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Marktübersicht: Dickenhobel-Maschinen im Praxistest

Heiße Hobel, Teil 2
Marktübersicht: Dickenhobel im Praxistest

Was hat sich in den letzten Jahren bei den Hobelmaschinen verändert? Im zweiten Teil der Marktübersicht befasst sich Willi Brokbals nun mit den Dickenhobel-Maschinen. In der Januar-Ausgabe hat er bereits die neuen Abrichten vorgestellt.

Nicht der Vierseiter, sondern auch die im Handel erhältlichen Leimholzplatten veranlassen viele Schreinereien dazu, darüber nachzudenken, sich vom Platzfresser Dickenhobel zu trennen. Am Ende dieser Trennungsgedanken steht für viele jedoch die Gewissheit, dass die Dickte fester Bestandteil der Produktion bleiben muss. Manchmal reicht es, das alte Schätzchen wieder auf Vordermann zu bringen. Vieles spricht auch dafür, mit einer neuen Maschine die positiven Veränderungen der letzten Jahre für den eigenen Betrieb zu nutzen.

Dickenhobel werden breiter

Vorsicht! Beim Platzbedarf ist »neu« nicht gleichzusetzen mit besser: Die Dickenhobel-Maschinen sind heute bei gleicher Hobelbreite etwa 20 Prozent breiter als vor 20 Jahren. Doch Stellfläche in der Schreinerei ist nach wie vor ein rares Gut. Die Kölle Hobelmaschine DH 63 kam bei 630 mm Hobelbreite mit 1000 mm Maschinenbreite aus. Sie ist somit 1,59-mal so groß wie die Hobelbreite. Bei den aktuellen Maschinen kommt die D636 der Firma Hoffmann dem Wert am nächsten (Quotient 1,71). Schlusslichter sind die Maschinen von SCM: Satte 1280 mm Maschinenbreite ergeben einen Quotienten von 2,03.

Alle Hersteller fertigen die Maschinenständer als verrippte Stahlkonstruktionen. Lediglich Martin setzt auf ihre bewährte Kombination aus Stahlkonstruktion und Polymerbeton, die eine besondere Steifigkeit verspricht. Absaugstutzen sind als Bestandteil der Schutzhaube durchgängig hinten oder seitlich angebracht. So wird die große Deckfläche, meist mit Teppich belegt, zur willkommenen Zwischenablage während des Hobelns. SCM spendiert ihren Dickenhobel-Maschinen zur Edelstahlfläche oder Kunststoff-Noppenfläche eine großzügige Ablagemulde im linken, sich nicht öffnenden Bereich neben der Schutzhaube. Wäre sie flächenbündig eingelassen, könnte die gesamte Maschinenbreite (1280 mm) als Zwischenablage genutzt werden. Martin punktet mit einer gummibelegten Ablagefläche am linken Maschinenständer ohne die Ablagefläche auf der Haube zu stören.

Nur bei Hofmann lässt sich die Haube quer zur Durchlaufrichtung öffnen. Was sonst mit einem Handgriff funktioniert, erfordert bei SCM das Lösen einer Inbusschraube, die die Schutzhaube sichert. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Panhans und Hofmann haben im Innenraum praktische Ablageplätze für Ersatzmesser und Werkzeug geschaffen.

Grauguss bleibt angesagt

Alle Hersteller setzen auf Grauguss-Hobeltische, jedoch mit unterschiedlichen Oberflächen: gehobelt (Hofmann, Panhans, SCM), feingehobelt (Martin), gefräst (Felder), geschliffen (L‘invincibile-SCM). Tischwalzen sind ausschließlich als Option zu haben. Sie sind sinnvoll bei nassen und harzreichen Hölzern, die Nachteile beim Hobeln trockener Hölzer überwiegen. Die Tischhöhe wird durch vier synchron angetriebene Trapezgewindespindeln verstellt. Gegen Verschmutzung wird jede durch einen Faltenbalg geschützt.

Felder, Martin und Hofmann verhindern den Schmutzeintrag in den Raum unterhalb des Hobeltisches durch mitfahrende Bleche an der Ein- und Auslaufseite. Zwei oder vier seitliche Führungen verhindern das Verkanten des Tisches während der Verfahrbewegungen. Die Verstellung durch kräftezehrendes Drehen einer Kurbel hat lange ausgedient. Robuste Elektromotoren, die mittels Taster oder Positioniersteuerung ihre Verfahrwerte erhalten, übernehmen zuverlässig die Aufgabe.

