei Hälften auf die Baustelle kommen.
Der Hersteller Feco dagegen versieht die Vollwandschalen rückseitig mit Klemmschienen, die über die gesamte Höhe der Platten durchlaufen. Durch Einklemmen in den Wandständer wird eine lineare Verbindung hergestellt. Die gerahmten Verglasungen dieses Systems werden nicht mit dem Wandständer verbunden, sondern lediglich zwischen zwei Ständer eingestellt und somit horizontal gehalten. Entscheidend ist der Vorfertigungsgrad. Die Glaselemente benötigen keinen Ständer zur Verbindung zweier Elementhälften. Sie werden bereits im Werk gereinigt, unzugängliche Verschmutzungen sind damit ausgeschlossen. Zwei- oder mehrteilige Glasbauteile werden dagegen noch unmittelbar vor dem Einbau gereinigt. Das Gewicht zweigeteilter Glaselemente ist wiederum geringer und ihre Handhabung auf der Baustelle entsprechend einfacher.
Die Hersteller Bauwandsystem und Lichte liegen konstruktiv zwischen punktueller Einhänge- und linearer Klemmverbindung. Auch sie bringen auf die Wandpaneele ein punktuelles Verbindungsmittel auf, sogenannte Klipsschrauben beziehungsweise Klipsfedern. Mit diesen werden die Wandelemente in einen Kanal geklemmt, der im Wandständer über die gesamte Höhe durchläuft. So lassen sich die Paneele trotz punktueller Verbindung zum Ständerprofil vertikal verschieben. Die Lastabtragung bei Bauwandsystem erfolgt über das höhenverstellbare Sockelprofil, bei Lichte mittels Haltewinkel unten in den Ständer. Bauwandsystem setzt, übrigens als Einziger aller hier genannten Systemgeber, auf Aluminium-Strangpressprofile.
Allgemein gilt: Klemmverbindungen ermöglichen sehr schmale Fugen zur Decke, da sie bei der Montage – im Gegensatz zu den Einhängeverbindungen – keinen Hub benötigen.
Die Systemgeber
Bauwandsystem. Die Geschichte des 2003 gegründeten Unternehmens ist eng verbunden mit dem ehemaligen Hersteller Ernst Lust Möbelfabriken und dessen bereits Anfang der 60er-Jahre entwickeltem Trennwandsystem. Bauwandsystem übernahm die Systemprinzipien, insbesondere die Verbindung mittels Klipsschrauben, und entwickelte auf dieser Basis mehrere neue Glaskonstruktionen. Durch die Alu-Unterkonstruktion erfüllt das System keine Brandschutzanforderungen, die Konzentration liegt folglich auf Projekten mit Nutzungseinheiten von bis zu 400 Quadratmetern, wenngleich auch eine F30-Wand mit Stahlständern verfügbar ist.
Drum. Wie viele andere Systemgeber auch, hat Drum mit Beginn der 70er-Jahre und der damals wachsenden Rolle von Schrank- und Trennwänden den Schritt vom Schreinereibetrieb zum mittelständischen Objekteinrichter vollzogen. Die Grundzüge des bis heute zentralen Wandproduktes Planus wurden bereits Ende der 70er-Jahre entwickelt. Seit 1999 gehört Drum zur Firmengruppe der Nolte-Holding.
Obwohl das Partnergeschäft nicht aktiv betrieben wird und der größte Teil des Umsatzes auf das eigene Objektgeschäft entfällt, zeigt sich auch Drum flexibel bei der Frage nach den Projektleistungen, die von den Systempartnern erwartet werden. So können Verarbeiter je nach eigenen Produktionsmöglichkeiten die Wandelemente selbst fertigen oder auch komplett vom Systemgeber zukaufen – Letzteres vor allem bei Glaselementen mit höherem Brandschutz.
Feco. Anfangs selbst noch Partner eines Systemgebers, ging der Objekteinrichter Paul Feederle 1983 mit einem eigenen Trennwandsystem auf den Markt. Gleichzeitig wurde das Schwesterunternehmen Feco für Systementwicklung und den Vertrieb an Partner gegründet.