Dünne Bretter hobeln

Um auch bei dünnem Holz oder Kunststoff ein sehr gutes Hobelergebnis zu erreichen, haben Hofmann und Martin ihre Hobeltische mit Vakuumeinrichtungen erweitert. Der als Hohlkammer konstruierte Tisch hat über die gesamte Breite im Bereich der Hobelwelle Bohrungen, durch die das Vakuum wirkt (Bild 7). Martin arbeitet mit einem Gebläse unter dem Hobeltisch und erzielt 0,5 bar Unterdruck. Hofmann verwendet ein Vakuumgebläse, das verfahrbar außerhalb der Maschine steht. Mit ihm lässt sich das Vakuum stufenlos den Erfordernissen anpassen. Große Arbeitserleichterungen bieten bis 2 m lange Tischverlängerungen an der Maschinenauslaufseite. Martin hat neben einer fest montierten großen, die flexibelste Lösung: Die 450 mm lange Tischergänzung ist abklappbar und kann an der Ein- und/oder Auslaufseite montiert werden.

Die Felder Group bietet für ihre Dickenhobelmaschinen Walzen an, die an der Front- und/oder Rückseite des Hobeltisches angebracht werden und das Arbeiten erleichtern. Eine weitere Besonderheit ist ein schnell zustellbarer Gleitmittelauftrag. Ein Behälter vor dem Hobeltisch ist mit Gleitflüssigkeit gefüllt, die einen Filzdocht über die gesamte Hobelbreite permanent benetzt. Ist Gleitmitteleinsatz erforderlich, wird der Behälter angehoben, bis der Docht die Unterseite des Werkstückes berührt. Bei jedem Durchlauf des Materials wird ein sehr feiner Gleitmittelfilm auf das Werkstück und damit auch auf den Hobeltisch übertragen.

Walzen, Niederhalter, Hobelwellen

Die Ausführungen der Einzugwalzen sind sehr vielfältig: Durchgehende, geriffelte Stahl-Einzugwalzen versprechen ein sehr hohes Durchzugvermögen, bergen aber die Gefahr, dass sich nach dem Hobeln bei sehr geringer Spanabnahme Eindrücke der Riffelung auf der Werkstückoberseite zeigen. Das passiert bei Gummi-Einzugwalzen nicht. Durchgehende Vorschubwalzen sind grundsätzlich pendelnd aufgehängt und ermöglichen den gleichzeitigen Transport zweier unterschiedlich dicker Werkstücke. Für das gleichzeitige Vorschieben einer Vielzahl unterschiedlich dicker Werkstücke empfehlen die Hersteller den Einsatz geriffelter oder gummierter Glieder-Einzugwalzen. Dabei sind einzelne, etwa 50 mm breite Vorschubwalzen so nebeneinander angebracht, dass sie sich unabhängig voneinander den unterschiedlichen Dicken anpassen. SCM beschreitet hier einen anderen Weg und verwendet eine stark komprimierbare Gummimischung, die auch bei einer durchgehenden Vorschubwalze die Vorzüge der Glieder-Einzugwalze haben soll.

Die Auszugwalzen sind in den meisten Fällen gummiert, aber auch die Stahlausführung ist erhältlich. Um den durchgängig sicheren Ausschub zu gewährleisten und um bei langen Werkstücken Einschläge am Ende zu verhindern, bieten alle Hersteller die Ausrüstung ihrer Hohlmaschinen mit zwei Auszugwalzen an. Alle Vorschubwalzen der SCM-Maschinen lassen sich mit wenigen Handgriffen austauschen. So können für verschiedene Hobelaufgaben unterschiedliche Gummimischungen eingesetzt werden. Beim Modell S7 von L’invincibile geht die Anpassungsfähigkeit noch einen Schritt weiter: Die Andruckkräfte der Vorschubwalzen lassen sich pneumatisch regulieren. Die Hobelwellen entsprechen weitgehend denen der Abrichten (siehe dds 01/2022, Seite 34ff). Felder und Martin bieten zusätzlich modifizierte Spiralmesser-Hobelwellen für die Zerspanung von Kunststoffen.