Durch den offensiven Auftritt als Systemgeber wird die Feco-Trennwand mittlerweile von Partnerbetrieben weltweit produziert. Feco bietet seinen Partnern ein umfangreiches Schulungsprogramm, bis hin zur Vermittlung von bauphysikalischen Grundlagen. Wie auch bei den anderen Herstellern sind die meisten Partner in Deutschland und dem benachbarten Ausland ansässig. Als einer von drei Anbietern gestattet Feco seinen Partnern, das System unter eigenem Namen zu vertreiben.
Technisch bietet das Feco-System mit der durchgehenden Klemmverbindung sowie den einteiligen Glaselementen interessante Besonderheiten.
Intek. Auch Intek ist seit Beginn der 70er Jahre im Geschäft mit Systemtrennwänden tätig, seit 2002 gibt es die Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben. Als einziges Unternehmen in diesem Vergleich hat Intek das eigene Objekt- geschäft mittlerweile zugunsten des Partnergeschäfts aufgegeben. Stattdessen bietet Intek seinen Partnern insbesondere bei Großprojekten finanzielle Beteiligungen an.
Die Konzentration liegt nunmehr auf der Systementwicklung, besonders auf der Erfüllung hoher bauphysikalischer Anforderungen. Zur Produktpalette gehören neben Systemtrennwänden auch Mobilwände gleicher Wandstärke. Intek bietet seinen Partnern Glaswand-Bausätze, mit denen sie die Verglasung selbst übernehmen können.
Lichte. Nach zehn Jahren Objekterfahrung kam Lichte 1987 mit einem eigenen System auf den Markt. Eine Zusammenarbeit mit Partnern findet vor allem im eigenen Objektgeschäft projektbezogen und ortsabhängig statt. Partner von Lichte müssen einen Jahresumsatz von 250000 Euro erwirtschaften und erhalten Gebietsschutz. Letzteres unterscheidet Lichte von allen anderen Systemgebern. Auch nicht selbstverständlich: Lichte gestattet den Partnern den Vertrieb des Systems unter eigenem Namen.
Basierend auf einer Unterkonstruktion stehen acht unterschiedliche Wandkonstruktionen zur Verfügung, darunter zwei geklebte Glasvarianten.
Lindner. Eigene Trennwände entwickelt Lindner bereits seit 1970. Als börsennotiertes Industrieunternehmen mit insgesamt 4800 Mitarbeitern weltweit ragt Lindner deutlich aus dem Feld der ansonsten mittelständischen Systemgeber heraus. Das Produktportfolio umfasst neben Systemtrennwänden sämtliche raumbildenden Produkte des Innenausbaus. Allein mit dem Bereich Systemtrennwände ist Lindner mit etwa 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 35 Millionen Euro größter deutscher Anbieter. Eine Ausnahme stellt das Unternehmen auch insofern dar, als seine Systempartner die Wandelemente nicht selbst produzieren dürfen. Lindner spricht dementsprechend auch von »Liefergeschäft« und arbeitet auch mit reinen Montagebetrieben zusammen. Von den Partnern wird ein Mindestumsatz von jährlich 1 Million Euro erwartet.
Strähle. Das Familienunternehmen entwickelte bereits 1970 seine erste Systemtrennwand, 1980 folgte das bis heute aktuelle System 2000. Strähle ist ein typischer Vertreter konsequenter Schalenbauweise, bei der sowohl Vollwand- als auch Glaselemente zweiteilig auf die Baustelle gelangen. Die Entwicklung wurde zuletzt stark auf funktionale Erweiterungen und Akustiklösungen – auch zum Nachrüsten – gerichtet. Die Wandständer können schon im Standard Elemente zur vertikalen Wandorganisation aufnehmen. Daniel Vieser

Service Kontakt zum Autor
Daniel Vieser lebt in Karlsruhe und arbeitet als Architekt, freier Architektur- fotograf und Fachautor. Zuvor war er drei Jahre lang bei einem mittelständischen Objekteinrichter zuständig für Planung sowie Pressearbeit. www.dv-a.de
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