Bedienung und Handhabung

Durchlassdicke einstellen, einschalten und ausschalten. Das sind die grundlegenden und auch die häufigsten Bedienschritte am Dickenhobel. Hier ist es wichtig, für optimale, ergonomische Zugriffsmöglichkeiten zu sorgen. Doch das gelingt längst nicht allen Herstellern. Noch immer sind zu viele Bedienelemente in der senkrechten Maschinenfront verbaut. Um die Tasten zielsicher zu treffen, muss man einen Schritt zurücktreten, sich bücken, verdrehen oder viel Routine vorweisen. Das ist unnötig und kann zu Fehlern führen. Dass es anders geht, zeigen gute Beispiele bei Maschinen aus der Feldergruppe und die Hobelmaschinen von Hofmann und Martin. Alle Bedienelemente sind dort an geneigten Tafeln in angenehmer Höhe gut einsehbar und gut erreichbar.

Martin bietet mit einem sehr stark geneigten, geschützt in die Haube integrierten Bedientableau eine beispielhafte Lösung. Es punktet zudem mit eindeutiger Zuordnung der Stellelemente und großen, gut lesbaren Ziffern der Digitalanzeige. Panhans verlegt lediglich die digitale Anzeige in den oberen, geneigten Maschinenteil und belässt die übrigen Schaltelemente in der Senkrechten. Dabei gelingt dem Hersteller die Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart: Mit einem kleinen, sehr leicht drehbaren Kurbelrad, das in angenehmer Höhe im unteren Bedienfeld platziert ist, lässt sich die Hobeldicke einstellen. Noch ein Plus: Robuste Metallbügel schützen die Bedienfelder vor Beschädigungen, ohne die Bedienung zu behindern. Vielleicht ist es nur eine Kleinigkeit, doch für einige Schreiner macht es einen großen Unterschied: Die Bedienelemente der SCM-Maschinen sind auf der linken und die aller anderen Hersteller auf der rechten Maschinenseite positioniert.

Was geschieht bei Überlastung?

Der Vorschub ist in zwei Stufen mit einem Wahlschalter oder stufenlos mit einem Potentiometer zu verstellen (von 2 bis 25 m/min). Die übliche maximale Spanabnahme sind 8 mm (Martin 12 mm). Bei hohem Vorschub und gleichzeitiger kräftiger Spanabnahme kann es zur Überlastung des Antriebs kommen. Dem vorübergehenden Ausfall der Maschine beugen alle Hersteller mit einem Überlastschutz vor. Die beiden Maschinen der Felder-Group und auch die L’invincibile S7 von SCM bieten eine sehr komfortable Lösung: Die Stromaufnahme ist gekoppelt mit der Vorschubgeschwindigkeit. Überschreitet sie einen gewissen Wert, wird die Geschwindigkeit automatisch auf ein sicheres Niveau gedrosselt.

Dicke einstellen, Maschine ein- und ausschalten, wie eingangs erwähnt, sind zwar die häufigsten jedoch nicht die einzigen Bedienschritte, die erforderlich oder möglich sind. Bei einigen Maschinen muss man nach dem Einschalten der Hobelwelle noch einen Moment warten und kann erst dann den Vorschub zuschalten (Panhans, SCM). Ein zusätzlicher Handgriff, der verzichtbar ist. Auch das Einschalten mit einem Stern-Dreieck-Schalter (SCM) sollte doch längst der Vergangenheit angehören. Auch die zur Dickeneingabe so praktischen Positioniersteuerungen sind mit weiteren mehr oder weniger sinnvollen Zusatzfunktionen ausgestattet: Umschalten zwischen Absolut- und Inkrementalmaß, Betriebsstunden-Zähler, Rechenfunktionen, referenzieren, Programmspeicher – und ganz sicher noch mehr.

Fazit

Bei diesen vielfältigen Ausstattungsmöglichkeiten sollte jeder Schreiner die perfekte Dickenhobel-Maschine für seinen Betrieb finden. Zusammen mit den Daten der Marktübersicht sind die Entscheidungen gut abzusichern.

Dickenhobel-Maschinen: Hersteller in der Übersicht

Folgende Fabrikate und deren Details hat sich Willi Brokbals diesmal vorgenommen:

Lesen Sie den gesamten Beitrag inklusive der tabellarischen Darstellung der genannten Modelle.


Willi Brokbals war Lehrer an der Meisterschule Ebern. Über Dickenhobelmaschinen berichtete er bereits ausführlich im Oktober 2014; seine Marktübersicht Dickenhobelmaschinen ist weiterhin in der dds-Mediathek verfügbar.

 

 

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